Pallade Veneta - "Recycelte Minister": Macrons neue Regierung in der Kritik

"Recycelte Minister": Macrons neue Regierung in der Kritik


"Recycelte Minister": Macrons neue Regierung in der Kritik
"Recycelte Minister": Macrons neue Regierung in der Kritik / Foto: STEPHANE DE SAKUTIN - AFP

Kaum ernannt, schon in der Kritik: Die nach wochenlangen Verzögerungen nun vollständige französische Regierung hat bei der Opposition umgehend Kritik ausgelöst. "Ich mache mir Sorgen um das Land, wenn ich dieses seltsame Gespann sehe", sagte der linkspopulistische Politiker Manuel Bompard am Freitag dem Sender France Info. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Vorabend 20 zusätzliche Kabinettsmitglieder ernannt.

Textgröße ändern:

In der Regierung seien "fanatische Macron-Anhänger ohne Rückgrat", sagte Bompard. Er nannte als Beispiel die frisch ernannte Bildungsministerin Nicole Belloubet, die sich früher gegen Schuluniformen ausgesprochen hatte, diese in ihrem neuen Amt nun aber mindestens testweise einführen soll.

Die 68-Jährige, die zugleich für die Jugend zuständig ist, ersetzt in diesem Ressort die in die Kritik geratene Amélie Oudéa-Castéra. Diese hatte die Wahl einer teuren Privatschule für ihre Kinder auf wenig glaubhafte Weise verteidigt und damit die Lehrerschaft gegen sich aufgebracht. Oudéa-Castéra bleibt aber als Sport- und Olympia-Ministerin weiter in der Regierung.

"Die französische Schule funktioniert nicht so wie sie soll", sagte Belloubet am Freitag bei ihrer Amtseinführung. Ihr Ziel sei es, "soziale Ungleichheiten zu bekämpfen" und "den pädagogischen Ansatz zu reformieren", fügte sie hinzu.

Neuer beigeordneter Minister für Europa ist der 40 Jahre alte Jean-Noël Barrot, der bisher für die Digitalwirtschaft zuständig war. Er wird in seinem neuen Amt auch für die Beziehungen zu Deutschland zuständig sein. Barrots Vater war mehrfach Minister in Frankreich und Vizechef der EU-Kommission. Die bisherige Europa-Staatssekretärin Laurence Boone ist nicht mehr im Kabinett.

Das Wirtschaftsministerium ist künftig auch für die Energiewende zuständig, die bislang im Umweltministerium angesiedelt war - eine Entscheidung, die bei Umweltorganisationen auf Kritik stößt. "Macrons einzige Umweltpolitik besteht darin, Minister zu recyclen", spottete auch der kommunistische Parteichef Fabien Rousseau im Onlinedienst X.

Zum beigeordneten Gesundheitsminister wurde der 57 Jahre alte Frédéric Valletoux ernannt. Das Gesundheitsministerium war im Zuge der Regierungsumbildung mit dem Arbeitsministerium zusammengelegt worden. Die bisherige Doppelministerin Catherine Vautrin kann sich nun auf das Ressort Arbeit konzentrieren.

Trotz der neuen Regierungsmannschaft gilt Macron während seiner zweiten Amtszeit als eingeschränkt handlungsfähig. "Er ist sehr geschwächt, weil das Regierungsbündnis nicht mehr die absolute Mehrheit hat und er selber nicht mehr antreten kann", sagte der Politikwissenschaftler Pascal Perrineau. Das mache ihn zunehmend angreifbar, auch im eigenen Lager, wo viele sich auf die Zeit danach vorbereiteten, fügte er hinzu.

Die neue französische Regierung umfasst 35 Mitglieder, 18 Frauen und 17 Männer. Die meisten einflussreichen Ministerien - Innen, Außen, Verteidigung, Wirtschaft, Justiz, Umwelt und Landwirtschaft - sind allerdings weiterhin in männlicher Hand. Von Frauen besetzt sind die Ressorts Arbeit, Bildung, Kultur, Sport und Hochschulen.

T.Galgano--PV

Empfohlen

Organisatoren von Tiananmen-Mahnwachen in Hongkong schuldig gesprochen

In Hongkong sind zwei Organisatoren von Mahnwachen zum Gedenken an die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Pekinger Tiananmen-Platz 1989 der "Anstiftung zur Subversion" schuldig gesprochen worden. Die 41-jährige Chow Hang-tung und der 69-jährige Lee Cheuk-yan hätten andere Menschen zu "illegalen" Aktionen angestachelt, hieß es in dem am Freitag in der chinesischen Sonderverwaltungszone veröffentlichten Urteil. Damit drohen den beiden Demokratie-Aktivisten jeweils bis zu zehn Jahre Haft.

IS-Anhängerin soll Anschlag auf Parlament von Bundesstaat New York geplant haben

Eine Anhängerin der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) soll einen Anschlag auf das Parlamentsgebäude des US-Bundesstaates New York geplant haben. Die Frau wurde wegen Terrorismus-Verdachts angeklagt, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht. Demnach sagte die 35-Jährige einem Informanten der US-Bundespolizei FBI, dass sie das Kapitol in der Bundesstaat-Hauptstadt Albany "zerstören" und "Senatoren töten" wolle.

Melania Trump scherzt über Abwesenheit: "Ich habe gehört, Ihr habt mich vermisst"

Nach Spekulationen über ihre längere Abwesenheit hat sich US-Präsidentengattin Melania Trump am Donnerstag wieder in der Öffentlichkeit gezeigt: "Ich habe gehört, Ihr habt mich vermisst", scherzte die 56-Jährige bei einer Veranstaltung im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington. "Hier bin ich."

Nord Stream: Gericht in Kroatien ordnet U-Haft für ukrainischen Taucher an

Ein Gericht in Kroatien hat nach der Festnahme des ukrainischen Tauchers Vladimir Z. im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee Untersuchungshaft angeordnet. Das Gericht in Pula teilte am Donnerstag mit, "mit Blick auf seine Auslieferung" an Deutschland habe eine Richterin wegen "Fluchtgefahr" U-Haft angeordnet. Zuvor war Z. von einem Staatsanwalt vernommen worden. Berichten zufolge wurde Z. am Rande von Dreharbeiten für einen Hollywood-Film festgenommen, der von dem Attentat auf die Pipeline inspiriert sein soll.

Textgröße ändern: