Pallade Veneta - Baerbock beklagt in Kiew "dramatische" Zuspitzung an Front und fordert mehr Luftabwehr

Baerbock beklagt in Kiew "dramatische" Zuspitzung an Front und fordert mehr Luftabwehr


Baerbock beklagt in Kiew "dramatische" Zuspitzung an Front und fordert mehr Luftabwehr
Baerbock beklagt in Kiew "dramatische" Zuspitzung an Front und fordert mehr Luftabwehr / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat am Dienstag die Ukraine besucht und mehr internationale Unterstützung für die Luftabwehr des Landes gefordert. Die Lage an der Front habe sich "dramatisch zugespitzt", erklärte Baerbock. Die russische Armee rückte nach Angaben Moskaus in der umkämpften Stadt Wowtschansk weiter vor und brachten inzwischen fast die Hälfte des Stadtgebiets unter ihre Kontrolle. Sie hatte am 10. Mai im Nordosten der Ukraine in der Region Charkiw eine Bodenoffensive gestartet.

Textgröße ändern:

Baerbock, die am Dienstagmorgen per Zug zu einem unangekündigten Besuch in der Hauptstadt Kiew eintraf, verurteilte die "massiven russischen Luftangriffen" auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine und sprach von einer "brutalen russischen Offensive im Raum Charkiw".

Die Bundesregierung werde sich bei ihren westlichen Partnern weiter dafür einsetzen, dass sie Kiew weitere Systeme zur Luftverteidigung bereitstellten, erklärte Baerbock. "Um die Ukraine vor dem russischen Raketen- und Drohnenhagel zu schützen, braucht sie dringend mehr Luftabwehr."

"Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln, damit die Ukraine bestehen kann, damit die Ukrainerinnen und Ukrainer auch in Zukunft selbstbestimmt leben können. Und damit Putins Truppen nicht bald vor unseren eigenen Grenzen stehen", fügte die Grünen-Politikerin hinzu.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in der vergangenen Woche erneut einen massiven Mangel an Waffen zur Luftverteidigung seines Landes beklagt. Er warnte davor, dass die russische Offensive in der Region Charkiw nur eine "erste Welle" russischer Angriffe sein könnte.

Die russischen Truppen versuchen unter anderem die Stadt Wowtschansk einzunehmen. Sie kontrollierten inzwischen "etwa 40 Prozent" des Stadtgebiets, sagte der von Moskau eingesetzte Vertreter für die russisch besetzten Teile der Region Charkiw, Witali Gantschew, am Dienstag im russischen Fernsehen. Ein ukrainischer Militärsprecher sagte, die Kämpfe dort seien "weiterhin schwierig und ändern sich dynamisch".

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden seit Beginn der russischen Offensive in der Region mehr als 14.000 Menschen vertrieben. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) äußerte sich "äußerst besorgt" über die Zunahme "der humanitären Bedürfnisse und die Zwangsumsiedlungen" infolge der Kämpfe.

Die Behörden in der russischen Grenzregion Belgorod meldeten derweil einen weiteren Angriff der ukrainischen Armee. Ein Auto sei in dem Dorf Oktjabrsky von einer Drohne getroffen worden, erklärte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow im Onlinedienst Telegram. Eine Frau sei dabei getötet worden. Drei weitere Insassen des Autos wurden laut Gladkow verletzt.

In der von Russland kontrollierten Stadt Donezk im Osten der Ukraine wurde nach Angaben des von Moskau eingesetzten Bürgermeisters Alexej Kulemsin außerdem ein Mann durch ukrainischen Beschuss getötet. Im von Russland kontrollierten Teil der Region Saporischschja wurde nach Angaben der Moskau-treuen Behörden ein weiterer Mann getötet.

Baerbock war zuletzt Mitte Februar in die Ukraine gereist. Mit ihrem erneuten Besuch in Kiew wolle sie gegenüber den ukrainischen Gesprächspartnern auch in Anbetracht der sich zuspitzenden Lage in den Kampfgebieten bekräftigen, "dass Deutschland und Europa weiter fest an der Seite der Ukraine stehen und in ihrer Unterstützung nicht nachlassen werden".

"Unsere Unterstützung ist verwurzelt in der tiefen Überzeugung, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnen wird", betonte Baerbock in Kiew. Kreml-Chef Wladimir Putin spekuliere darauf, "dass uns irgendwann die Luft ausgeht, aber wir haben einen langen Atem", sagte sie. Die Menschen in der Ukraine könnten dauerhaft auf die Unterstützung aus Deutschland und von weiteren Verbündeten bauen.

R.Zaccone--PV

Empfohlen

Von Kommunalwahl in Friesland ausgeschlossen: AfD-Politiker scheitert vor Gericht

Der wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue von der niedersächsischen Kommunalwahl im Kreis Friesland ausgeschlossene AfD-Politiker Martin Sichert ist mit einem Eilantrag auf Zulassung gescheitert. Das Verwaltungsgericht Oldenburg wies seinen Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz nach Angaben vom Montag ab. Entscheidungen der zuständigen Gremien, die sich unmittelbar auf das eigentliche Wahlverfahren bezögen, seien immer erst durch einen Wahleinspruch nach einer Wahl überprüfbar. Sichert wollte im Kreis Friesland als Kandidat bei der Landratswahl antreten. (Az. 6 B 4195/26)

Russisches Gericht verurteilt Jabloko-Politiker Schlosberg zu elf Jahren Haft

Ein russisches Gericht hat einen hochrangigen Politiker der von der bevorstehenden Parlamentswahl ausgeschlossenen Anti-Kriegs-Partei Jabloko zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht im nordwestrussischen Pskow befand den Jabloko-Politiker Lew Schlosberg am Montag wegen "Diskreditierung der Armee" für schuldig und verhängte gegen ihn eine Freiheitsstrafe von elf Jahren und einem Monat. Jabloko sprach von einer "Tragödie des Zerfalls der zeitgenössischen russischen Justiz".

Thüringer BSW steht zu Koalition - weitere Konfrontation mit Parteispitze

Das BSW in Thüringen hat sich zur gemeinsamen Koalition mit CDU und SPD bekannt und sich damit klar gegen die Bundesspitze der Partei gestellt. Bei einer Fraktionssitzung in Erfurt stimmten die Landtagsabgeordneten des BSW am Montag einstimmig für eine Fortsetzung der Regierung unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU). BSW-Landeschefin Katja Wolf verbat sich auch an die Adresse des Bundesvorstands gerichtet "ferngesteuerte politische Kampagnen" und sprach von nervigen Debatten.

US-Senator der Demokraten verurteilt Trumps Kritik an Manövern mit Südkorea

Der ranghöchste US-Senator der Demokraten im Streitkräfteausschuss hat die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump verurteilt, die Beteiligung der US-Armee an jährlichen gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea zu verringern. "Dies ist eine weitere wahnwitzige, planlose Entscheidung von Präsident Trump und seiner chaotischen Regierung", erklärte der Senator Jack Reed am Montag. "China und Russland beobachten, wie leicht der Präsident Amerikas Verbündete im Stich lässt", fügte Reed hinzu.

Textgröße ändern: