Pallade Veneta - Macron will neuen Premierminister "in 48 Stunden" ernennen

Macron will neuen Premierminister "in 48 Stunden" ernennen


Macron will neuen Premierminister "in 48 Stunden" ernennen
Macron will neuen Premierminister "in 48 Stunden" ernennen / Foto: STEPHANE DE SAKUTIN - AFP

Knapp eine Woche nach dem Sturz der französischen Regierung hat Präsident Emmanuel Macron am Dienstag die Ernennung eines Premierministers "innerhalb von 48 Stunden" in Aussicht gestellt. Dies sagte er nach Aussagen von Teilnehmern bei einem Treffen im Elysée, zu dem erstmals die Spitzen aller Parteien mit Ausnahme der Links- und Rechtspopulisten eingeladen waren.

Textgröße ändern:

Kriterien für die Teilnahme an dem Treffen sei die "Kompromissbereitschaft" der jeweiligen Parteien gewesen, hieß es im Elysée. Ziel sei die "Einigung auf eine Methode". Damit dürfte gemeint sein, dass die beteiligten Parteien sich verpflichten, die künftige Regierung nicht umgehend durch ein Misstrauensvotum zu stürzen.

Sollten sie sich darauf einigen, hätten sei gemeinsam eine Mehrheit gegenüber den Rechts- und Linkspopulisten. Sozialisten und Grüne hatten vergangenen Mittwoch noch für das Misstrauensvotum gestimmt, das die Minderheitsregierung von Premierminister Michel Barnier zu Fall gebracht hatte.

Sozialistenchef Olivier Faure sprach Macron die Fähigkeit ab, zwischen den Parteien vermitteln zu können. "Die Debatte sollte nicht unter seiner Aufsicht fortgesetzt werden, denn er kann nicht der Schiedsrichter sein", betonte Faure beim Eintreffen im Elysée. Grünen-Chefin Marine Tondelier pflichtete ihm bei: "Die Debatte sollte besser in der Nationalversammlung geführt werden."

Mit dem Parteientreffen im Elysée in einem bislang unbekannten Format ist es Macron zumindest gelungen, einen symbolischen Keil in das linksgrüne Wahlbündnis Neue Volksfront zu treiben. Die Linkspopulisten waren nicht eingeladen, nachdem sie eine frühere Einladung in den Elysée ausgeschlagen hatten.

Der linkspopulistische Parteichef Manuel Bompard mahnte die bislang mit seiner Partei verbündeten Sozialisten und Grünen, "nicht den Sirenen und der Versuchung einer Regierungsbeteiligung zu erliegen". "Dies würde bedeuten, die eigenen Wahlversprechen aufzugeben", betonte Bompard im Sender France 2. Der rechtspopulistische Parteichef Jordan Bardella warf dem Präsidenten "mangelnden Respekt" vor.

Offen ist weiterhin, wer sich letztlich an der Regierung beteiligt. Die Sozialisten und Grünen lehnen dies ab, solange der nächste Premierminister nicht aus ihren Reihen hervorgeht. Danach sieht es derzeit jedoch nicht aus. Zudem sind sie intern zerstritten, wer in einem solchen Fall den Posten übernehmen sollte. Und schließlich ist Frankreich von einem inhaltlichen Regierungsprogramm noch weit entfernt.

Unterdessen gab der Elysée bekannt, dass die geschäftsführende Regierung am Mittwoch ein Sondergesetz vorstellen will. Dieses soll es der künftigen Regierung ermöglichen, auf der Basis des Haushalts von 2024 weiterzumachen. Die Nationalversammlung soll es am 16. Dezember debattieren, der Senat zwei Tage später.

Es ist das erste Mal seit 1979, dass ein solches Gesetz nötig ist. Die Minderheitsregierung von Barnier hatte es nicht geschafft, eine Mehrheit für ihre Haushaltsgesetze zu bekommen.

Macron hatte nach deren Sturz die Ernennung eines Premierministers "in den kommenden Tagen" angekündigt. Er stellte außerdem eine "Regierung des Gemeinwohls" in Aussicht, die "alle politischen Kräfte des republikanischen Spektrums" umfassen solle. Eine rechtliche Frist gibt es nicht. Bis zur Ernennung von Premierminister Barnier im September hatte er sich zwei Monate Zeit gelassen.

Als Kandidaten für das Amt des Premierministers sind neben anderen der 38 Jahre alte Verteidigungsminister Sébastien Lecornu und der 73 Jahre alte François Bayrou, Chef einer mit Macron verbündeten Splitterpartei, im Gespräch. Genannt wird auch die Ministerin für Dezentralisierung, Catherine Vautrin.

D.Bruno--PV

Empfohlen

Urteil in Prozess um tödlichen Autoanschlag auf Verdi-Demonstration in München

Im Prozess um den tödlichen Autoanschlag auf eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi in München soll am Donnerstag (11.30 Uhr) das Urteil gesprochen werden. Die Bundesanwaltschaft wirft dem aus Afghanistan stammenden Farhad N. in dem vor dem Münchner Oberlandesgericht geführten Verfahren vor, im Februar vergangenen Jahres kurz vor der Bundestagswahl mit einem Auto von hinten in die Demonstration gefahren zu sein und dabei eine 37 Jahre alte Mutter mit ihrem zwei Jahre alten Kind getötet zu haben.

Steinmeier-Nachfolge: Özdemir spricht sich für eine Frau aus

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat sich für eine Frau als Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgesprochen. "Nach zwölf Männern im Amt des Bundespräsidenten fände ich es ein starkes und wichtiges Zeichen, wenn Deutschland erstmals eine Bundespräsidentin bekäme", sagte Özdemir den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). "Es gibt in unserem Land so viele herausragende Frauen, die die Erfahrung, die Autorität und die verbindende Kraft für dieses Amt mitbringen."

US-Kriegsschiffe der neuen "Trump"-Klasse könnten 275 Milliarden Dollar kosten

Die von US-Präsident Donald Trump geplanten und nach ihm benannten neuen Kriegsschiffe für die Armee könnten 275 Milliarden Dollar (rund 238 Milliarden Euro) kosten. Das teilte die Behörde CBO am Mittwoch mit, die den US-Kongress in Haushalts- und Wirtschaftsfragen berät. Die Schiffe der "Trump"-Klasse wären somit die teuersten US-Kriegsschiffe aller Zeiten.

Dobrindt: Drohnen-Vorfall in Leipzig ist "neue Gefahrenqualität"

Der Fund einer Drohne mit mutmaßlicher Sprengvorrichtung am Leipziger Flughafen stellt nach den Worten von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) "eine neue Gefahrenqualität" dar. Es sei seine Einschätzung, "dass wir es hier mit einem hybriden Anschlagsszenario zu tun haben", sagte Dobrindt am Mittwochabend am Flughafen Leipzig/Halle. Dass eine Drohne "bewaffnet mit Sprengstoff sich hier auf einem Flughafengelände befindet, das ist ein neues Bedrohungsszenario".

Textgröße ändern: