Pallade Veneta - Ukraine gibt Verteidigung von Mariupol auf

Ukraine gibt Verteidigung von Mariupol auf


Ukraine gibt Verteidigung von Mariupol auf
Ukraine gibt Verteidigung von Mariupol auf / Foto: Handout - Russian Defence Ministry/AFP

Die ukrainischen Streitkräfte haben nach wochenlangen, erbitterten Kämpfen die Verteidigung der Hafenstadt Mariupol gegen die russischen Truppen aufgegeben. Sie hätten die Anordnung aus Kiew erhalten, die Verteidigung der Stadt einzustellen, sagte der Kommandeur des Asow-Regiments, Denys Prokopenko, dessen Kämpfer sich zuletzt im Industriekomplex Asow-Stahl verschanzt hatten, am Freitag. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu verkündete derweil, die ukrainische Region Luhansk im Osten stehe inzwischen nahezu gänzlich unter russischer Kontrolle.

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Die ukrainische Militärführung habe den Befehl gegeben, "das Leben der Soldaten unserer Garnison zu retten", sagte Asow-Kommandeur Prokopenko in einer Videobotschaft. Es werde nun daran gearbeitet, die getöteten Soldaten aus der Asow-Stahl-Anlage zu bringen. Alle Verletzten seien evakuiert worden und nur die "getöteten Helden" seien geblieben.

Russland hatte bereits im April nach wochenlanger Belagerung erklärt, die Kontrolle über Mariupol im Südosten des Landes übernommen zu haben. Allerdings hatten sich hunderte ukrainische Soldaten im Tunnelsystem unter dem riesigen Industriekomplex von Asow-Stahl verschanzt. Diese Woche begannen die verbliebenen Kämpfer, sich zu ergeben. Nach russischen Angaben kamen bis Freitag 1908 ukrainische Kämpfer aus dem Werk und wurden gefangen genommen.

Die ukrainische Regierung hofft auf ihre Befreiung im Rahmen eines Gefangenenaustausches. Die russischen Behörden haben jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass sie zumindest einen Teil von ihnen nicht als Soldaten, sondern als neonazistische Kämpfer betrachten.

Die vollständige Einnahme Mariupols wäre für Moskau ein strategischer Erfolg. Dem ukrainischen Generalstab zufolge hat der erbitterte Widerstand in der Hafenstadt den Vormarsch der russischen Streitkräfte auf die Großstadt Saporischschja, die sich nach wie vor in ukrainischer Hand befindet, entscheidend verlangsamt.

Auch in anderen Teilen der Ostukraine verkündete Moskau Erfolge. Die "Befreiung" der Region Luhansk sei "fast abgeschlossen", sagte Verteidigungsminister Schoigu. Russland hatte die pro-russischen Separatistengebiete Luhansk und Donezk im Donbass kurz vor dem Beginn des Angriffs auf das Nachbarland am 24. Februar als eigenständig anerkannt. Teile der Regionen standen bereits seit 2014 unter der Kontrolle pro-russischer Kräfte.

In der Region Luhansk werden inzwischen nur noch die durch einen Fluss getrennten Städte Sewerodonezk und Lyssytschansk von der Ukraine kontrolliert. Beide Orte wurden heftig bombardiert, wie AFP-Reporter berichteten. Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, sprach von zwölf Toten und 40 Verletzten bei Angriffen am Donnerstag. Es seien vor allem Wohnhäuser getroffen worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj prangerte massive Angriffe der russischen Truppen im Osten des Landes an. "Die Besatzer versuchen, den Druck im Donbass weiter zu erhöhen. Es ist die Hölle, und das ist keine Übertreibung", sagte er in einer Videobotschaft. Er warb für weitere internationale Unterstützung.

Russland reagierte derweil auf die geplante Nato-Erweiterung um Finnland und Schweden. Als Antwort auf "die Zunahme der militärischen Bedrohungen an den russischen Grenzen" werde Moskau bis Ende des Jahres zwölf neue Militärbasen im Westen Russlands einrichten, sagte Schoigu. Nähere Angaben zu Ausstattung und Größe der geplanten Stützpunkte machte er nicht.

Finnland und Schweden hatten vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs mit der jahrzehntelangen Tradition der militärischen Bündnisneutralität gebrochen und in dieser Woche einen Nato-Beitrittsantrag gestellt. Der Kreml reagierte darauf mit scharfer Kritik und Drohungen. Nach Stromlieferungen werden nun nach Angaben des finnischen Energiekonzerns Gasum am Samstag auch die russischen Erdgaslieferungen an Finnland eingestellt.

M.Jacobucci--PV

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