Pallade Veneta - Nach Explosionswellen im Libanon: Israel greift hunderte Hisbollah-Ziele an

Nach Explosionswellen im Libanon: Israel greift hunderte Hisbollah-Ziele an


Nach Explosionswellen im Libanon: Israel greift hunderte Hisbollah-Ziele an
Nach Explosionswellen im Libanon: Israel greift hunderte Hisbollah-Ziele an / Foto: Rabih DAHER - AFP

Nach den massiven Explosionswellen im Libanon hat Israel laut eigenen Angaben hunderte Angriffe auf Waffensysteme der Hisbollah-Miliz im Land verübt. Die seit Donnerstagnachmittag erfolgten Luftangriffe trafen "hunderte von Raketenwerfern", die bereit waren, "sofort für den Beschuss von israelischem Gebiet eingesetzt zu werden", wie es in einer Mitteilung der israelischen Armee hieß. Unterdessen erklärten US-Präsident Joe Biden und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dass eine diplomatische Lösung des Konflikts weiterhin möglich sei.

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"Niemand hat Interesse an einer Eskalation", sagte Macron in einer an das libanesische Volk gerichteten Videoansprache, die in den Online-Medien veröffentlicht wurde. Frankreich stehe an der Seite des Libanon. Er rief die politische Führung in Beirut dazu auf, einen Krieg zu verhindern. "Der Libanon kann nicht mit der Angst vor einem bevorstehenden Krieg leben", sagte er. "Wir müssen dieses Schicksal ablehnen"

Macron telefonierte laut Angaben des Präsidialamtes am Donnerstag mit dem libanesischen Regierungschef Nadschib Mikati, dem Parlamentsvorsitzenden Nabih Berri und Armeechef Joseph Aoun. Zudem habe Macron mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu telefoniert.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, rief die Hisbollah zur Einstellung ihrer "terroristischen Angriffe" auf Israel auf. Hisbollah-Anführer Hassan Nasrallah könnte die Angriffe auf Israel stoppen - "und ich garantiere Ihnen, dass wir in diesem Fall Israel die Notwendigkeit klarmachen würden, sich seinerseits ruhig zu verhalten", sagte Miller am Donnerstag in Washington.

Solange die Hisbollah aber ihre Angriffe fortsetze, "wird Israel selbstverständlich militärische Maßnahmen zur Verteidigung ergreifen", sagte Miller. Die USA setzten sich weiterhin bei allen Parteien dafür ein, den Konflikt nicht zu eskalieren und die Spirale der Gewalt nicht außer Kontrolle geraten zu lassen. Am Ende dieser Bemühungen solle eine Waffenruhe im Gazastreifen erlangt werden. Die Sprecherin des Weißen Hauses sagte: "Eine diplomatische Lösung ist die beste Option." Präsident Biden halte diese für möglich.

Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon hat sich deutlich zugespitzt, nachdem am Dienstag und Mittwoch hunderte Pager und Walkie-Talkies der Hisbollah-Miliz zeitgleich explodierten. Bei den in zwei Wellen erfolgten Explosionen der Geräte wurden 37 Menschen getötet und fast 3000 verletzt. Die Hisbollah macht Israel verantwortlich und drohte Vergeltung an. Nasrallah räumte am Donnerstag einen "schweren Schlag" gegen seine Miliz ein. Israel habe mit den Explosionen "alle roten Linien überschritten", erklärte er in einer Fernsehansprache.

Auch die Schutzmacht der Hisbollah, der Iran, drohte Israel mit einer "vernichtenden" Reaktion. "Solche terroristischen Akte, die zweifellos auf die Verzweiflung und die wiederholten Misserfolge des zionistischen Regimes zurückzuführen sind, werden bald mit einer vernichtenden Antwort der Widerstandsfront beantwortet werden", erklärte der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Hossein Salami, laut iranischen Staatsmedien in einer Nachricht an Nasrallah.

Als "Widerstandsfront" oder "Achse des Widerstands" versteht sich eine militärische Koalition gegen Israel bestehend aus dem Iran und seinen regionalen Verbündeten, darunter die Hisbollah, die islamistische Palästinenserorganisation Hamas und die jemenitischen Huthi-Rebellen.

Die israelische Armee bekräftigte unterdessen ihre Entschlossenheit, "weiterhin die Infrastruktur (...) der Hisbollah zu zerstören, um den Staat Israel zu verteidigen". Der israelische Verteidigungsminister Joav Gallant hatte erklärt, der Krieg verschiebe sich für Israel in Richtung Norden, also Richtung Libanon. Ziel sei es, den vor den Angriffen der Hisbollah geflohenen Bewohnern Nordisraels eine Rückkehr zu ermöglichen. Israel nahm bisher keine Stellung zu den Explosionswellen, für die es verantwortlich gemacht wird.

Der libanesischen Vertretung bei den Vereinten Nationen zufolge wurden die Kommunikationsgeräte der Hisbollah mit Sprengstoff versehen, bevor sie in das Land gelangten. "Erste Untersuchungen haben ergeben, dass die betroffenen Geräte professionell mit Sprengsätzen präpariert wurden, bevor sie in den Libanon gelangten, und dass sie durch das Senden von E-Mails an die Geräte zur Explosion gebracht wurden", heißt es in einem Schreiben der Vertretung an den UN-Sicherheitsrat, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Die israelischen Angriffe seien "in ihrer Brutalität beispiellos" und gefährdeten die diplomatischen Bemühungen um eine Ende des Konflikts im Gazastreifen und im Süden des Libanon, hieß es weiter.

Auf Antrag Algeriens hat der UN-Sicherheitsrat für Freitag eine Dringlichkeitssitzung einberufen, an der auch der libanesische Außenminister Abdallah Bou Habib teilnehmen soll, wie diplomatische Quellen AFP mitteilten.

Seit Beginn des Krieges zwischen der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas und Israel im Gazastreifen am 7. Oktober vergangenen Jahres haben auch die Kämpfe zwischen der israelischen Armee und der mit der Hamas verbündeten Hisbollah im Libanon deutlich zugenommen. Zehntausende Menschen auf beiden Seiten der Grenze mussten fliehen.

Der Konflikt wurde bisher nicht offiziell als Krieg deklariert. Dennoch wurden durch die Feuergefechte im Libanon laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP bislang bereits 623 Menschen getötet, darunter mindestens 141 Zivilisten. Auf israelischer Seite, einschließlich der annektierten Golan-Höhen wurden nach Behördenangaben bislang 24 Soldaten und 26 Zivilisten getötet.

O.Merendino--PV

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