Pallade Veneta - Südkoreas Justizministerium belegt Präsident Yoon mit Ausreiseverbot

Südkoreas Justizministerium belegt Präsident Yoon mit Ausreiseverbot


Südkoreas Justizministerium belegt Präsident Yoon mit Ausreiseverbot
Südkoreas Justizministerium belegt Präsident Yoon mit Ausreiseverbot / Foto: ANTHONY WALLACE - AFP

Der südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol ist wegen polizeilicher Ermittlungen zu seiner kurzzeitigen Verhängung des Kriegsrechts mit einem Ausreiseverbot belegt worden. Ein Mitarbeiter des Justizministeriums bestätigte am Montag in einer parlamentarischen Anhörung, dass der Staatschef das Land nicht verlassen dürfe. Die Polizei ermittelt wegen "Aufruhrs" gegen Yoon sowie zwei ehemalige Minister. Die Opposition will den Präsidenten des Amtes entheben lassen.

Textgröße ändern:

Yoon hatte am Dienstag vergangener Woche das Kriegsrecht verhängt. Das Parlament machte jedoch kurz danach in einer dramatischen Sitzung von seinem Vetorecht gegen die Maßnahme Gebrauch, woraufhin der Präsident das Kriegsrecht nach wenigen Stunden wieder aufhob.

Yoon ist der erste amtierende Präsident Südkoreas, gegen den ein Ausreiseverbot verhängt wurde. Auf die Frage, ob es Yoon verboten sei, das Land zu verlassen, antwortete der Ministeriumsmitarbeiter in der Anhörung: "Ja, das ist richtig."

Der Leiter der nationalen Polizei-Ermittlungszentrale, Woo Jong Soo, sagte, der Staatschef könne im Zuge der Untersuchungen zu Befragungen vorgeladen werden. Die Polizei werde "im Einklang mit dem Gesetz und den Grundsätzen" ermitteln, versicherte er.

Auch gegen den ehemaligen Innenminister Lee Sang Min und Ex-Verteidigungsminister Kim Yon Hyun wird ermittelt. Beide waren im Zusammenhang mit der Ausrufung des Kriegsrechts zurückgetreten. Hyun wurde festgenommen. Der militärische Befehlshaber während des Kriegsrechts, Park An Su, und der Chef der Spionageabwehr der Armee, Yeo In Hyung, dürfen das Land ebenfalls nicht verlassen.

Die größte Oppositionspartei im Parlament hatte am Sonntag einen zweiten Anlauf zur Amtsenthebung Yoons angekündigt. Ein erster Antrag der Demokratischen Partei (DP) hatte am Samstag nicht die nötige Zweidrittelmehrheit erreicht, da die meisten Abgeordneten von Yoons konservativer PPP die Abstimmung boykottiert hatten.

Yoon habe im Gegenzug für den Boykott und das dadurch erwirkte Scheitern des Amtsenthebungsantrags eingewilligt, seine Machtbefugnisse an Ministerpräsident Han Duck Soo und den Vorsitzenden seiner Partei zu übergeben, hatte die PPP nach dem Votum erklärt.

DP-Fraktionschef Park Chan Dae sagte jedoch, dieses zwischen dem Präsidenten und seiner Partei abgesprochene Vorgehen komme einem Verfassungsbruch gleich. "Dies ist ein rechtswidriger, verfassungswidriger Akt eines zweiten Aufstands und eines zweiten Staatsstreichs", sagte er.

Der Verfassungsrechtler Kim Hae Won teilt diese Ansicht. Es gebe keine Verfassungsgrundlage dafür, dass Yoon im Amt bleiben, aber zugleich seine Machtbefugnisse an nicht-gewählte Parteivertreter übertragen könne. Dies "scheint einem sanften verfassungswidrigen Staatsstreich nachzukommen", sagte der Experte der Nachrichtenagentur AFP.

Das Verteidigungsministerium erklärte unterdessen, dass Yoon Oberbefehlshaber der Streitkräfte bleibe. Der Staatschef hatte das Kriegsrecht angesichts eines Haushaltsstreits zwischen seiner PPP und der DP ausgerufen. Als Begründung nannte er jedoch den Schutz eines "liberalen Südkoreas vor den Bedrohungen durch Nordkoreas kommunistische Truppen", auch gehe es darum, "anti-staatliche Elemente zu eliminieren".

Yoons drastisches Vorgehen löste Massenproteste aus. Auch am Montag forderten Demonstranten vor dem Parlament in Seoul erneut den Rücktritt des Präsidenten. Die bereits vor der Ausrufung des Kriegsrechts niedrigen Zustimmungswerte des Präsidenten sanken auf das Rekordtief von elf Prozent, wie südkoreanische Medien berichteten.

O.Pileggi--PV

Empfohlen

Trump-Hubschrauber über Washington womöglich Passagierflugzeug zu nahe gekommen

Ein US-Militärhubschrauber mit Präsident Donald Trump an Bord ist womöglich über Washington einem Passagierflugzeug zu nahe gekommen. Die Transportsicherheitsbehörde erklärte am Mittwoch, sie untersuche einen Vorfall, "bei dem der vorgeschriebene Sicherheitsabstand zwischen der 'Marine One' und einem vom Washington National Airport (DCA) gestarteten Passagierflugzeug unterschritten worden sein soll". Das Weiße Haus betonte, der Präsident habe sich zu keinem Zeitpunkt in Gefahr befunden.

Urteil in Prozess um tödlichen Autoanschlag auf Verdi-Demonstration in München

Im Prozess um den tödlichen Autoanschlag auf eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi in München soll am Donnerstag (11.30 Uhr) das Urteil gesprochen werden. Die Bundesanwaltschaft wirft dem aus Afghanistan stammenden Farhad N. in dem vor dem Münchner Oberlandesgericht geführten Verfahren vor, im Februar vergangenen Jahres kurz vor der Bundestagswahl mit einem Auto von hinten in die Demonstration gefahren zu sein und dabei eine 37 Jahre alte Mutter mit ihrem zwei Jahre alten Kind getötet zu haben.

Steinmeier-Nachfolge: Özdemir spricht sich für eine Frau aus

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat sich für eine Frau als Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgesprochen. "Nach zwölf Männern im Amt des Bundespräsidenten fände ich es ein starkes und wichtiges Zeichen, wenn Deutschland erstmals eine Bundespräsidentin bekäme", sagte Özdemir den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). "Es gibt in unserem Land so viele herausragende Frauen, die die Erfahrung, die Autorität und die verbindende Kraft für dieses Amt mitbringen."

US-Kriegsschiffe der neuen "Trump"-Klasse könnten 275 Milliarden Dollar kosten

Die von US-Präsident Donald Trump geplanten und nach ihm benannten neuen Kriegsschiffe für die Armee könnten 275 Milliarden Dollar (rund 238 Milliarden Euro) kosten. Das teilte die Behörde CBO am Mittwoch mit, die den US-Kongress in Haushalts- und Wirtschaftsfragen berät. Die Schiffe der "Trump"-Klasse wären somit die teuersten US-Kriegsschiffe aller Zeiten.

Textgröße ändern: