Pallade Veneta - Gereizter Ton in Koalition: Mützenich findet Lindners Vorgehen "schlicht albern"

Gereizter Ton in Koalition: Mützenich findet Lindners Vorgehen "schlicht albern"


Gereizter Ton in Koalition: Mützenich findet Lindners Vorgehen "schlicht albern"
Gereizter Ton in Koalition: Mützenich findet Lindners Vorgehen "schlicht albern" / Foto: JOHN MACDOUGALL - POOL/AFP/Archiv

Der Ton im Koalitionsstreit um die Ausrichtung der Wirtschafts- und Finanzpolitik wird immer gereizter. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich bezeichnete es am Wochenende als "schlicht albern", dass Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) für Dienstag einen eigenen Wirtschaftsgipfel angesetzt habe - nachdem Kanzler Scholz für denselben Tag zu einer ähnlichen Veranstaltung geladen hatte. FDP-Fraktionschef Christian Dürr warf SPD und Grünen vor, bereits beschlossene Steuerentlastungen zu blockieren. Dürr warnte: "Unsere Geduld ist endlich."

Textgröße ändern:

Mützenich warf FDP-Chef Lindner vor, die Arbeit von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu torpedieren. "Der Finanzminister sollte sich auf sein Ressort konzentrieren und nicht versuchen, mit einer eigenen Veranstaltung die Arbeit des Kanzler zu torpedieren", sagte Mützenich der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Scholz hatte für kommenden Dienstag Vertreter von Verbänden, Gewerkschaften und Industrie zu einem Spitzengespräch über Wege aus der Konjunkturflaute eingeladen. Minister Lindner setzte daraufhin einen eigenen Wirtschaftsgipfel an mit jenen Verbänden, die nicht zu dem Treffen bei Scholz eingeladen waren. SPD-Vertreter werteten dies als gezielte Retourkutsche.

Auch die Grünen warnten Lindner vor einer Show-Veranstaltung. "Die Zeiten sind zu ernst für Gipfel-Ping-Pong", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Andreas Audretsch, der "Bild" vom Samstag. "Wir müssen gemeinsam das Notwendige tun."

In diesem Zusammenhang warb Audretsch für den von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorgeschlagenen Deutschland-Fonds. Dieser sei "das beste Instrument", um Innovation und Infrastruktur in Deutschland zu stärken.

SPD-Fraktionschef Mützenich zeigte sich allerdings verärgert über Habecks Vorstoß. "Ein Sondervermögen bedarf der Zustimmung der Opposition", sagte Mützenich. Generell hätte er auf diesen "Impuls" von Habeck "gerne verzichtet".

FDP-Fraktionschef Dürr warf den Koalitionspartnern SPD und Grüne vor, die bereits im Kabinett beschlossene Steuerentlastung zu blockieren und damit die Koalition zu gefährden. Er habe "kein Verständnis" dafür, dass die steuerlichen Entlastungen "für die hart arbeitende Mitte" in der Koalition blockiert würden, sagte Dürr der "Bild am Sonntag". Die Geduld der FDP sei hier "endlich".

Dürr schlug angesichts der schwierigen Finanzlage für die abschließenden Beratungen zum Bundeshaushalt 2025 Kürzungen bei den Ausgaben für Bürgergeld, Subventionen und Nichtregierungsorganisationen vor.

In eine ganz andere Richtung gehen allerdings Vorschläge, die SPD-Chefin Saskia Esken am Wochenende formulierte. Sie sei überzeugt, dass wirtschaftliche Zuversicht nicht dadurch entstehe, dass die Regierung den Sozialstaat zusammenkürze, sondern indem sie Rahmenbedingungen für Zukunftsinvestitionen schaffe, sagte sie der Funke Mediengruppe.

Um die deutsche Wirtschaft aus der Krise zu holen, verlangt Esken staatliche Investitionen von bis zu 600 Milliarden Euro. "Jetzt ist nicht die Zeit zu sparen", sagte Esken den Funke-Zeitungen. "Jetzt muss investiert werden, damit wir auch in Zukunft stolz auf 'Made in Germany' sein können."

CDU-Chef Friedrich Merz kritisierte die öffentlichen Spannungen in der Koalition. "Wir haben eine Bundesregierung, die nicht mehr handlungsfähig ist", sagte Merz am Samstag auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Halle an der Saale. Es herrsche der Eindruck, dass in der Koalition "die Einzelteile praktisch nur noch machen, was sie wollen, und überhaupt keine Führung mehr da ist".

Angesichts der wachsenden Konflikte innerhalb der Ampel-Koalition forderten Unionspolitiker ein Eingreifen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Steinmeier müsse sich einschalten und bei den Verantwortlichen auf Neuwahlen drängen, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der "Bild am Sonntag".

Wenn die Koalitionsparteien nicht selbst in der Lage sein sollten, ihre "gescheiterte Koalition" aufzulösen, dann "sollte der Bundespräsident den drei Ampelparteien in einem Gespräch die Möglichkeiten zur Trennung aufzeigen", sagte Dobrindt. Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Unionsfraktionschef Mathias Middelberg (CDU).

L.Barone--PV

Empfohlen

US-Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" nach elfmonatigem Einsatz wieder in Kalifornien

Der in die Negativschlagzeilen geratene US-Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" ist nach rund elf Monaten in seinen Heimathafen im kalifornischen San Diego zurückgekehrt. Angehörige der rund 5000 Matrosen und Marinesoldaten begrüßten am Donnerstag am Kai ihre Liebsten, die sie seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen hatten. Für viele Soldatinnen und Soldaten war es ein emotionales Wiedersehen mit ihren Familien.

Polizei: Mann in New York bei Auseinandersetzung mit Bundeskräften angeschossen

In New York ist nach Angaben der örtlichen Polizei ein Mann bei einer Auseinandersetzung mit Einsatzkräften der Bundesbehörden angeschossen worden. Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) sei es im Stadtviertel Marble Hill in der Bronx "zu einem Schusswaffenvorfall unter Beteiligung" von Bundesmitarbeitern der Strafverfolgungsbehörden gekommen, teilte die New Yorker Polizei mit. Örtlichen Medien zufolge führte die für ihr hartes Vorgehen bekannte Einwanderungsbehörde ICE zum Zeitpunkt des Vorfalls einen Einsatz aus.

Mehr als 70.000 Teilnehmer bei neuen Schülerprotesten in Frankreich

Bei neuen Schülerprotesten in Frankreich sind landesweit mehr als 70.000 Menschen auf die Straße gegangen. Das Innenministerium in Paris sprach am Donnerstag von 71.500 Demonstranten. Etwa 55.000 von ihnen hätten an Protestaktionen vor Schulgebäuden teilgenommen. Die restlichen hätten sich an Protestmärschen beteiligt. Mehr als 500 Menschen seien festgenommen worden, knapp 50 Sicherheitskräfte seien verletzt worden, teilte das Ministerium mit.

Bundestag fordert breitere Datengrundlage bei Pränataltests

Für vorgeburtliche Bluttests, mit denen bestimmte genetische Auffälligkeiten beim ungeborenen Kind festgestellt werden können, sollen nach dem Willen des Bundestages genauere Regeln geschaffen werden. Die Abgeordneten votierten am Donnerstag in namentlicher Abstimmung mit großer Mehrheit für einen entsprechenden fraktionsübergreifenden Antrag. Mehr als hundert Abgeordnete von CDU, CSU, SPD, Grünen und Linken fordern eine genauere Regelung, wann diese sogenannten "nicht invasiven Pränataltests" (NIPT) zur Feststellung von Trisomie-Erkrankungen angewendet werden sollen.

Textgröße ändern: