Pallade Veneta - Dschihadisten rücken in Syrien vor - Regierung verliert Kontrolle über Aleppo

Dschihadisten rücken in Syrien vor - Regierung verliert Kontrolle über Aleppo


Dschihadisten rücken in Syrien vor - Regierung verliert Kontrolle über Aleppo
Dschihadisten rücken in Syrien vor - Regierung verliert Kontrolle über Aleppo / Foto: Omar HAJ KADOUR - AFP

In Syrien sind dschihadistische Kämpfer bei ihrer Großoffensive gegen die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad weiter vorgerückt. Die syrische Regierung habe am Sonntag erstmals seit Beginn des Bürgerkriegs vollständig die Kontrolle über Aleppo verloren, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, der Nachrichtenagentur AFP. Der mit Assad verbündete Iran bekräftigte unterdessen seine Unterstützung für dessen Regierung.

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Der Chef der Syrischen Beobachtungsstelle erklärte weiter, in Aleppo, der zweitgrößten syrischen Stadt, kontrollierten die Kämpfer der dschihadistischen Gruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS) und mit ihr verbündete Gruppierungen nunmehr fast das gesamte Stadtgebiet - mit Ausnahme derjenigen Viertel, die unter der Kontrolle kurdischer Kämpfer stünden.

Die Dschihadistengruppe HTS, der syrische Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida, und ihre Verbündeten hatten am Mittwoch eine überraschende Großoffensive gegen die Streitkräfte der syrischen Regierung gestartet. Bei den heftigsten Kämpfen seit 2020 wurden laut der Beobachtungsstelle bislang mehr als 320 Menschen getötet, darunter 44 Zivilisten.

Am Samstag hatte auch die syrische Armee bestätigt, dass die Dschihadisten in "große Teile" von Aleppo einmarschiert seien. Der mit der syrischen Regierung verbündete Iran erklärte, "bewaffnete terroristische Gruppen" hätten das iranische Konsulat in Aleppo angegriffen.

Vor Beginn ihrer Großoffensive hielten die Dschihadisten der HTS im Norden und Westen Syriens weite Teile der Region Idlib unter ihrer Kontrolle - sowie Teile der Nachbarprovinzen Aleppo, Hama und Latakia.

Die Dschihadisten nahmen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge neben Aleppo "dutzende" strategisch bedeutende Orte in den Provinzen Idlib und Hama ein, auch dort seien sie auf "keinerlei" Widerstand gestoßen.

Demnach verstärkte die Armee zudem ihre Stellungen rund um die in der Mitte des Landes gelegene Provinzhauptstadt Hama. Die Armee habe zudem in Vororten von Hama neue Kontrollstellen eingerichtet und weitere Soldaten in "strategische Orte" im Norden der Provinz Hama entsandt. Das syrische Verteidigungsministerium sprach allgemeiner von einer Verstärkung der "Verteidigungslinien mit unterschiedlichen Waffengattungen, Ausrüstung und Personal" im Kampf gegen "terroristische Gruppen".

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist in Großbritannien ansässig. Sie verfügt über ein Netzwerk verschiedener Quellen in Syrien, ihre Angaben sind nur schwer unabhängig zu überprüfen.

Der mit der syrischen Assad-Regierung verbündete Iran sicherte dieser seine Unterstützung zu. Am Sonntag kündigte der iranische Außenminister Abbas Aragtschi eine Reise nach Damaskus an. Er wolle der syrischen Regierung und ihren Streitkräften die Unterstützung seines Landes übermitteln, Aragtschi sei sicher, dass die syrische Armee "diese terroristischen Gruppen" erneut besiegen werde.

Das ebenfalls mit Assad verbündete Russland flog zur Unterstützung der Regierungstruppen erneut Angriffe. Laut der Beobachtungsstelle wurde Aleppo erstmals seit 2016 wieder von russischen Luftangriffen getroffen. Die russische Armee schrieb nach Angaben russischer Medien von Bombardements zur Unterstützung der Regierung in Damaskus gegen "extremistische" Gruppen in Syrien. Bei einem vermutlich von Russland ausgeführten Luftangriff wurden der Beobachtungsstelle zufolge 16 Zivilisten getötet. Demnach zielte der Angriff am Samstagnachmittag auf "zivile Fahrzeuge" ab.

Nach Angaben des russischen Außenministeriums telefonierte Minister Sergej Lawrow mit seinen Kollegen im Iran und in der Türkei und drückte dabei seine Besorgnis über die "gefährliche Eskalation" in Syrien aus. Zudem beteuerte er, Russland werde Syrien weiterhin unterstützen.

Unterdessen erklärten die USA, sie sähen die Ursache für den Vormarsch der Dschihadisten in Syriens "Abhängigkeit von Russland und dem Iran". Diese Abhängigkeit und "die Weigerung, den 2015 vom UN-Sicherheitsrat vorgeschlagenen Friedensprozess zu verfolgen", hätten die "Bedingungen geschaffen, für das, was jetzt passiert", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Sean Savett.

Savett betonte, die USA hätten mit der von HTS angeführten Offensive nichts zu tun. Irans Außenminister Aragtschi hatte am Donnerstag in einer Erklärung einen "amerikanisch-zionistischen Plan", der die "Stabilität und Sicherheit der Region stören" solle, für die Großoffensive der Dschihadisten verantwortlich gemacht. Am Sonntag bekräftigte er diesen Vorwurf.

Der syrische Bürgerkrieg hatte 2011 begonnen, nachdem Assad Proteste gegen die Regierung mit Gewalt niederschlagen ließ. Eine halbe Million Menschen wurden getötet und Millionen weitere vertrieben.

Mit der Unterstützung ihrer Verbündeten Russland und dem Iran erlangte die syrische Regierung 2015 die Kontrolle über weite Teile des Landes zurück. Auch die Großstadt Aleppo eroberte Assad im Jahr 2016 mit Unterstützung der russischen Luftwaffe mittels massiver Bombenangriffe zurück. Im Norden Syriens gilt seit 2020 ein von der Türkei und Russland vermittelter Waffenstillstand. Dieser war zwar immer wieder gebrochen worden, hatte die Region in den vergangenen Jahren aber weitgehend beruhigt.

F.Abruzzese--PV

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