Pallade Veneta - Drei Konservative und ein Reformer: Iraner wählen neuen Präsidenten

Drei Konservative und ein Reformer: Iraner wählen neuen Präsidenten


Drei Konservative und ein Reformer: Iraner wählen neuen Präsidenten

Bei der vorgezogenen Präsidentschaftswahl im Iran kann sich das moderate Lager erstmals seit Längerem wieder etwas Hoffnung machen. Vier Kandidaten - drei Konservative und ein Reformer - standen bei dem Urnengang am Freitag zur Wahl. Ein Wahlkampfthema war das umstrittene Atomabkommen mit dem Westen, dessen Wiederbelebung der Reformer Massoud Peseschkian fordert. Die USA verhängten kurz vor der Wahl neue Sanktionen im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm.

Textgröße ändern:

Für einen Sieg muss Peseschkian auf einen deutlichen Anstieg der Wahlbeteiligung hoffen, die bei der Wahl 2021 bei nur 49 Prozent gelegen hatte. Oppositionelle Exil-Iraner hatten dazu aufgerufen, die Abstimmung in den mehr als 58.000 Wahllokalen zu boykottieren, da sie diese für nicht glaubwürdig halten.

Die 58.000 Wahllokale sollten ursprünglich bis 18.00 Uhr (Ortszeit, 16.30 Uhr MESZ) geöffnet sein. Die Wahl wurde am Abend jedoch zweimal vom Innenministerium verlängert, erst bis 20.00 und dann bis 22.00 Uhr. Offizielle Ergebnisse werden spätestens Sonntag erwartet. Erste Hochrechnungen soll es am Samstag geben.

Der 69-jährige Peseschkian - Arzt, Parlamentarier und ehemaliger Gesundheitsminister - war bis vor kurzem noch relativ unbekannt. Er ist der einzige Reformkandidat bei der Wahl. Der ultrakonservative Wächterrat hatte sechs Kandidaten zur Wahl zugelassen, von denen nach dem Rückzug zweier ultrakonservativer Bewerber am Donnerstag nur noch vier übrig blieben.

Neben Peseschkian bewarben sich der konservative Parlamentspräsident Mohammad-Bagher Ghalibaf, der ultrakonservative Ex-Atomunterhändler Said Dschalili und der Geistliche Mostafa Purmohammadi um das Präsidentenamt. Als Favoriten unter den Anhängern der aktuellen Regierung galten Ghalibaf und Dschalili.

"Der Wahltag ist ein Tag der Freude und des Glücks für uns Iraner", sagte das geistliche Oberhaupts des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, bei seiner Stimmabgabe in Teheran. "Wir empfehlen unserem geschätzten Volk, die Wahl ernst zu nehmen und teilzunehmen."

Die politische Macht liegt im Iran seit der Revolution 1979 beim geistlichen Oberhaupt des Landes. Dem Präsidenten obliegt die Ausführung der von Chamenei festgelegten politischen Leitlinien.

FDP-Generalsekretär Djir-Sarai kritisierte die Abstimmung denn auch als "Scheinwahl". "Die Wahl ist überhaupt nicht demokratisch. Die Kandidaten sind handverlesen, sind vom Wächterrat ausgesucht worden", sagte er der "Welt".

"Wir nehmen an der Wahl teil, um das politische Schicksal und die Führung unseres Landes selbst zu bestimmen", sagte indes Mohammad Reza Hadi, ein 37-jähriger Student aus Teheran.

Die ursprünglich für 2025 geplante Wahl war nach dem Tod des bisherigen Präsidenten Ebrahim Raisi bei einem Hubschrauberabsturz im Mai vorgezogen worden. Die Neuwahl kommt in unruhigen Zeiten: Der eskalierende Nahostkonflikt hat die Spannungen in der Region verstärkt und das Land kämpft mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der internationalen Sanktionen.

Auch die hohe Inflation und die Abwertung des Rial gegenüber dem US-Dollar dürften vielen der 61 Millionen Wählerinnen und Wähler im Land Sorgen bereiten. Die USA verhängten am Donnerstag weitere Sanktionen im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm. Die Strafen richten sich gegen Schifffahrtsunternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die iranisches Öl transportieren.

Die USA hatten das Atomabkommen mit dem Westen 2018 aufgekündigt. Peseschkian machte sich im Wahlkampf für die Wiederbelebung des Vertrages stark, in der Hoffnung auf eine Aufhebung der Sanktionen und auf wirtschaftliche Erholung des Landes. "Sollen wir ewig mit Amerika verfeindet bleiben oder wollen wir unsere Probleme mit dem Land lösen?", fragte er.

Zwei Jahre nach den Massenprotesten infolge des Todes der 22-jährigen Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die Polizei spielte auch das umstrittene Thema Kopfbedeckung für Frauen eine Rolle im Wahlkampf. Bei einer TV-Debatte distanzierten sich alle Kandidaten von den oft gewaltsamen Verhaftungen von Frauen, die sich unverschleiert in der Öffentlichkeit zeigen. "Wir dürfen die iranischen Frauen auf keinen Fall so grausam behandeln", sagte Purmohammadi.

Sollte keiner der Kandidaten auf eine absolute Mehrheit kommen, gibt es am 5. Juli eine zweite Wahlrunde. Dies ist allerdings seit dem 45-jährigen Bestehen der Islamischen Republik erst einmal, bei der Wahl 2005, vorgekommen.

F.Dodaro--PV

Empfohlen

Neue Kanzleramtsministerin Warken will Geheimdienst-Reform schnell voranbringen

Die neue Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) will die geplante und vom Kabinett beschlossene Reform des Bundesnachrichtendienstes (BND) schnell voranbringen. "Bis Ende des Jahres soll das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen sein", sagte die CDU-Politikerin der "Bild am Sonntag". "Die Dienste werden anschließend zur Sicherheit von uns allen schnell von ihren neuen Befugnissen Gebrauch machen."

Einschüchterungen und Auszählungspause: Wahlbeobachter in Sambia beklagen Unregelmäßigkeiten

Internationale Wahlbeobachter haben Unregelmäßigkeiten bei der Präsidentschaftswahl in Sambia beklagt. Die stundenlange Unterbrechung der Stimmauszählung habe "Unsicherheit und Besorgnis" ausgelöst, erklärte die Beobachtermission der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) am Samstag. Zudem lägen Berichte "über Einschüchterungen, Übergriffe, Entführungen und Sachbeschädigungen in fünf Provinzen" vor. Zeugenaussagen zufolge habe es Todesopfer gegeben. Die Mission habe die Berichte allerdings nicht verifiziert können. Die Polizei teilte mit, sie habe nach der Tötung eines Wahlhelfers neun Verdächtige festgenommen.

Islamistische Taliban feiern fünften Jahrestag ihrer Machtübernahme in Afghanistan

Mit Paraden und Blumen haben die radikalislamischen Taliban den fünften Jahrestag ihrer erneuten Machtübernahme in Afghanistan gefeiert - während Kritiker den zunehmenden Verlust von Freiheiten und Rechten unter der Taliban-Herrschaft beklagen. Hunderte männliche Anhänger versammelten sich am Samstag auf einem Platz neben der ehemaligen US-Botschaft in Kabul und schwenkten die weißen Flaggen der Taliban-Regierung. Militärhubschrauber warfen Blumen über einer Parade männlicher Athleten ab - Frauen dürfen in Afghanistan unter den Taliban keinen Sport treiben.

Nach Anschlag am Bondi Beach: Australien kündigt Schusswaffen-Rückkauf an

Acht Monate nach dem antisemitischen Schusswaffenangriff am australischen Bondi Beach hat der Bundesstaat New South Wales ein erstes Rückkaufprogramm für Schusswaffen eingeleitet. Ab November sollen Waffenbesitzer ihre nach neuen Gesetzen verbotenen Pistolen und Gewehre gegen Geld bei den Behörden abgeben können, wie Australiens Regierungschef Anthony Albanese am Samstag ankündigte. Weitere australische Bundesstaaten sollen folgen.

Textgröße ändern: