Pallade Veneta - "Terror": Geflohene belarussische Aktivistin berichtet von Folter in Haft

"Terror": Geflohene belarussische Aktivistin berichtet von Folter in Haft


"Terror": Geflohene belarussische Aktivistin berichtet von Folter in Haft
"Terror": Geflohene belarussische Aktivistin berichtet von Folter in Haft / Foto: Natalia KOLESNIKOVA - AFP/Archiv

Eine nach Litauen geflohene belarussische Aktivistin ist eigenen Angaben zufolge während der Inhaftierung in ihrer Heimat gefoltert worden. Sie habe "ständigen psychischen Terror" erlebt, sagte die Aktivistin Palina Scharenda-Panasjuk am Montag vor Journalisten in Vilnius. Die 49-Jährige verbrachte wegen ihrer Teilnahme an den Massenprotesten gegen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko im Jahr 2020 vier Jahre und einen Monat in Haft, wie sie berichtete. Später gelang es ihr, nach Litauen zu fliehen, wo ihr Mann und ihre zwei Söhne seit ihrer Inhaftierung lebten.

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Für mehr als 270 Tage ihrer Zeit in Haft sei sie in eine Isolations- oder in eine spezielle Strafzelle eingesperrt worden, schilderte Scharenda-Panasjuk. Die Strafzelle sei ein "nackter Raum" gewesen, mit ständig geschlossenen Fenstern und Frauen, die auf "bloßen Pritschen" schliefen. "Die Toilette war offen. Das Licht ist 24 Stunden am Tag eingeschaltet. Es ist sehr kalt", sagte die Belarussin.

Zudem sei sie in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen worden. "Die Tradition der Strafpsychiatrie gibt es noch", sagte Scharenda-Panasjuk. Sie habe ihren Krankenbericht gesehen. "Darin stand: 'Sie sagt, sie sei eine politische Gefangene. Diagnose: paranoide Persönlichkeitsstörung'."

Die in den vergangenen sechs Monaten in Belarus begnadigten politischen Gefangenen werden ihren Angaben zufolge dazu gezwungen, mit dem belarussischen Geheimdienst KGB zusammenzuarbeiten. Die Gefangenen würden "gefoltert, gefoltert, gefoltert", bis sie dazu aufgefordert würden, um Gnade zu bitten, teilweise sogar vor einer Videokamera.

Die Methode ziele darauf ab, die Gefangenen "komplett" zu brechen und zu diskreditieren, so dass diese "nie wieder an Politik denken", führte Scharenda-Panasjuk aus. "Dann werden sie gezwungen, ein geheimes Dokument zur Zusammenarbeit" mit dem KGB zu unterzeichnen.

Sie habe direkt bei Lukaschenko um Gnade gebeten und die Dokumente ebenfalls unterschrieben, berichtete die Aktivistin. Dazu, wie es ihr gelang, aus Belarus zu fliehen, wollte sie sich nicht äußern. Die Aktivistin wurde dort von der Polizei beobachtet und hätte das Land eigentlich nicht verlassen dürfen.

Scharenda-Panasjuk war laut der Menschenrechtsorganisation Viasna eine von 3700 politischen Gefangenen, die in den vergangenen fünf Jahren in Belarus inhaftiert wurden.

Lukaschenko hatte sich Ende Januar in einer hoch umstrittenen Abstimmung ohne ernstzunehmende Gegenkandidaten für eine siebte Amtszeit als Präsident bestätigen lassen. Im Vorlauf waren über 200 Häftlinge begnadigt worden - ihnen sollte unter anderem die Chance gegeben werden, "ein gesetzestreues Mitglied der Gesellschaft zu werden", wie Lukaschenkos Büro mitgeteilt hatte.

In Belarus gibt es nach Einschätzungen von Menschenrechtsorganisationen derzeit mehr als 1200 politische Gefangene. Viele von ihnen waren während der Massenproteste gegen die vorherige ebenfalls umstrittene Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 festgenommen worden.

Der seit 1994 autoritär regierende Lukaschenko hat seine Macht mit jeder Amtszeit weiter ausgebaut, Wahlen ließ er Beobachtern und Menschenrechtsorganisationen zufolge fälschen.

A.Saggese--PV

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