Pallade Veneta - Umfrage: Mehrheit politisch Engagierter erlebte schon einmal digitale Gewalt

Umfrage: Mehrheit politisch Engagierter erlebte schon einmal digitale Gewalt


Umfrage: Mehrheit politisch Engagierter erlebte schon einmal digitale Gewalt
Umfrage: Mehrheit politisch Engagierter erlebte schon einmal digitale Gewalt / Foto: FREDERIC J. BROWN - AFP/Archiv

Die Mehrheit politisch engagierter Menschen in Deutschland hat schon einmal digitale Gewalt erlebt. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der Technischen Universität München in Kooperation mit der Organisation HateAid. Ein Forschungsteam der Universität befragte dafür mehr als tausend Politikerinnen und Politiker sowie andere politisch Aktive wie Journalistinnen und Journalisten und Parteimitglieder ohne Mandat.

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58 Prozent aller Befragten wurden bereits online angegriffen - durch Hasskommentare, Drohungen oder diskriminierende Aussagen. Dabei erlebten Frauen mit 63 Prozent häufiger digitale Gewalt als Männer mit 53 Prozent. Rund zwei Drittel der betroffenen Frauen erfuhren demnach geschlechtsspezifische Gewalt wie Sexismus oder Frauenhass.

Fast ein Viertel der Frauen erhielt schon einmal Androhungen physischer sexueller Gewalt, zum Beispiel Vergewaltigungsdrohungen - bei Männern waren es drei Prozent. Männern wurde hingegen häufiger mit anderen Formen körperlicher Gewalt gedroht, etwa mit Schlägen oder Mord: 51 Prozent der betroffenen Männer berichteten dies und 43 Prozent der Frauen.

Rund ein Drittel der Befragten, die von digitaler Gewalt betroffen waren, erlebten auch schon einmal physische Gewalt. Diejenigen, die nicht digital angegriffen wurden, wurden seltener physisch attackiert - 14 Prozent der Frauen und zehn Prozent der Männer.

Mehr als jede und jeder zweite Betroffene veränderte laut Umfrage die eigene Kommunikation. 66 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer schränkten demnach die Nutzung sozialer Medien ein, passten etwa ihren Ton und ihre Inhalte an. 49 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer zogen in Erwägung, eine Aufgabe nicht anzunehmen, bei der sie besonders häufig digitalen Anfeindungen ausgesetzt sein könnten. Über einen kompletten Rückzug aus der politischen Arbeit dachten ebenfalls deutlich mehr Frauen nach - 22 Prozent im Vergleich zu zehn Prozent der Männer.

Viele politisch Aktive fühlen sich im Stich gelassen: 66 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer gaben an, sich hinsichtlich ihres politischen Engagements nicht ausreichend auf digitale Gewalt und ihre Folgen vorbereitet zu fühlen. Die nicht-repräsentative Online-Befragung fand von April bis Oktober 2024 statt und wurde durch zwölf qualitative Interviews ergänzt.

"Die Ergebnisse zeigen: Frauen und Männer erleben zwar ähnlich viel Hass, weibliche politisch Engagierte sind jedoch deutlich stärker von sexualisierter Gewalt betroffen, die besonders belastend sein kann", erklärte die Münchner Professorin und Studienleiterin Janina Steinert.

Die Auswirkungen seien eklatant: "Frauen verändern häufiger ihre öffentliche Kommunikation oder überlegen, sich aus der Politik zurückzuziehen." Dabei seien Frauen bereits jetzt in Parlamenten und Parteien unterrepräsentiert.

HateAid berät und unterstützt die Opfer von Hassrede im Internet. Die Geschäftsführerin der Organisation, Anna-Lena von Hodenberg, forderte angesichts der Umfrage-Ergebnisse Politik, Justiz, Parteien und Plattformen auf, "endlich alles dafür tun, Politikerinnen, Politiker und andere Engagierte effektiv zu schützen".

A.Rispoli--PV

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