Pallade Veneta - Weniger Bürokratie und mehr Investitionen: "Ampel" vereinbart Wachstumspaket

Weniger Bürokratie und mehr Investitionen: "Ampel" vereinbart Wachstumspaket


Weniger Bürokratie und mehr Investitionen: "Ampel" vereinbart Wachstumspaket
Weniger Bürokratie und mehr Investitionen: "Ampel" vereinbart Wachstumspaket / Foto: RALF HIRSCHBERGER - AFP

Die Bundesregierung will das Wirtschaftswachstum mit einem "Konjunkturpaket" ankurbeln. Vorgesehen sind darin etwa Steuervorteile für Unternehmen, Anreize für das Arbeiten im Alter und Maßnahmen zum Bürokratieabbau. Die FDP hat sich auch mit einer Aufweichung des Lieferkettengesetzes durchgesetzt. Wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Freitag sagte, würde die Wirtschaftsleistung nach ersten Berechnungen um fast 26 Milliarden Euro steigen. Aus der Wirtschaft kamen überwiegend vorsichtig positive Reaktionen.

Textgröße ändern:

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hob die langfristige Senkung der Stromsteuer auf das in der EU zulässige Minimum hervor. Auch werde die sogenannte Strompreiskompensation, von der besonders energieintensive Wirtschaftsbereiche profitieren, bis 2030 verlängert. "Beides sorgt für Milliardenentlastung für die deutsche Wirtschaft", sagte Scholz.

Unternehmen profitieren demnach auch von einer Verlängerung der sogenannten degressiven Abschreibung bis 2028. "Investitionen können also schneller steuerlich geltend gemacht werden", sagte der Bundeskanzler. Wirtschaftsminister Habeck hob zudem eine Sonderausschreibung für E-Autos hervor. Er erhoffe sich davon einen "Impuls" für die Autoindustrie. "Das kann das Klima gut gebrauchen, das kann die deutsche Automobilwirtschaft gut gebrauchen."

Der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Peter Adrian, begrüßte die Ausweitung der Abschreibungsmöglichkeiten und die Initiative als Ganzes. Bei den Energiepreisen griffen die Ampelbeschlüsse aber zu kurz, erklärte er. "Die Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft bei den Energiepreisen bleiben daher eine große Investitionsbremse."

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) zufolge wird der Fachkräftemangel etwa mit Steueranreizen für ausländische Fachkräfte angegangen. In den ersten drei Jahren ihrer Tätigkeit in Deutschland erhalten sie einen Steuerrabatt von zunächst 30, dann 20, dann zehn Prozent, wie er ausführte. Außerdem soll es Asylbewerbern erleichtert werden, eine Arbeit aufzunehmen.

Experten wie die Wirtschaftsweise Veronika Grimm und der Ökonom Sebastian Dullien von der Hans-Böckler-Stiftung begrüßten diese Ankündigungen. "Generell sollte man es für Zugewanderte erleichtern, eine Arbeit aufzunehmen", sagte Grimm der "Augsburger Allgemeinen".

Dirk Jandura vom Außenhandelsverband sprach von einem "mutigen Schritt". Kritik kam hingegen von der AfD: Steuerrabatte für Ausländer seien "ein Schlag ins Gesicht der fleißigen deutschen Arbeitnehmer", erklärte der Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm.

Lindner stellte des Weiteren Anreize zur Mehrarbeit in Aussicht. So sollen Arbeitnehmer, die über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten, den Arbeitgeberanteil für die Rentenversicherung erhalten - "also ein ganz deutlicher Anreiz, länger zu arbeiten", sagte der Finanzminister. Auch Überstunden sollen demnach steuer- und beitragsfrei vergütet werden können. Der Verband der Familienunternehmer mahnte, dass an dieser Stelle neue Bürokratie oder alternativ Missbrauchsanfälligkeit drohten.

Auch von Änderungen beim umstrittenen Lieferkettengesetz erhofft sich die "Ampel" wirtschaftliche Impulse. Zwei Drittel der Unternehmen würden künftig nicht mehr unter die deutschen Vorschriften zur Achtung auf Menschenrechts- und Umweltverstöße entlang ihrer Lieferkette fallen, sagte Lindner. Auch werde die Umsetzung des europäischen Lieferkettengesetzes so weit wie möglich hinausgezögert. Applaus dafür kam etwa vom Einzelhandelsverband HDE.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger begrüßte die Haushaltseinigung und das Wirtschaftspaket als "Lebenszeichen der Koalition". Es seien auch richtige Prioritäten erkennbar. Doch "Ankündigungen sind keine Gesetze", und die Vorlage des Pakets kurz vor Beginn der Sommerpause spreche "nicht für eine rasche Umsetzung". Ähnlich äußerte sich auch Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.

S.Urciuoli--PV

Empfohlen

Islamistische Taliban feiern fünften Jahrestag ihrer Machtübernahme in Afghanistan

Mit Paraden und Blumen haben die radikalislamischen Taliban den fünften Jahrestag ihrer erneuten Machtübernahme in Afghanistan gefeiert - während Kritiker den zunehmenden Verlust von Freiheiten und Rechten unter der Taliban-Herrschaft beklagen. Hunderte männliche Anhänger versammelten sich am Samstag auf einem Platz neben der ehemaligen US-Botschaft in Kabul und schwenkten die weißen Flaggen der Taliban-Regierung. Militärhubschrauber warfen Blumen über einer Parade männlicher Athleten ab - Frauen dürfen in Afghanistan unter den Taliban keinen Sport treiben.

Nach Anschlag am Bondi Beach: Australien kündigt Schusswaffen-Rückkauf an

Acht Monate nach dem antisemitischen Schusswaffenangriff am australischen Bondi Beach hat der Bundesstaat New South Wales ein erstes Rückkaufprogramm für Schusswaffen eingeleitet. Ab November sollen Waffenbesitzer ihre nach neuen Gesetzen verbotenen Pistolen und Gewehre gegen Geld bei den Behörden abgeben können, wie Australiens Regierungschef Anthony Albanese am Samstag ankündigte. Weitere australische Bundesstaaten sollen folgen.

Behörden: Elf Tote bei israelischen Angriffen im Südlibanon

Bei israelischen Angriffen im Süden des Libanon sind nach Behördenangaben mindestens elf Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien drei Kinder, teilte das libanesische Gesundheitsministerium am Samstag mit. Es waren die folgenreichsten Angriffe seit der Einigung auf ein Rahmenabkommen zwischen dem Libanon und Israel im Juni. Die israelische Armee bezeichnete die Attacken als Reaktion auf Angriffe der Hisbollah auf israelische Soldaten im Südlibanon.

Bundeswehr unterstützt UN-Einsatz in Krisenstaat Haiti mit Lufttransport

Die Bundeswehr will den UN-Einsatz in der von Armut und Bandengewalt geplagten Karibik-Republik Haiti unterstützen. Die deutschen Streitkräfte würden "kurzfristig" Lufttransportkapazitäten bereitstellen, um bei der Verlegung von Ausrüstung und Material zu helfen, teilte das Bundesverteidigungsministerium am Samstag in Berlin mit. Mit der Unterstützung zeige sich Deutschland als "zuverlässiger Partner von Friedenseinsätzen der Vereinten Nationen". Der Transporteinsatz solle "in den nächsten Wochen" erfolgen.

Textgröße ändern: