Pallade Veneta - Regierungskrise in Frankreich: Abgeordnete stimmen Mittwoch über Misstrauensantrag ab

Regierungskrise in Frankreich: Abgeordnete stimmen Mittwoch über Misstrauensantrag ab


Regierungskrise in Frankreich: Abgeordnete stimmen Mittwoch über Misstrauensantrag ab
Regierungskrise in Frankreich: Abgeordnete stimmen Mittwoch über Misstrauensantrag ab / Foto: STEPHANE DE SAKUTIN - AFP/Archiv

Frankreichs Regierungschef Michel Barnier ist nur noch auf Abruf im Amt: Die Nationalversammlung werde am Mittwoch über die beiden inzwischen eingereichten Misstrauensanträge abstimmen, hieß es am Dienstag in Parlamentskreisen. Da die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) erklärt hat, für den Antrag der linken Opposition zu stimmen, scheint der Sturz der Regierung sicher. Regierungschef Barnier will sich am Dienstagabend um 20.00 Uhr in einer TV-Ansprache an das Land wenden.

Textgröße ändern:

Gegen die Regierung zu stimmen, sei "leider unsere einzige Möglichkeit, die uns die Verfassung gibt, um die Franzosen vor einem gefährlichen, ungerechten und bestrafenden Haushalt zu schützen", betonte RN-Fraktionschefin Marine Le Pen am Dienstag im Onlinedienst X. Am Vortag hatte sie Präsident Emmanuel Macron vorgeworfen, für die politische Krise verantwortlich zu sein, und ihm den Rücktritt nahegelegt.

Barnier hatte den Weg zu dem Misstrauensantrag geebnet, indem er am Vortag erstmals auf den Verfassungsartikel 49.3 zurückgegriffen hatte. Dieser erlaubt eine Verabschiedung ohne Abstimmung in der Nationalversammlung, wenn die Regierung ein anschließendes Misstrauensvotum übersteht.

Haushaltsminister Laurent Saint-Martin warf Le Pen vor, keine sachlichen Gründe für den Misstrauensantrag vorzubringen. "Abgeordnete beider Extreme wollen einen Text zensieren, der auf einem parlamentarischen Kompromiss beruht", sagte Saint-Martin dem Sender RTL. Er verwies darauf, dass der Gesetzesentwurf von einem Vermittlungsausschuss ausgehandelt worden war.

"Es ist klar, dass diejenigen, die den Misstrauensantrag stellen, nur einen politischen Vorwand suchen und nicht am Dialog interessiert sind", erklärte er. Tatsächlich war die Regierung zuvor bereits auf mehrere Forderungen des RN eingegangen. Kurz vor der Debatte in der Nationalversammlung am Dienstag hatte Barnier den Verzicht auf höhere Zuzahlungen für Medikamente angekündigt und damit einer Forderung des RN entsprochen.

Wirtschaftminister Antoine Armand warnte davor, dass ein Sturz der Regierung das Land in Gefahr bringe. "Wenn morgen die Zinsen steigen, wenn es den Franzosen an das Ersparte geht und die Einkommenssteuer steigt - wer ist dann dafür verantwortlich?", fragte er rhetorisch mit Blick auf die Opposition. Das Land befinde sich an einem "Wendepunkt".

Barnier hatte die Verknüpfung des Sozialhaushalts mit der Vertrauensfrage damit begründet, dass "der Dialog am Ende" sei. "Wir haben den entscheidenden Moment erreicht, der jeden vor seine Verantwortung stellt", hatte Barnier gesagt. Es sei an den Abgeordneten zu entscheiden, ob sie das Land mit "verantwortungsvollen und notwendigen Finanzgesetzen" ausstatten oder "ob wir in unbekanntes Terrain eintreten".

Links- und Rechtspopulisten reichten umgehend Misstrauensanträge ein, die am Mittwoch ab 16.00 Uhr debattiert werden. Voraussichtlich wird über den Antrag der Linkspopulisten zuerst abgestimmt. Mit einem Ergebnis wird am Abend gerechnet. Wenn die Rechtspopulisten ihn wie angekündigt unterstützen, wäre die Regierung damit gestürzt. Sie bliebe geschäftsführend im Amt, bis Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine neue Regierung einsetzt.

Macron ist derzeit auf einem dreitägigen Staatsbesuch in Saudi-Arabien und hat die Lage in der Heimat noch nicht öffentlich kommentiert. Er wird am Mittwoch zurück in Paris erwartet.

B.Fortunato--PV

Empfohlen

Nach Ausweisung von Journalistin: Russland wirft Frankreich "politische Verfolgung" vor

Nach der Ausweisung der Kreml-treuen Journalistin Xenia Fedorova aus Frankreich hat Moskau Paris eine "politische Verfolgung" von Medienschaffenden vorgeworfen. "Jede abweichende Meinung wird als russische Propaganda bezeichnet, worauf Versuche folgen, Journalisten und ganze Medien zu vertreiben", sagte der stellvertretende Sprecher des russischen Außenministeriums, Alexej Fadejew, am Donnerstag. Es gebe in Frankreich eine "Zensur von Meinungen, die nicht der offiziellen Linie entsprechen".

Iran-Krieg: Berichte über US-Munitionsknappheit - Pakistan will neue Gespräche

Im Krieg gegen den Iran haben die US-Streitkräfte Medienberichten zufolge große Teile ihrer Munitionsvorräte verschossen. Ein Mangel an Raketen habe US-Präsident Donald Trump von weiteren Angriffen abgehalten, schrieb etwa die "Washington Post". Trump wies die Berichte am Donnerstag zurück und drohte den Journalisten mit langen Haftstrafen. Nachdem sich der Iran und Oman auf eine neue Route durch die Straße von Hormus geeinigt hatten, hofft Vermittler Pakistan unterdessen auf neue Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.

Fund von Sprengstoffdrohne sorgt für Debatte über Luftsicherheit

Der Fund einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen hat eine Debatte über Maßnahmen zur Abwehr solcher Bedrohungen ausgelöst. Die Grünen forderten am Donnerstag klarer geregelte Zuständigkeiten der Behörden. Die SPD sieht Deutschland hierbei auf einem guten Weg. Unterdessen wurden brisante Ermittlungs-Details bekannt: Eine der ukrainischen Frachtmaschinen, neben der die Drohne gefunden wurde, war einem Medienbericht zufolge mit Munition beladen.

Medien: Ukrainisches Flugzeug in Leipzig neben Drohne war mit Munition beladen

Eines der ukrainischen Flugzeuge, neben dem in Leipzig die Sprengstoff-Drohne gefunden wurde, war einem Medienbericht zufolge mit militärischer Munition beladen. Diese sei offenbar kurz zuvor aus Frankreich nach Leipzig transportiert worden und für den Weitertransport vorgesehen gewesen, berichteten am Donnerstag NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Die Medien beziehen sich dabei auf einen vertraulichen Bericht der Polizei.

Textgröße ändern: