Pallade Veneta - Hauptangeklagter im Prozess zu Paris-Anschlägen 2015 bittet um "Entschuldigung"

Hauptangeklagter im Prozess zu Paris-Anschlägen 2015 bittet um "Entschuldigung"


Hauptangeklagter im Prozess zu Paris-Anschlägen 2015 bittet um "Entschuldigung"
Hauptangeklagter im Prozess zu Paris-Anschlägen 2015 bittet um "Entschuldigung" / Foto: Benoit PEYRUCQ - AFP/Archiv

Im Prozess zu den Pariser Anschlägen vom November 2015 hat sich der Hauptangeklagte Salah Abdeslam unter Tränen entschuldigt. "Ich möchte mein Beileid ausdrücken und bei allen Opfern um Entschuldigung bitten", sagte Abdeslam am Freitag zum Ende seiner Aussage, die sich über drei Tage hinzog. Dabei äußerte sich der 32-Jährige nach jahrelangem fast völligem Schweigen erstmals ausführlich zu seiner Rolle bei den Anschlägen mit 130 Todesopfern und 350 Verletzten.

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Die Geschichte des 13. November 2015 sei "mit dem Blut der Opfer geschrieben", sagte Abdeslam mit zitternder Stimme. "Es ist ihre Geschichte, und ich bin ein Teil davon". Ihm sei bewusst, "dass der Hass fortbesteht (...) ich bitte Sie, mich mit Mäßigung zu verabscheuen", sagte Abdeslam. An die Adresse der Hinterbliebenen der Opfer sagte der Hauptangeklagte auch, er wisse, dass seine Entschuldigung "Ihnen keine Heilung bringen wird".

Abdeslam ist das letzte noch lebende Mitglied des dschihadistischen Kommandos vom 13. November 2015. Bei Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Vor Gericht sagte Abdeslam nun aus, dass er ursprünglich für einen Selbstmordanschlag in einer Bar im 18. Pariser Arrondissement vorgesehen gewesen sei. Als er dann aber die Leute in der Bar "lachen und tanzen" gesehen habe, habe er es unterlassen, den Anschlag zu verüben.

Seinen Freunden hatte Abdeslam zunächst erzählt, dass sein Sprengstoffgürtel defekt gewesen sei. "Das war eine Lüge", sagte er nun. Er habe sich geschämt, die Wahrheit zu sagen. "Ich habe aus Menschlichkeit darauf verzichtet, nicht aus Angst", betonte der Angeklagte.

Die Anwältin Olivia Ronen vom Verteidigerteam fragte Abdeslam im Kreuzverhör, ob er es bereue, den Anschlag in der Bar nicht verübt zu haben. "Ich bereue nicht, ich habe diese Personen nicht getötet, und ich bin selbst nicht tot", erwiderte er.

Anwälte der Nebenkläger hatten zuvor auf mögliche Ungereimtheiten in Abdeslams Aussage hingewiesen. So führte er an, sich nicht mehr zu erinnern, um welche Bar es sich gehandelt habe. "Es fällt uns schwer, Ihnen zu glauben", sagte der Anwalt Didier Seban. "Wenn Ihnen diese Wahrheit nicht passt, ist es mir egal", entgegnete Abdeslam.

Er sagte auch, dass er erst zwei Tage vor den Anschlägen den Auftrag bekommen habe. Er habe nicht gewusst, dass die anderen Täter in Straßencafés und im Konzertsaal Bataclan angreifen wollten.

In einem beschlagnahmten Computer hatten die Ermittler Hinweise auf weitere geplante, aber nicht ausgeführte Anschläge in der Pariser Metro und am Amsterdamer Flughafen Schiphol gefunden. Im Bekennerschreiben der dschihadistischen Organisation Islamischer Staat (IS) war hingegen von einem Anschlag im 18. Arrondissement die Rede gewesen. Für welche Mission Abdeslam tatsächlich vorgesehen war, bleibt somit auch nach seinen jüngsten Aussagen unklar.

Am 13. November 2015 hatten jeweils drei mit Sprengstoffgürteln ausgestattete Männer Anschläge im Konzertsaal Bataclan, vor Cafés und Restaurants in der Pariser Innenstadt sowie nahe eines Fußballstadions verübt. Die neun Attentäter sind tot. Abdeslam war der einzige, der sich in seines Sprengstoffgürtels entledigte und flüchtete.

Der Prozess hatte im September begonnen. Angeklagt sind 20 Männer, von denen sechs abwesend sind. Neben Abdeslam sind vier weitere Männer angeklagt, die mutmaßlich für den Einsatz bei Anschlägen eingeplant gewesen waren. Die übrigen Angeklagten sollen logistische Hilfe geleistet haben, indem sie Abdeslam bei der Flucht halfen oder falsche Papiere besorgten.

F.M.Ferrentino--PV

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