Pallade Veneta - Israel startet großen Militäreinsatz im Westjordanland - mehrere Tote

Israel startet großen Militäreinsatz im Westjordanland - mehrere Tote


Israel startet großen Militäreinsatz im Westjordanland - mehrere Tote
Israel startet großen Militäreinsatz im Westjordanland - mehrere Tote / Foto: JAAFAR ASHTIYEH - AFP

Israel hat im besetzten Westjordanland mit einem großangelegten Militäreinsatz begonnen, bei dem mindestens neun Menschen getötet wurden. Mit dem Einsatz solle "die dort angesiedelte iranisch-islamistische Terrorinfrastruktur" zerschlagen werden, erklärte am Mittwoch Israels Außenminister Israel Katz. Die Bundesregierung zeigte sich "sehr besorgt" über die Situation im Westjordanland und nahm Israel in die Pflicht, "die Zivilbevölkerung zu schützen".

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Gepanzerte israelische Fahrzeuge fuhren in der Nacht zum Mittwoch in zwei Flüchtlingslager in Tulkarem und Tubas sowie in die Stadt Dschenin ein. Fotografen der Nachrichtenagentur AFP berichteten am Mittag, dass die israelischen Soldaten die Zugänge abriegelten und immer wieder auf die Flüchtlingslager schossen. Aus diesen wiederum waren ebenfalls Schüsse und auch Explosionen zu hören.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden bei den als "Anti-Terror-Operationen" bezeichneten Einsätzen insgesamt neun "bewaffnete Terroristen eliminiert". Sieben von ihnen seien durch die Luftangriffe getötet worden. Der Palästinensische Rote Halbmond meldete zunächst zehn Todesopfer, später korrigierte er seine Bilanz auf neun Tote und 15 Verletzte. Nach Angaben der Hamas waren drei im Flüchtlingslager Dschenin getötete Palästinenser Mitglied der islamistischen Organisation.

Israels Außenminister Katz warf dem Iran vor, im Westjordanland eine "terroristische Front nach dem Vorbild des Gazastreifens und des Libanon" errichten zu wollen. Zudem würden "hochentwickelte Waffen illegal aus Jordanien" ins Westjordanland geschmuggelt. Israel müsse "dieser Bedrohung mit derselben Entschlossenheit entgegentreten, mit der wir gegen die Terrorinfrastrukturen im Gazastreifen vorgehen, einschließlich der vorübergehenden Evakuierung der Bewohner und aller erforderlichen Maßnahmen", fügte Katz hinzu. "Dies ist ein Krieg, und wir müssen ihn gewinnen."

Israelische Einsätze sind in dem seit 1967 besetzten Westjordanland an der Tagesordnung. Immer wieder greift das Militär auch Flüchtlingslager und Ortschaften aus der Luft an - zuletzt vor allem im Norden des Gebiets. Es ist jedoch selten, dass die Einsätze wie in der Nacht zum Mittwoch gleichzeitig in mehreren Städten erfolgen. Allerdings versuchte ein Sprecher der israelischen Armee, das Ausmaß der Operation zu relativieren. Diese unterscheide sich "nicht extrem von dem Üblichen", sagte er.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas unterbrach seinerseits einen offiziellen Besuch in Saudi-Arabien. Er wolle ins Westjordanland zurückkehren, "um die Entwicklungen der israelischen Aggression" zu verfolgen, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa.

In Berlin sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes, Israel habe "natürlich das Recht, gegen Gewalttäter und Terrorakte vorzugehen und diese zu unterbinden". Zugleich bestehe aber "auch die Pflicht, dabei die Zivilbevölkerung zu schützen und vor allen Dingen auch vor Übergriffen gewalttätiger israelischer Siedler zu schützen". Die Gewalt der Siedler gegen Palästinenser müsse aufhören, forderte der Sprecher. "Und da steht Israel und ganz besonderes die israelische Regierung in ganz besonderer Pflicht."

Im Westjordanland hat sich die Lage seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen deutlich verschärft. Nach einer AFP-Zählung auf Grundlage palästinensischer Angaben wurden seit dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober im Westjordanland mindestens 650 Palästinenser bei Einsätzen der israelischen Armee oder durch radikale Siedler getötet. Mindestens 19 Israelis wurden nach israelischen Angaben bei Angriffen militanter Palästinenser getötet.

Der mit der Hamas verbündete Islamische Dschihad, der besonders in den Flüchtlingslagern im Norden des Westjordanlands verwurzelt ist, warf Israel einen "offenen Krieg" vor. Die Angriffe zielten darauf ab, "das Gewicht des Konflikts auf das besetzte Westjordanland zu verlagern", hieß es. Damit wolle Israel "eine neue Situation vor Ort herbeiführen, um das Westjordanland zu annektieren", erklärte der Islamische Dschihad.

Die Hamas, deren Popularität im Westjordanland seit Beginn des Gaza-Krieges gewachsen ist, ruft in dem Gebiet regelmäßig zum "Aufstand" auf. Am Dienstagabend forderte die radikalislamische Organisation die rund drei Millionen Palästinenser im Westjordanland erneut auf, sich "zu erheben". Damit solle auf Aussagen des ultranationalistischen israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir reagiert werden, der offen zu einer Annexion des Westjordanlands aufgerufen hatte.

T.Galgano--PV

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