Pallade Veneta - Sozialhilfe muss Behinderte auch beim Urlaub unterstützen

Sozialhilfe muss Behinderte auch beim Urlaub unterstützen


Sozialhilfe muss Behinderte auch beim Urlaub unterstützen
Sozialhilfe muss Behinderte auch beim Urlaub unterstützen / Foto: Damien MEYER - AFP/Archiv

Behinderte können auch Anspruch auf Sozialhilfeleistungen zur Unterstützung eines Erholungsurlaubs haben. Denn auch der Urlaub sei "ein legitimes Teilhabebedürfnis", entschied am Donnerstag das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel. Erstattungsfähig seien dabei allerdings nicht die Urlaubskosten selbst, sondern nur "behinderungsbedingte Mehrkosten wie die Reisekosten einer notwendigen Begleitperson". (Az: B 8 SO 13/20 R)

Textgröße ändern:

Damit gab der BSG-Sozialhilfesenat im Grundsatz einem Rollstuhlfahrer aus dem Landkreis Leipzig Recht. Er beschäftigt im sogenannten Arbeitgebermodell rund um die Uhr drei Assistenzkräfte, die ihn betreuen und versorgen. Die Kosten hierfür trägt der Landkreis im Wege der sogenannten Eingliederungshilfe.

2016 machte der Rollstuhlfahrer mit einer Begleitperson eine siebentägige Kreuzfahrt auf der Nordsee. Die Kosten für sich bezahlte er selbst. Vom Landkreis forderte er Erstattung der Kosten für die "notwendige Begleitperson" in Höhe von gut 2000 Euro. Der Landkreis und auch die Vorinstanzen lehnten dies ab. Eine Kreuzfahrt trage nicht zur "Teilhabe" des Rollstuhlfahrers an der Gesellschaft bei.

Dem widersprach nun das BSG. "Der Wunsch, sich jährlich einmal auf eine einwöchige Urlaubsreise zu begeben und dafür die hier in Rede stehenden Kosten aufzuwenden, ist ein angemessenes soziales Teilhabebedürfnis und geht nicht über die Bedürfnisse eines nicht behinderten, nicht sozialhilfeberechtigten Erwachsenen hinaus", stellten die obersten Sozialrichter klar.

Den konkreten Streit verwies das BSG dennoch an das sächsische Landessozialgericht zurück. Dieses soll prüfen, inwieweit der Landkreis schon für eine Begleitperson bei vorausgehenden Urlauben bezahlte und ob eine vergleichbare Kreuzfahrt bei einem anderen Anbieter möglicherweise ohne Begleitperson oder anderweitige "behinderungsbedingte Mehrkosten" buchbar gewesen wäre.

D.Vanacore--PV

Empfohlen

Prozess wegen Impfschäden in Trier: Klage gegen Hersteller abgewiesen

Das Landgericht Trier hat am Donnerstag einen Klage gegen einen Pharmakonzern wegen Impfschäden abgewiesen. Die zuständige Kammer entschied, dass der Impfstoffhersteller nicht zum Schadenersatz verpflichtet ist, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Die Klägerin hatte demnach darauf geklagt, dass der Hersteller für alle Schäden nach der Impfung haftet. Zudem verlangte sie Auskunft über mögliche Wirkungen und Nebenwirkungen des Impfstoffs in ihrem Fall.

"Falsches Signal": Grünen-Spitze kritisiert Mercosur-Abstimmung im Europaparlament

Das Votum der Grünen im Europaparlament für eine juristische Überprüfung des Mercosur-Handelsabkommens stößt auf deutliche Kritik in den eigenen Reihen. "Die Abstimmung im Europaparlament gestern war ein Fehler", sagte Grünen-Chefin Franziska Brantner dem Portal t-online. Auch die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, kritisierte die Entscheidung ihrer Parteikollegen im Europaparlament.

US-Diplomatie in Davos und Moskau: Ukraine-Gespräche kommen offenbar voran

Bei Beratungen in Davos und Moskau haben die USA am Donnerstag auf ein Ende des russischen Angriffskriegs in der Ukraine gedrungen. US-Präsident Donald Trump sagte nach einem Treffen mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj in der Schweiz: "Dieser Krieg muss enden." Seine Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner wollten sich derweil in der russischen Hauptstadt mit Präsident Wladimir Putin treffen.

Nach Start von Trumps "Friedensrat": Wadephul bekräftigt deutschen Rückhalt für UNO

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat angesichts des Starts des von US-Präsident Donald Trump auf den Weg gebrachten "Friedensrats" die deutsche Unterstützung für die Vereinten Nationen bekräftigt. Die UNO sei für die Bundesregierung "die Organisation auf internationaler Ebene, die wir unterstützen und auf die wir unsere Bemühungen konzentrieren", sagte Wadephul am Donnerstag bei einem Besuch in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.

Textgröße ändern: