Pallade Veneta - Streit um Fisch: EU und Großbritannien vor Haager Ständigem Schiedshof

Streit um Fisch: EU und Großbritannien vor Haager Ständigem Schiedshof


Streit um Fisch: EU und Großbritannien vor Haager Ständigem Schiedshof
Streit um Fisch: EU und Großbritannien vor Haager Ständigem Schiedshof / Foto: Nick Gammon - AFP

Die EU und Großbritannien stehen sich erstmals seit dem Brexit vor Gericht gegenüber: Vor dem Ständigen Schiedshof in Den Haag ging es am Dienstag um Einschränkungen von Fischereirechten in britischen Gewässern. Brüssel wirft London vor, gegen das mühsam ausgehandelte EU-Austrittsabkommen zu verstoßen. Das Verfahren vor dem ältesten Schiedsgericht der Welt könnte einen Vorgeschmack auf künftige Rechtsstreitigkeiten im umkämpften Fischereisektor bieten.

Textgröße ändern:

Im Zentrum des laufenden Verfahrens steht der Sandaal. Der kleine silbrigen Fisch ist nach Londoner Angaben "wesentlicher Bestandteil des marinen Ökosystems der Nordsee". Aufgrund des Klimawandels und der kommerziellen Fischerei drohe ein Rückgang der Bestände, der sich auch auf andere Fische sowie Meeressäuger und Seevögel auswirken würde, die auf Sandaale als Nahrung angewiesen sind.

Die britische Regierung ordnete deshalb im März ein vollständiges Fangverbot an. Sie argumentierte mit andernfalls entstehenden Risiken für die Bestände gefährdeter Arten wie Papageientaucher, Robben, Schweinswale und anderer Fischarten wie Kabeljau und Schellfisch.

"Die EU vertritt den Standpunkt, dass das Verbot der Sandaalfischerei in den britischen Gewässern der Nordsee das Recht der EU auf uneingeschränkten Zugang zu diesen Gewässern zunichte macht", sagte der Brüsseler Vertreter Anthony Dawes zu Beginn der Anhörung am Dienstag. Dies sei "unvereinbar mit den Verpflichtungen des Vereinigten Königreichs im Rahmen der Handelsabkommen nach dem Brexit".

In dem Abkommen ist vereinbart, dass britische und EU-Fischer im Rahmen vereinbarter Fangquoten für einzelne Arten bis zunächst Mitte 2026 uneingeschränkten Zugang zu den Gewässern der jeweils anderen Vertragspartei haben. Ein generelles Fangverbot sei keine "evidenzbasierte, verhältnismäßige und nicht diskriminierende Maßnahmen" und widerspreche daher diesem Recht, argumentierte der EU-Vertreter.

Die EU vertritt hier vor allem die Interessen Dänemarks. 96 Prozent der EU-Quote für Sandaal entfällt auf dänische Fischer. Die Fänge bringen ihnen jährlich rund 50 Millionen Euro ein.

Die EU dürfte das Verfahren vor dem Schiedshof "nicht leichtfertig" eingeleitet haben, vermutet Joel Reland von der Londoner Denkfabrik UK in a Changing Europe. Die Entscheidung "spiegelt die politische Bedeutung des Themas Fischereireche für die EU wider" - ein Vorgeschmack auf die Verhandlungen über die in 2026 auslaufenden Regelungen.

Großbritannien soll bei der Fortsetzung des Verfahrens am Mittwoch seine Argumente vortragen. Eine Entscheidung des Schiedsgerichts wird bis Ende März erwartet.

C.Conti--PV

Empfohlen

Merz empfängt litauischen Ministerpräsidenten Sinkevicius im Kanzleramt

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfängt am Montag (16.00 Uhr) den litauischen Ministerpräsidenten Mindaugas Sinkevicius mit militärischen Ehren im Bundeskanzleramt. Das Treffen findet im Rahmen eines zweitägigen Arbeitsbesuchs des litauischen Regierungschefs in Berlin statt. Im Zentrum der Gespräche stehen Fragen der Sicherheit, insbesondere mit Blick auf hybride Bedrohungen, die Stärkung der Nato-Ostflanke sowie der Aufbau der deutschen Brigade in Litauen.

Bundespräsident Steinmeier verleiht Schlagerlegende Nana Mouskouri Verdienstorden

Die aus Griechenland stammende Schlagerlegende Nana Mouskouri wird am Montag (11.00 Uhr) zum Tag der deutschen Einheit mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht der 91-Jährigen den Preis zur Anerkennung ihres Einsatzes für Frieden und Freiheit. Dass sie als Sängerin nach Kriegsende einen Prozess der Aussöhnung eingeleitet habe, präge bis heute das Griechenlandbild der Deutschen.

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Bolsonaro knapp vor Lula - Stichwahl Ende Oktober

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro knapp vor dem linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva gelegen. Der 45-Jährige kam am Sonntag nach Angaben des Wahlgerichts nach Auszählung der Stimmen von rund 99 Prozent der Wahlbüros auf rund 47 Prozent. Er lag damit knapp vor dem 80-jährigen Lula, der knapp 45 Prozent erreichte. Beide Kandidaten treten nun am 25. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an, da keiner von ihnen mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erzielte.

Präsidentenwahl in Brasilien: Bolsonaro liegt laut ersten Teilergebnissen vor Lula

Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien ist der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro laut ersten Teilergebnissen vorerst an dem linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva vorbeigezogen. Nach der Auszählung von etwa 65 Prozent der elektronischen Wahlurnen des Landes lag Bolsonaro bei 49,8 Prozent der Stimmen, Lula lag demnach bei 42,2 Prozent der Stimmen. Die übrigen Kandidaten lagen jeweils im einstelligen Bereich.

Textgröße ändern: