Pallade Veneta - FDP versucht auf Parteitag Spagat zwischen Koalitionstreue und Profilschärfung

FDP versucht auf Parteitag Spagat zwischen Koalitionstreue und Profilschärfung


FDP versucht auf Parteitag Spagat zwischen Koalitionstreue und Profilschärfung
FDP versucht auf Parteitag Spagat zwischen Koalitionstreue und Profilschärfung / Foto: John MACDOUGALL - AFP

Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen dominieren die deutsche Politik - das war am Wochenende auch auf dem Parteitag der FDP in Berlin zu spüren. Parteichef Christian Lindner sprach dem unter Druck stehenden Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) das Vertrauen aus, andere Parteimitglieder, auch prominente, äußerten aber deutlichen Unmut. Der neue Generalsekretär Bijan Djir-Sarai betonte die Eigenständigkeit der FDP.

Textgröße ändern:

Die Frage der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine sorgt seit Tagen für Unruhe in der Koalition - Politiker von FDP und Grünen kritisieren Scholz' Haltung als zu zögerlich. "Olaf Scholz ist eine verantwortungsvolle Führungspersönlichkeit, die sorgsam abwägt", sagte allerdings am Samstag FDP-Chef und Bundesfinanzminister Lindner. "Der Bundeskanzler hat das Vertrauen der FDP und auch ihrer Fraktion im Deutschen Bundestag."

Die Ukraine müsse "diesen Krieg gewinnen", betonte Lindner zugleich. Dafür benötige Kiew schwere Waffen. "Ich verstehe nicht, warum diese Feststellung für manche ein Problem ist."

Deutlich kritischer äußerte sich Parteivize Wolfgang Kubicki. "Das Bild, das viele Vertreter der größten Regierungspartei gerade vor den Augen der Weltöffentlichkeit abgeben, ist keines, das uns als Koalitionspartner zufriedenstellen kann", sagte er in seiner Eröffnungsrede. "Es ist konkrete und wirkungsvolle militärische Hilfe für die Ukraine gefragt. Und manche sagen, auch der entscheidende Führungswille, der fehle derzeit."

FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die zuletzt viel Kritik an Scholz geäußert hatte, forderte auf dem Parteitag, die Devise für die deutsche Ukraine-Politik müsse lauten: "Nicht zaudern, nicht zögern - Kühnheit und Mut". Sie bekam stehende Ovationen. Zahlreiche Delegierte griffen Strack-Zimmermanns kritische Äußerungen über Scholz in ihren Redebeiträgen auf. So warf die Vorsitzende der Jungen Liberalen (Julis), Franziska Brandmann, Scholz vor, er "windet sich um Fragen der Lieferung schwerer Waffen".

Der Parteitag beschloss am Samstag mit sehr großer Mehrheit eine Vorlage des Bundesvorstands, der sich klar hinter die Forderung nach Lieferung schwerer Waffen stellt. "Das wichtigste und kurzfristig wirksamste Mittel, um den russischen Vormarsch zu stoppen, ist die deutliche Intensivierung und Beschleunigung der Lieferung hochwirksamer und dabei auch schwerer Waffen an die ukrainische Armee", heißt es darin.

Auch in dem am Sonntag verabschiedeten Leitantrag ging es vor allem um den Krieg und seine Folgen. Gefordert wird darin unter anderem, "die Bundeswehr zu einer der modernsten und schlagkräftigsten Armeen Europas zu machen". In der Energieversorgung müsse Deutschland möglichst schnell unabhängig von Russland werden. Zugleich werden FDP-Kernüberzeugungen unterstrichen, etwa der Verzicht auf Steuererhöhungen und das Festhalten an der Schuldenbremse.

Zum neuen Generalsekretär wählte der Parteitag am Samstag den Bundestagsabgeordneten und Lindner-Vertrauten Djir-Sarai mit einer Zustimmung von 89 Prozent. Der 45-Jährige kündigte an, sich um ein eigenes Profil der FDP in der Koalition zu bemühen: Er werde "niemals, niemals, niemals ein zusätzlicher Regierungssprecher sein", sagte Djir-Sarai. "Meine Mission lautet: FDP."

Lindner richtete Kritik vor allem an die Union, die im Bundestag einen Antrag zur Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine einbringen will. Der CDU/CSU gehe es offenkundig darum, "die Regierungskoalition in Schwierigkeiten zu bringen und die Regierung zu destabilisieren", monierte er. Lindner konnte am ersten FDP-Präsenzparteitag seit Pandemie-Beginn nur digital teilnehmen, weil er während einer Corona-Reise positiv auf Corona getestet wurde und in Washington bleiben musste.

A.Graziadei--PV

Empfohlen

Gericht gestattet Flávio Bolsonaro Besuch seines inhaftierten Vaters wieder

Der rechtsgerichtete brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro darf seinen Vater, den verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, wieder im Hausarrest besuchen - solange er ihn nicht in den Wahlkampf einbezieht. Der Oberste Gerichtshof Brasiliens genehmigte am Montag eine Wiederaufnahme der Besuche. Wie aus dem Urteil hervorgeht, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, dürfen die Besuche aber keinem "politischen oder wahlbezogenen Zweck" dienen.

Brand in Starlink-Station in Polen: Tusk gibt zwei Festnahmen in Deutschland bekannt

Nach einem Brand in einer Anlage des Satelliten-Kommunikationssystems Starlink in Polen hat Regierungschef Donald Tusk die Festnahme von zwei Verdächtigen in Deutschland bekanntgegeben. Die deutsche Polizei habe die beiden türkischen Staatsbürger im Auftrag der polnischen Behörden festgenommen, erklärte Tusk am Montag im Onlinedienst X. Sie stehen demnach im Verdacht, die Starlink-Station in der zentralpolnischen Region Masowien in Brand gesetzt zu haben. Tusk sprach von einem "weiteren Akt hybrider Kriegsführung".

Ukraine-Krieg: Merz telefoniert mit Selenskyj

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Montag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert. Dieser habe Merz über die massiven russischen Luftangriffe auf zivile Ziele und die ukrainische Energieinfrastruktur am vergangenen Wochenende informiert, erklärte das Kanzleramt. Der Bundeskanzler bekräftigte demnach "die Solidarität Deutschlands mit den Ukrainerinnen und Ukrainern".

Vorfall in Fairford: USA und Verbündete verurteilen "gewaltsame Angriffe" des Iran

Nach dem Zwischenfall auf einem britischen Luftwaffenstützpunkt Ende September haben die USA und ihre Verbündeten, darunter auch Deutschland, "auf das Schärfste Irans Einsatz gewaltsamer Angriffe" verurteilt. Dabei gehe es um "Taten tödlicher Anschlagsplanung, Brandstiftung, Sabotage, Cyberangriffe und andere hybride Aktivitäten gegen uns und unsere Partner", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die am Montag vom US-Außenministerium veröffentlicht wurde.

Textgröße ändern: