Pallade Veneta - Ex-Bundespräsident Köhler mit 81 Jahren gestorben

Ex-Bundespräsident Köhler mit 81 Jahren gestorben


Ex-Bundespräsident Köhler mit 81 Jahren gestorben
Ex-Bundespräsident Köhler mit 81 Jahren gestorben / Foto: Fabrice COFFRINI - AFP/Archiv

Der frühere Bundespräsident Horst Köhler ist tot. Köhler starb am Samstagmorgen nach kurzer schwerer Krankheit mit 81 Jahren im Kreise seiner Familie in Berlin, wie das Bundespräsidialamt mitteilte. Köhler war von Juli 2004 bis zu seinem unerwarteten Rücktritt im Mai 2010 der neunte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Der aktuelle Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte ihn als "Glücksfall für unser Land".

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"Mit Horst Köhler verlieren wir einen sehr geschätzten und überaus beliebten Menschen, der Großes geleistet hat - für unser Land und in der Welt", schrieb Steinmeier in einem Kondolenzschreiben an Köhlers Witwe Eva Luise Köhler. Steinmeier hob Köhlers "Zugewandtheit, sein ansteckendes Lachen und seinen Optimismus" hervor. "Es waren aber auch seine oft klaren und längst nicht immer bequemen Mahnungen und Ansprachen, die ihm Anerkennung brachten."

Altbundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte: "Er war im besten Sinne des Wortes ein eigensinniger Mensch." Sie habe Köhler "als Mann mit Ecken und Kanten geschätzt". Köhlers Wahl ins Amt des Bundespräsidenten war 2004 auf einen Vorschlag der damaligen Oppositionsführerin und späteren Bundeskanzlerin Merkel zurückgegangen.

Köhler war der erste Bundespräsident, der kein Berufspolitiker war. Vor seinem Wechsel ins Schloss Bellevue leitete der Ökonom den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, zuvor stand er an der Spitze der Europäischen Entwicklungsbank in London.

"Als Horst Köhler 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde, war er einer größeren Öffentlichkeit nahezu unbekannt", schrieb Steinmeier am Samstag - und fügte hinzu: "Wie schnell hat er dann so viel Anerkennung und Sympathie erworben!"

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) würdigte Köhler als "einen engagierten Politiker, der sich Zeit seines Lebens für eine gerechtere Welt eingesetzt hat". CDU-Chef Friedrich Merz schrieb, Köhler habe "diesem Land mit Anstand, Klarheit und großer Leidenschaft gedient".

Auch Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) wies auf Köhlers Verdienste hin: "Sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit und internationale Verantwortung auch über sein Amt hinaus - insbesondere für Afrika und eine gerechte Weltwirtschaft - bleibt ein Vermächtnis."

FDP-Chef Christian Lindner würdigte den Verstorbenen als "feinsinnigen Diener unseres Staates". Köhler sei für freien Welthandel und sichere Handelswege eingetreten. "Damals wurde er dafür diffamiert. Heute erkennen wir seine Weitsicht", schrieb Lindner.

Köhler war 2009 mit großer Mehrheit von der Bundesversammlung für eine zweite Amtszeit gewählt worden. Im Mai 2010 trat er dann - für viele überraschend - mit sofortiger Wirkung zurück. Er begründete diesen Rücktritt damals mit Kritik an seinen umstrittenen Äußerungen zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan.

Köhler war in einem Interview so verstanden worden, dass er Auslandseinsätze der Bundeswehr auch zur Sicherung freier Handelswege befürworte. Dies trug ihm öffentliche Kritik ein. Sein Rücktritt war ein Schritt, der Bestürzung, Bedauern und auch Unverständnis hervorrief.

In seinen Reden beschwor der Ökonom Köhler immer wieder den Glauben an die Stärke des Landes und an die Energie und die Kreativität seiner Menschen. In seiner Antrittsrede warb er für ein Verständnis von Deutschland als "Land der Ideen", das einig und selbstbewusst die eigene Zukunft gestalten und in der Welt als Kraft zum Guten wirken möge.

Außenpolitisch profilierte sich Köhler vor allem mit seinem Engagement für Afrika - einen Kontinent, den er oftmals besuchte. Auf Köhlers großen Einsatz für Afrika wiesen am Samstag auch die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sowie der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hin.

Zu Köhlers außenpolitischen Anliegen zählten zudem das Eintreten für eine faire Globalisierung und seine Warnung vor einem Finanzkapitalismus, der an keine Regeln gebunden ist.

Zu den vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben, die Köhler nach seinem Rücktritt wahrnahm, gehörten seine Tätigkeit als Mitglied des hochrangigen Ausschusses des UN-Generalsekretärs für die Post-2015-Agenda (2012 und 2013), sein Engagement als persönlicher Gesandter des UN-Generalsekretärs für die Westsahara (2017 bis 2019) oder sein Einsatz als Schirmherr für den Bürgerrat Klima (2021).

A.Rispoli--PV

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