Pallade Veneta - Landtag Mecklenburg-Vorpommerns setzt Untersuchungsausschuss zu Klimastiftung ein

Landtag Mecklenburg-Vorpommerns setzt Untersuchungsausschuss zu Klimastiftung ein


Landtag Mecklenburg-Vorpommerns setzt Untersuchungsausschuss zu Klimastiftung ein
Landtag Mecklenburg-Vorpommerns setzt Untersuchungsausschuss zu Klimastiftung ein / Foto: jens schlueter - AFP/Archiv

Nach einer scharf geführten Debatte hat der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur umstrittenen Klimastiftung des Landes eingesetzt. Alle Versuche, hinreichende Antworten zu der Stiftung zu bekommen, seien von der SPD und ihrer Ministerpräsidentin Manuela Schwesig abgeblockt worden, erklärten die Grünen zur Begründung. Die Fraktionen von Grünen, CDU, FDP und AfD stimmten für die Einsetzung des Untersuchungsausschusses, die Regierungsfraktionen von SPD und Linker enthielten sich.

Textgröße ändern:

Die Grünen hatten den Untersuchungsausschuss zusammen mit CDU und FDP auf den Weg gebracht. Der CDU-Abgeordnete Sebastian Ehlers sagte, die Klimastiftung sei "eine Art Generalunternehmer" für den russischen Energiekonzern Gazprom und die mittlerweile gestoppte Pipeline Nord Stream 2 gewesen. Schwesig und ihrer Landesregierung warf Ehlers eine "Mauer des Schweigens" zu den Hintergründen der Stiftung vor.

Der Untersuchungsausschuss soll klären, wer in die Gründung der Stiftung involviert war, wie die Stiftung mit verdeckten Geschäften den Bau der Erdgaspipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee beförderte und welchen Einfluss die Nord Stream 2 AG oder sogar russische Regierungsstellen auf die Gründung und die Geschäfte der Stiftung hatten. Dazu formulierten die drei Oppositionsfraktionen 74 Fragenkomplexe als Untersuchungsauftrag für den Ausschuss.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Krüger wies die Vorwürfe der Opposition zurück. "Viel heiße Luft, viel Wille zur Skandalisierung, wenig Substanz", kennzeichne deren Vorgehen. Es könne niemand ausschließen, dass es rund um die Klimastiftung Fehler gegeben habe, sagte Krüger zwar. Vor dem Krieg habe die Landesregierung klar zu Nordstream 2 gestanden, der Krieg Russlands gegen die Ukraine habe nun aber alles geändert.

Die damalige Landesregierung aus SPD und CDU hatte die Klimastiftung im Januar 2021 aus der Taufe gehoben. Zweck der Stiftung sollte neben Klimaschutzaktivitäten der Schutz von am Pipelinebau beteiligten Unternehmen sein, weil diesen Sanktionen seitens der USA drohten. Die Nord Stream 2 AG zahlte 20 Millionen Euro an die Stiftung.

Der vor dem Rückzug stehende Vorsitzende der Klimastiftung, der frühere Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), gab vor rund zwei Wochen bekannt, dass die Stiftung quasi Aufträge von Nord Stream 2 entgegen genommen und an Auftragnehmer weitergeleitet habe. Die Rechnungen der ausführenden Firmen habe sich die Klimastiftung mit zehn Prozent Aufschlag von Nord Stream 2 erstatten lassen.

Für diesen Geschäftsbereich der Klimastiftung hätten vier Angestellte gearbeitet, ein Geschäftsführer der Stiftung war früher bei Nord Stream 2 beschäftigt. Nach Informationen der Oppositionsfraktionen war die Stiftung allerdings auch an mehreren Firmen beteiligt, unter anderem um ein Schiff, die "Blue Ship", zu kaufen, das an der Verlegung der letzten Pipelinerohre beteiligt war.

Nach Ansicht der CDU-Landtagsfraktion zeigt die Beschäftigung eines früheren Nord-Stream-2-Mitarbeiters als Geschäftsführer, dass Nord Stream 2 "exklusiven und vollen Zugriff auf eine vom Land Mecklenburg-Vorpommern beherrschte Institution" erhalten habe. Es sei nicht darum gegangen, Firmen aus Mecklenburg-Vorpommern vor Sanktionen der USA zu schützen.

FDP-Fraktionschef René Domke sagte im Vorfeld der Landtagsdebatte, "die Nähe zum Machtzirkel" um den russischen Staatschef Wladimir Putin werde "im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtags eine der Kernfragen" sein. Stiftungschef Sellering wies solche Verdächtigungen zurück. Es sei "alles sauber gelaufen - der Vorstand hat sich nichts vorzuwerfen".

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hatten sowohl die Landesregierung als auch der Landtag gefordert, die Klimastiftung möge ihre Auflösung in die Wege leiten. Sellering weigerte sich, weil er dies für rechtswidrig hält. Zusammen mit seinen beiden Vorstandskollegen kündigte er am Dienstag jedoch seinen Rücktritt an, sobald der Pipelinegeschäftszweig der Klimastiftung - voraussichtlich Ende September - abgewickelt sei.

Ministerpräsidentin Schwesig will danach einen neuen Vorstand einsetzen, der die Stiftung auflöst. Die Klimaschutzaktivitäten der Stiftung sollen unter dem Dach einer landeseigenen Agentur weitergeführt werden.

F.Dodaro--PV

Empfohlen

Nach Tod von Chamenei: Sohn Modschtaba Chamenei gilt als möglicher Nachfolger

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den im Iran-Krieg getöteten obersten Führer des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, wird auch der Name von dessen Sohn Modschtaba gehandelt. Das Amt solle "so bald wie möglich" besetzt werden, sagte Ahmed Chatami, ein Mitglied des für die Wahl zuständigen Expertenrats, am Mittwoch im iranischen Staatsfernsehen. Der 56-jährige Geistliche Modschtaba Chamenei ist eines von sechs Kindern des am Samstag getöteten obersten Führers.

Iran-Krieg: Pistorius schließt Beteiligung aus - Kritik an USA und Israel

Keine Kriegsteilnahme und Kritik an den USA und Israel: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat eine Beteiligung Deutschlands am Iran-Krieg ausgeschlossen und eine fehlende "Exit-Strategie" für die Region bemängelt. "Deutschland wird sich an diesem Krieg nicht beteiligen", sagte Pistorius am Mittwoch im Bundestag. In einer Aktuellen Stunde zu dem Konflikt im Parlament ging es auch um die völkerrechtliche Bewertung.

Mutmaßliche Anschlagspläne auf Trump: USA melden Tötung von Verantwortlichem im Iran

Die USA haben nach eigenen Angaben einen iranischen Anführer getötet, der für einen Anschlagsversuch auf Präsident Donald Trump verantwortlich sein soll. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte dazu am Mittwoch im Pentagon: "Der Iran hat versucht, Präsident Trump zu töten, aber Präsident Trump hat zuletzt gelacht." Um wen es sich bei dem Getöteten handelt, erklärte er nicht.

Präsidentenwahl in Frankreich: Rechtspopulist Bardella in Umfrage vorn

In Frankreich liegt der 30 Jahre alte Rechtspopulist Jordan Bardella in einer Umfrage zur Präsidentschaftswahl deutlich vorn: Der Chef der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN) käme in der ersten Runde auf 36 Prozent, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Ifop-Instituts hervorgeht. Auf diesen Wert käme er unabhängig davon, welcher der beiden derzeit gehandelten Kandidaten für das Regierungslager antreten würde - Ex-Premierminister Edouard Philippe oder dessen Nachfolger Gabriel Attal. Die Präsidentschaftswahl in Frankreich findet im April 2027 statt.

Textgröße ändern: