Pallade Veneta - Frankreichs Innenminister zeigt sich offen für rechten Premierminister

Frankreichs Innenminister zeigt sich offen für rechten Premierminister


Frankreichs Innenminister zeigt sich offen für rechten Premierminister
Frankreichs Innenminister zeigt sich offen für rechten Premierminister / Foto: ALAIN JOCARD - AFP

In Frankreich dauert die Suche nach einer stabilen Regierungsmehrheit nach der Parlamentswahl an. Innenminister Gérald Darmanin sprach sich am Mittwoch für die Ernennung eines Regierungschefs aus den Reihen der konservativen Republikaner aus: "Es würde mich gar nicht stören, wenn es einen rechten Regierungschef gäbe", sagte der Innenminister, der bis 2017 zu der konservativen Partei zählte, dem Sender CNews.

Textgröße ändern:

Darmanin selbst ist als Fraktionschef des Regierungslagers im Gespräch. Der Innenminister plädierte für eine "Koalition der Ideen", an der sich seiner Ansicht nach neben den Republikanern auch gemäßigte Sozialisten beteiligen könnten. Die Sozialisten sind bislang allerdings Teil der links-grünen Neuen Volksfront, die bei den vorgezogenen Wahlen mit gut 190 von 577 Sitzen überraschend stärkste Kraft in der Nationalversammlung wurde.

Eine Zusammenarbeit mit den Linkspopulisten und Grünen schloss Darmanin hingegen aus. "Ein großer Teil der Abgeordneten der Neuen Volksfront steht auf der Seite derjenigen, die Polizisten mit Pflastersteinen angreifen", betonte Darmanin.

Das in der Mitte angesiedelte Regierungslager von Präsident Emmanuel Macron bemüht sich derzeit, Abgeordnete verschiedener Lager zu umwerben, um eine Mehrheit zumindest für bestimmte Gesetzesvorhaben zu bekommen. Koalitionsverhandlungen wie in Deutschland sind derzeit undenkbar, da in vielen Fällen nicht einmal die Zugehörigkeit einzelner Abgeordneter geklärt ist.

Der Nebel sollte sich am 18. Juli lichten, bis dahin können sich die Abgeordneten in Fraktionen zusammenschließen, die allerdings nicht unbedingt den Bündnissen vor der Wahl entsprechen. Die Neue Volksfront wird sich voraussichtlich in mehrere Fraktionen aufspalten.

Bis zum Donnerstag kommender Woche will das linke Lager auch einen Kandidaten für das Amt des Premierministers vorschlagen. Es ist üblich, dass der Präsident zunächst mit der größten Gruppe in der Nationalversammlung über die Besetzung dieses Postens berät. Gemäß der Verfassung ist er aber bei der Ernennung eines Regierungschefs letztlich frei; so könnte Macron etwa einen parteilosen Experten mit dem Posten betrauen.

Unterdessen trafen am Mittwochvormittag erstmals die neu gewählten Abgeordneten des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) in der Nationalversammlung ein. Die künftige Fraktionschefin Marine Le Pen prangerte erneut den taktischen Rückzug vieler Kandidaten in der zweiten Runde am vergangenen Sonntag an. "Dies hat uns der absoluten Mehrheit beraubt", sagte sie.

Wegen des bei der Parlamentswahl geltenden Mehrheitswahlrechts sind die Rechtspopulisten mit zehn Millionen Stimmen nur auf den dritten Platz gekommen und die Neue Volksfront mit sieben Millionen Stimmen auf den ersten Platz. Die Machtübernahme durch ihre Partei sei jedoch "nur aufgeschoben", betonte Le Pen.

Macron reiste am Morgen zum Nato-Gipfel nach Washington ab. Entgegen seiner Gewohnheit äußerte er sich zu dem Wahlergebnis vom Sonntag kein einziges Mal öffentlich. Er ließ lediglich mitteilen, dass er Premierminister Gabriel Attal gebeten habe, vorerst im Amt zu bleiben, um die Stabilität des Landes zu wahren.

Macron hatte die Parlamentswahl nach dem Erfolg der Rechtspopulisten bei der Europawahl am 9. Juni ausgerufen. Das Ergebnis war die Bildung von drei politischen Blöcken, die jeweils nicht die absolute Mehrheit erreichten und deren Programme kaum miteinander vereinbar sind.

M.Romero--PV

Empfohlen

Nach Bas-Rücktritt: Mahnende Worte Steinmeiers bei Ernennung von Nachfolger Schweitzer

Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den SPD-Politiker Alexander Schweitzer zum neuen Arbeits- und Sozialminister ernannt. Steinmeier überreichte dem früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten am Dienstagnachmittag in Berlin seine Ernennungsurkunde. In Anwesenheit von Kanzler Friedrich Merz (CDU) richtete Steinmeier dabei mahnende Worte an die gesamte Regierung.

Proteste in Frankreich: Erneut mehr als hunderttausend Schüler und Studenten auf der Straße

Im Zuge ihrer anhaltenden Proteste sind in Frankreich erneut mehr als hunderttausend Schüler und Studenten auf die Straße gegangen, um für bessere Lern- und Studienbedingungen zu demonstrieren. Die Veranstalter meldeten am Dienstag landesweit 480.000 Teilnehmer, die Polizei sprach von 162.000. Am Vormittag unterstützte überraschend die schwedische Aktivistin Greta Thunberg in der Vorstadt Saint-Denis die Schülerproteste. An mehreren Orten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Vier Festnahmen in Deutschland nach Brand in Starlink-Station in Polen

Knapp drei Wochen nach einem Brand in einer Anlage des Satelliten-Kommunikationssystems Starlink in Polen sind in Deutschland insgesamt vier Verdächtige festgenommen worden. Die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte am Dienstag die Festnahme von zwei türkischen Staatsangehörigen in der Nähe des Bahnhofs von Nürtingen, die der polnische Ministerpräsident Donald Tusk am Montag bekanntgegeben hatte. Die beiden Männer seien am Dienstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden. Der polnische Radiosender RMF FM berichtete derweil von zwei weiteren Festnahmen.

Heimliche Aufnahmen: EU-Datenschutzbehörde warnt vor Smart Glasses

Die EU-Datenschutzbehörde hat vor heimlichen Film- und Tonaufnahmen mit sogenannten Smart Glasses gewarnt. Sie habe "ernsthafte Privatsphären- und Datenschutzbedenken", erklärte EDPB-Chefin Anu Talus am Dienstag. Grund für die Bedenken sei, dass die Geräte "wie gewöhnliche Brillen aussehen, aber Kameras und Mikrofone haben und mit dem Internet verbunden" seien. Es müsse eine "klare Warnung" an andere geben, wenn Nutzer mit ihrer Brille ihre Umgebung filmen oder aufnehmen.

Textgröße ändern: