Pallade Veneta - Experten empfehlen mehr EU-Hilfen für kleinere Höfe - Bauernverband enttäuscht

Experten empfehlen mehr EU-Hilfen für kleinere Höfe - Bauernverband enttäuscht


Experten empfehlen mehr EU-Hilfen für kleinere Höfe - Bauernverband enttäuscht
Experten empfehlen mehr EU-Hilfen für kleinere Höfe - Bauernverband enttäuscht / Foto: Nicolas TUCAT - AFP

Mehr Geld für kleinere Bauernhöfe in Europa, niedrigere Steuern auf Lebensmittel und ein europaweites Tierwohlkennzeichen: Das sind Empfehlungen aus einem Strategiebericht, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel vorstellte. Die CDU-Politikerin sagte, sie wolle auf dieser Basis ein "faireres System" für die Landwirte schaffen. Der Deutsche Bauernverband reagierte enttäuscht.

Textgröße ändern:

Der Bericht fasst einen "strategischen Dialog" zusammen, den von der Leyen im Januar nach Bauernprotesten unter anderem in Deutschland und Frankreich ins Leben gerufen hatte. Daran beteiligten sich knapp 30 Vertreter von Bauern- und Umweltverbänden sowie aus der Lebensmittelindustrie. Die Leitung hatte der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Peter Strohschneider.

Deutlich "zielgerichteter" sollten laut den Experten künftig die EU-Agrarsubventionen fließen. Sie umfassen von 2021 bis 2027 insgesamt 387 Milliarden Euro; an deutsche Landwirte gehen jährlich rund 6,2 Milliarden Euro.

Die Hilfen sollten künftig "auf diejenigen ausgerichtet sein, die ihrer am meisten bedürfen, insbesondere kleine und gemischte landwirtschaftliche Betriebe, Junglandwirte und Neueinsteiger", heißt es in dem Bericht. Bisher sind Betriebe mit großen Flächen Hauptprofiteure der Direktzahlungen.

Auch die Anreize für nachhaltiges und umweltschonendes Wirtschaften als zweite Säule der EU-Agrarpolitik sollen neu ausgerichtet werden. Die Experten schlagen dafür unter anderem einen zeitlich befristeten Agrarfonds außerhalb des EU-Haushalts vor. Er soll für die "faire Weiterentwicklung des Agrar- und Ernährungssystems" sorgen und aus privaten wie öffentlichen Mitteln finanziert werden.

Scharfe Kritik an dem Bericht übte der Deutsche Bauernverband: "Dieses Ergebnis ist nicht die aus Sicht der Landwirtschaft notwendige politische Kursänderung, für die wir Anfang des Jahres auf die Straße gegangen sind", erklärte Verbandspräsident Joachim Rukwied.

Lob kam dagegen von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne): "Die Landwirtinnen und Landwirte erwarten zurecht ansprechende Förderungen, damit sich ihr Einsatz für Umwelt, Artenschutz, Klima und Tierwohl auch finanziell auszahlt", erklärte er in Berlin. Zudem hätten die Experten deutsche Vorstöße wie das Tierwohllabel aufgegriffen.

Greenpeace rief die EU auf, nicht mehr "Megafarmen zu finanzieren, die unsere Flüsse verschmutzen und Dürren und Überschwemmungen verursachen". Stattdessen müsse Europa wie im Bericht gefordert "Landwirten helfen, die sich abmühen, die Natur wiederzuherstellen und für eine gesündere Ernährung zu sorgen".

Von der Leyen sagte, sie wolle die Vorschläge genau prüfen. Ihr gehe es vor allem um "weniger Bürokratie". Bereits vor den Europawahlen im Juni hatte die CDU-Frau auf Druck des konservativen und liberalen Lagers weniger Umwelt- und Klimavorschriften angekündigt, um Landwirte und Industrie zu entlasten.

Die Experten machen auch Vorschläge zugunsten der Bürger: Angesichts der gestiegenen Lebensmittelpreise raten sie zu "Anreizen in Form von Steuervergünstigungen für Verbraucherinnen und Verbraucher". Die Mitgliedsländer sollten damit Nahrungsmittel gerade für Haushalte mit niedrigerem Einkommen erschwinglicher machen.

Die EU-Vorschriften zur Lebensmittelkennzeichnung gehören laut dem Bericht auf den Prüfstand. Seit Ende 2016 schreibt die EU auf Verpackungen eine Reihe von Angaben etwa zum Zucker- oder Salzgehalt von Lebensmitteln vor. Auch die Maßnahmen für an Kinder gerichtete Werbung sollen unter die Lupe genommen werden. Über die Stoßrichtung sind die Experten aber offenbar uneins: Lebensmittelkonzerne fordern schon seit Jahren weniger Vorschriften, Verbraucherschützer halten die Auflagen für zu lasch.

Europaparlamentarier der deutschen Unionsparteien wie der Grünen reagierten überwiegend positiv auf den Bericht. Der neu gewählte CSU-Abgeordnete Stefan Köhler bedauerte allerdings die Vorschläge zu veränderten Essgewohnheiten. Die Autoren raten wie viele Wissenschaftler zu häufigerem Fleischverzicht. "Eine derartige Einmischung sollte nicht auf politischer Ebene beschlossen werden", betonte Köhler.

D.Bruno--PV

Empfohlen

BND-Spionageaffäre: Unions-Fraktionsvize fordert lückenlose Aufklärung

Nach der Festnahme des ehemaligen BND-Chefs August Hanning wegen Spionagevorwürfen fordert Unions-Fraktionsvize Günter Krings (CDU) eine lückenlose Aufklärung und weitere Konsequenzen im Bundesnachrichtendienst. "Es drängt sich jetzt die Frage auf, wie überprüfen wir auch und checken auch, ob frühere hochrangige Mitarbeiter des Dienstes ihr Wissen nutzen", sagte der ehemalige Staatssekretär im Bundesinnenministerium am Sonntag im ARD-"Bericht aus Berlin".

Zuckersteuer: Neun Landes-Agrarminister der Union richten Protestbrief an Merz

Im Streit um die Einführung einer Zuckersteuer wenden sich neun Landes-Agrarminister von CDU und CSU in einem Protestbrief an die Bundesregierung. "Wir als Ministerinnen und Minister der unionsgeführten Agrarressorts sprechen uns gegen eine Verbrauchssteuer auf zuckerhaltige Produkte aus", heißt es in dem Schreiben an Kanzler Friedrich Merz, Kanzleramtschefin Nina Warken und Unionsfraktionschef Thorsten Frei (alle CDU), das der "Welt" laut Mitteilung vom Sonntag vorliegt.

Abbas verschiebt Parlamentswahl in Palästinensergebieten auf Herbst 2027

Vor 20 Jahren wurde in den Palästinensergebieten zuletzt gewählt - nun hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die bislang für Ende November geplante Parlamentswahl um fast zehn Monate verschoben. Wegen von Israel verschuldeter "Hindernisse" soll die Parlamentswahl gemeinsam mit der Präsidentschaftswahl am 11. September 2027 stattfinden, wie Abbas nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa am Samstag anordnete. Die Entscheidung stieß auf scharfe Kritik der israelischen wie der französischen Regierung.

Linke streitet über Antisemitismus-Vereinbarung - Giffey gegen Rot-Rot-Grün

In der Linken ist ein offener Streit um die mit Grünen und SPD in Berlin geschlossene Antisemitismus-Vereinbarung ausgebrochen. Sowohl Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow als auch der ehemalige Chef der Linken-Bundestagsfraktion, Dietmar Bartsch, griffen am Sonntag die parteiinternen Kritiker der Vereinbarung an. Berlins frühere Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) rief ihre Partei dazu auf, die Sondierungsgespräche mit der Linken abzubrechen.

Textgröße ändern: