Pallade Veneta - Nato-Mitglied Türkei gegen Bündnisbeitritt von Schweden und Finnland

Nato-Mitglied Türkei gegen Bündnisbeitritt von Schweden und Finnland


Nato-Mitglied Türkei gegen Bündnisbeitritt von Schweden und Finnland
Nato-Mitglied Türkei gegen Bündnisbeitritt von Schweden und Finnland / Foto: Adem ALTAN - AFP

Mit der Türkei hat ein erster Nato-Staat Einwände gegen einen Beitritt von Schweden und Finnland zu dem Militärbündnis erhoben. Er habe zu einer Aufnahme der beiden Länder keine "positive Meinung", sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Freitag in Istanbul. Die Außenminister aus Stockholm und Helsinki kündigten daraufhin an, am Samstag in Berlin mit ihrem türkischen Kollegen beraten zu wollen.

Textgröße ändern:

"Skandinavische Länder sind wie ein Gästehaus für Terrororganisationen", begründete Erdogan seine Haltung. Die Türkei beschuldigt seit langem die nordischen Länder, insbesondere Schweden, wo viele türkische Einwanderer leben, extremistische kurdische Gruppen sowie Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen zu beherbergen.

Die Aufnahme neuer Mitglieder muss von den Nato-Mitgliedstaaten einstimmig gebilligt werden. Die Türkei hätte also die Möglichkeit, die Aufnahme Schwedens und Finnlands zu blockieren.

Schwedens Außenministerin Ann Linde erklärte in einer Mitteilung an die Nachrichtenagentur AFP, sie werde beim Treffen der Nato-Außenminister in Berlin am Wochenende, zu dem sowohl Schweden als auch Finnland geladen seien, Gelegenheit zum Gespräch mit ihrem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu über "eine mögliche schwedische Nato-Bewerbung" haben. Ähnlich äußerte sich der finnische Außenminister Pekka Haavisto auf einer Pressekonferenz in Helsinki.

In Schweden ebnete unterdessen ein neuer sicherheitspolitischer Bericht des Parlaments den Weg für einen Nato-Beitritt des Landes. Der am Freitag veröffentlichten Analyse zufolge würde eine Mitgliedschaft Schwedens im Militärbündnis das Konfliktrisiko in Nordeuropa senken.

"Eine schwedische Nato-Mitgliedschaft würde die Schwelle für militärische Konflikte erhöhen und somit einen Abschreckungseffekt in Nordeuropa haben", hieß es in dem 40-seitigen Parlamentsbericht, der bei einer Pressekonferenz in Stockholm vorgestellt wurde. Die Entscheidung über einen Mitgliedschaftsantrag muss die schwedische Regierung treffen, dies wird in den kommenden Tagen erwartet.

Der Bericht enthält zwar keine ausdrückliche Empfehlung, wie sich das Land mit Blick auf die Nato entscheiden sollte. Es sei aber "unrealistisch, bilaterale Verteidigungsbündnisse außerhalb der bestehenden europäischen und euro-atlantischen Strukturen zu entwickeln". Es gebe im Rahmen der bisherigen Kooperation "keine Garantie, dass Schweden geholfen würde, wenn es ernsthaft bedroht oder angegriffen würde".

Am Donnerstag hatte die Staatsspitze von Schwedens Nachbarstaat Finnland angekündigt, Mitglied der Nato werden zu wollen. Präsident Sauli Niinistö und Regierungschefin Sanna Marin sprachen sich in einer gemeinsamen Erklärung für einen "unverzüglichen" Aufnahme-Antrag an das westliche Verteidigungsbündnis aus. Russland reagierte umgehend mit Kritik und Drohungen.

Schweden und Finnland waren jahrzehntelang außerhalb militärischer Bündnisse geblieben. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat in den beiden nordischen Ländern aber Bestrebungen zum Nato-Beitritt in Gang gesetzt.

Das Nato-Mitglied Türkei pflegt gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zu Russland. Zum Ukraine-Krieg hat sich das Land bisher ambivalent verhalten: Das Land lieferte der Ukraine Kampfdrohnen - hat aber, anders als seine westlichen Bündnispartner, keine Sanktionen gegen Russland verhängt. Ankara brachte sich in den vergangenen Wochen wiederholt als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel.

R.Zaccone--PV

Empfohlen

US-Gesandte Kushner und Witkoff am Wochenende mit Ukraine-Vorschlag in Moskau und Kiew

US-Präsident Donald Trump hat einen neuen diplomatischen Vorstoß zur Beendigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine angekündigt. Seine Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff würden mit einem Vorschlag "zur Beendigung des Kriegs" am Wochenende Moskau und Kiew besuchen, teilte Trump am Freitag mit. Der US-Präsident zeigte sich zudem sicher, dass Russland nach deutschen Vorwürfen wegen des versuchten Drohnen-Anschlags am Flughafen Leipzig/Halle die Nato nicht angreifen werde.

Trump: Putin will Nato nicht angreifen - Gesandte mit Ukraine-Plan unterwegs

US-Präsident Donald Trump hält nach den deutschen Vorwürfen gegen Russland wegen des versuchten Drohnen-Anschlags am Flughafen Leipzig an seiner Einschätzung fest, dass Kreml-Chef Wladimir Putin keinen Angriff auf Nato-Gebiet plant. "Ich spreche mit ihm. Ich kenne ihn sehr gut. Putin will kein Nato-Gebiet angreifen", sagte Trump am Freitag im Weißen Haus auf die Frage eines AFP-Reporters.

Vor Abschied bei der UNO: Baerbock fordert erneut UN-Generalsekretärin

Die frühere Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat sich wenige Tage vor ihrem Ausscheiden als Präsidentin der UN-Generalversammlung noch einmal für eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen stark gemacht. Dies sei ein "Testfall für die Glaubwürdigkeit der Organisation", erklärte Baerbock am Freitag in New York. Bislang waren ausschließlich Männer UN-Generalsekretär.

Meloni feiert Amtszeit-Rekord und stimmt auf Wahlkampf 2027 ein

Mit einer Kundgebung in der Hafenstadt Bari hat die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni den Amtszeit-Rekord ihrer Regierung gefeiert und zugleich den Blick auf die Parlamentswahl 2027 gerichtet. "Stabilität ist kein Rekord, den man zur Schau stellt, sondern die Voraussetzung dafür, dass eine Nation planen, entscheiden, ihre Verpflichtungen einhalten und respektiert werden kann", erklärte die 49-jährige Vorsitzende der ultrarechten Fratelli d'Italia (FdI) im Onlinedienst X.

Textgröße ändern: