Pallade Veneta - Lindner schockt Ampel-Partner mit Forderungen nach radikaler "Wirtschaftswende"

Lindner schockt Ampel-Partner mit Forderungen nach radikaler "Wirtschaftswende"


Lindner schockt Ampel-Partner mit Forderungen nach radikaler "Wirtschaftswende"
Lindner schockt Ampel-Partner mit Forderungen nach radikaler "Wirtschaftswende" / Foto: John MACDOUGALL - AFP

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat mit einem Grundsatzpapier zur Wirtschaftspolitik die Ampel-Koalition erschüttert. Auf 18 Seiten skizziert der FDP-Chef eine "Wirtschaftswende" mittels Steuersenkungen für Unternehmen, der Lockerung von Klimavorgaben und der Reduzierung von Subventionen und Sozialleistungen - vieles davon widerspricht dem bisherigen Kurs der Bundesregierung. SPD und Grüne wiesen die Vorschläge zurück, Sozialverbände kritisierten sie scharf. Aus der Wirtschaft kam Lob, aber auch die Warnung vor weiterer politischer Unsicherheit. Die Opposition forderte Neuwahlen.

Textgröße ändern:

Linder spricht sich in seinem Papier für eine "teilweise grundlegende Revision politischer Leitentscheidungen" aus. In der Energiepolitik erklärt er etwa den festgelegten Ausstieg aus der Kohle für überflüssig und fordert den Einsatz von Fracking zur Gasförderung. Durch weniger Sozialleistungen, ein höheres Renteneintrittsalter, flexiblere Arbeitszeiten und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung sollen Arbeitskräfte mobilisiert werden.

Auf europäischer Ebene sollte Deutschland laut Lindner die Abschaffung von Vorgaben etwa für den Gebäudesektor und die Autoindustrie "durchsetzen". Auch brauche es keine "klimapolitisch motivierten Dauersubventionen", der Klima- und Transformationsfonds könne daher aufgelöst und Subventionsprogramme gestrichen werden. Dafür sollen der Solidaritätsbeitrag gestrichen und die Unternehmenssteuern gesenkt werden.

Der SPD-Abgeordnete Nils Schmid bezeichnete Lindners Papier als "neoliberale Phrasendrescherei" und als in weiten Teilen unvereinbar mit dem Koalitionsvertrag. Parteichef Lars Klingbeil zeigte sich diplomatischer: "Vorschläge sind immer willkommen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Viele der Ideen vor allem in der Sozial- und Arbeitspolitik widersprächen aber sozialdemokratischen Positionen.

Von den Grünen kam vor allem Unverständnis. Der Fraktionsvize Andreas Audretsch sprach von einer "Nebelkerze". "Wichtiger wäre es, dass sich der Finanzminister um den Haushalt kümmert", sagte er dem Nachrichtenportal t-online. "Die FDP verabschiedet ja jeden Monat ein Positionspapier", sagte Fraktionschefin Katharina Dröge dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Koalition könne sich damit nicht immer beschäftigen.

Hinter den Kulissen brodelt es aber offenbar. Wie "Spiegel" und "Bild am Sonntag" berichteten, plant Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mehrere Sechs-Augen-Gespräche mit Lindner und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Demnach soll nach Möglichkeit bis zum Koalitionsausschusses am Mittwochabend geklärt sein, wie es mit der Koalition weitergeht.

Aus der FDP kamen unterschiedliche Signale. Fraktionschef Christian Dürr sprach von einem "ehrlichen Angebot", das Linder gemacht habe und das nun innerhalb der Koalition besprochen werden solle. Parteiinterne Kritiker der "Ampel" fühlten sich hingegen in ihrer Forderung nach einem Ende der Koalition bestätigt. "Das Papier ist ein Frontalangriff auf den Koalitionsvertrag", sagte Uwe Henn, Mitinitiator der FDP-Basisinitiative Weckruf-Freiheit, dem "Tagesspiegel".

"Wenn die FDP jetzt die Ampel verlässt, wäre das politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tod", sagte hingegen der frühere FDP-Bundesinnenminister Gerhart Baum dem "Tagesspiegel". Einem Bericht der Zeitung zufolge hatte Lindner die eigene Partei nicht über das Papier informiert. Die "Welt am Sonntag" hatte zuvor berichtet, dass zunächst nur Beratungen im engsten Kreis der Bundesregierung geplant waren, das Papier wurde demnach ungewollt öffentlich.

Inhaltlich kam vor allem von Unternehmerseite Lob für Lindners Ideen. Der Verband der Familienunternehmer sprach von einer "exzellenten Analyse", die nun schnell umgesetzt werden müsse. Auch der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Dirk Jandura, begrüßte die Vorschläge. Allerdings brauche es auch Taten. "Noch mehr Verunsicherung kann sich unser Land nicht leisten", fügte er hinzu.

Michael Groß, Präsident der Arbeiterwohlfahrt, kritisierte hingegen, Lindner übe sich in "reiner Klientelpolitik". Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, warf dem FDP-Chef vor, mit seinem Sparkurs den sozialen Zusammenhalt in Deutschland zu gefährden. "Menschen werden gegeneinander ausgespielt."

CDU-Chef Friedrich Merz erklärte, Lindners Vorschläge "gehen in die richtige Richtung". Insbesondere die SPD habe aber offenbar noch nicht begriffen, dass es wirtschaftspolitisch ein Umsteuern brauche. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte Neuwahlen. "Es ist vorbei: Das Totenglöckchen der Ampel läutet", sagte er der "Bild". Dem schloss sich AfD-Fraktionschefin Alice Weidel an. "Je eher es Neuwahlen gibt, desto besser für unser Land", sagte sie der "Welt".

A.Saggese--PV

Empfohlen

Iran stellt harte Bedingungen für Öffnung der Straße von Hormus

Inmitten der diplomatischen Bemühungen für ein Ende des Iran-Kriegs hat Teheran harte Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus gestellt. Außenminister Abbas Araghtschi forderte am Samstag unter anderem "Entschädigungen" für Verstöße der USA gegen das im Juni besiegelte Rahmenabkommen zwischen Teheran und Washington. Der Chef des Nationalen Sicherheitsrats, Mohammad Bagher Solghadr, legte eine ganze Liste an Bedingungen für ein Ende der Blockade der strategisch wichtigen Meerenge vor.

Zwei Bombenanschläge in Kolumbien an erstem Tag im Amt des neuen Präsidenten Espriella

In Kolumbien sind am ersten Tag im Amt des neuen rechtsgerichteten Präsidenten Abelardo de la Espriella zwei Bombenanschläge verübt worden. Bei den Anschlägen in verschiedenen Teilen des Landes wurde am Samstag mindestens ein Polizist getötet, wie die Armee mitteilte. Weitere Menschen seien verletzt worden.

Explosion mutmaßlich ukrainischer Drohne in Bulgarien löst diplomatische Verstimmung aus

Die Explosion einer mutmaßlich ukrainischen Drohne nahe einer strategisch wichtigen Gaspipeline in Bulgarien hat zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Sofia und Kiew geführt. Nach einer ersten Untersuchung der Trümmer erklärte das bulgarische Verteidigungsministerium am Samstag, es handle sich um einen Drohnentyp, der von den ukrainischen Streitkräften "häufig verwendet" werde. Außenministerin Welislawa Petrowa bestellte daraufhin die ukrainische Botschafterin für Montag ein. Kiew bestritt, vorsätzlich ein Fluggerät nach Bulgarien gelenkt zu haben.

Selenskyj warnt vor Folgen russischer Angriffe - Vucic für Integrität der Ukraine

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei seinem ersten offiziellen Besuch in Serbien seit Beginn des Ukraine-Kriegs vor den Folgen der verstärkten russischen Angriffe für den kommenden Winter gewarnt. Die Ukraine habe "praktisch keine intakten Wärmekraftwerke mehr", sagte Selenskyj am Samstag nach Gesprächen mit Präsident Aleksandar Vucic in Belgrad. Vucic schloss eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine vorerst aus, bekräftigte aber die Unterstützung Serbiens für deren territoriale Integrität.

Textgröße ändern: