Pallade Veneta - Griechische Opposition will Regierung nach Zugunglück Misstrauen aussprechen

Griechische Opposition will Regierung nach Zugunglück Misstrauen aussprechen


Griechische Opposition will Regierung nach Zugunglück Misstrauen aussprechen
Griechische Opposition will Regierung nach Zugunglück Misstrauen aussprechen / Foto: Angelos TZORTZINIS - AFP

Zwei Jahre nach dem schwersten Zugunglück in der Geschichte Griechenlands hat die Opposition ein Misstrauensvotum gegen die konservative Regierung angekündigt. Die Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis habe versucht, nach dem Unglück ihre "Verantwortung zu vertuschen", erklärte die sozialistische Pasok-Partei am Mittwoch. Die Bevölkerung habe kein Vertrauen mehr zur regierenden Partei Nea Dimokratia und der "arroganten und korrupten Regierung", sagte Pasok-Chef Nikos Androulakis.

Textgröße ändern:

Bei dem Zugunglück Ende Februar 2023 war ein Passagierzug auf dem Weg von Athen nach Thessaloniki frontal mit einem Güterzug zusammengeprallt. 57 Menschen starben, darunter viele Studierende. Der Unfall wurde in einem Untersuchungsbericht auf menschliches Versagen und schwerwiegende strukturelle Mängel bei der griechischen Bahn zurückgeführt.

Laut einem von Opferfamilien finanzierten Expertenbericht hatte der Güterzug aber auch illegale Fracht geladen - darunter explosive chemische Substanzen, die bei der Kollision in Brand gerieten. Zwei Jahre nach dem Unglück zieht sich die juristische Aufarbeitung weiter hin, ein Prozess gegen einen Bahnhofsvorsteher und weitere Beschuldigte soll frühestens Ende des Jahres beginnen.

Opposition und Hinterbliebene von Opfern werfen der Regierung vor, nach dem Unglück Spuren vernichtet zu haben, um eine behördliche Mitverantwortung zu vertuschen. So sei die Unfallstelle vorschnell geräumt und damit wichtige Beweismittel vernichtet worden. Am zweiten Jahrestag des Unglücks waren am Freitag landesweit mehr als 300.000 Menschen auf die Straße gegangen.

Am Dienstagabend beschloss das Parlament die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, der eine mögliche strafrechtliche Verantwortung eines Vertrauten von Mitsotakis prüfen soll. Die Opposition wirft dem Abgeordneten Christos Triantopoulos von der konservativen Regierungspartei unter anderem vor, schon wenige Tage nach dem Zugunglück die Räumung der Unglücksstelle angeordnet zu haben, wobei wichtige Beweise für die Untersuchung der Unglücksursache vernichtet wurden.

Triantopoulos streitet jede Beteiligung an der Entscheidung ab und wirft der Opposition vor, mit den Anschuldigungen nur der Regierung schaden zu wollen. Der Mitsotakis-Vertraute war zuletzt Staatssekretär im Ministerium für Zivilschutz, reichte am Dienstag aber seinen Rücktritt ein.

Ministerpräsident Mitsotakis zeigte sich am Mittwoch im Angesicht des drohenden Misstrauensvotums kämpferisch. Der Opposition warf er vor, "albtraumartige Lügen" zu verbreiten. Seine Aufgabe sei es, das Land im gegenwärtigen "Klima der Unsicherheit stabil und sicher zu halten".

Die linke Syriza-Partei kündigte ihre Unterstützung für den Misstrauensantrag an. "Der Rechtsstaat funktioniert nicht in Griechenland", sagte Parteichef Sokratis Famellos am Mittwoch in der Parlamentsdebatte zu den Ursachen des Zugunglücks. Die Regierungspartei stellt 156 Abgeordnete im 300 Sitze zählenden Parlament und dürfte die Abstimmung damit überstehen.

C.Grillo--PV

Empfohlen

Bilanz mit pessimistischen Untertönen: Steinmeier warnt vor Gefahr für Demokratie

Besorgte Mahnungen zum Ende einer langen Amtszeit: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat wenige Monate vor seinem Ausscheiden aus dem Amt vor einer ernsthaften Gefährdung für Demokratie und Zusammenhalt in Deutschland gewarnt. In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit beklagte Steinmeier am Samstag in Bremen eine "unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte", die an den Grundfesten des Staates rüttle. Er rief die Bundesregierung auf, trotz allen Widerstands ihren Reformkurs fortzusetzen.

Lettland wählt neues Parlament unter dem Eindruck russischer Bedrohung

In Lettland haben die Bürger am Samstag unter dem Eindruck der russischen Bedrohung und wachsender wirtschaftlicher Sorgen ein neues Parlament gewählt. Sicherheit und Verteidigung prägten den Wahlkampf in dem baltischen Staat ebenso wie steigende Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und Probleme im Gesundheitssystem. Die ersten Teilergebnisse wurden für Samstagabend erwartet, das vorläufige amtliche Ergebnis für Sonntag.

Grünen-Fraktionschefinnen erklären bisherige Strategie gegen AfD für gescheitert

Die Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion haben die bisherige Strategie ihrer Partei gegen die AfD für gescheitert erklärt und eine Kurskorrektur gefordert. "Alle bisherigen Versuche, der AfD etwas entgegenzusetzen, haben nicht gereicht", schrieben die Fraktionschefinnen Katharina Dröge und Britta Haßelmann in einem "Impulspapier", aus dem der "Spiegel" am Samstag zitierte. Für das Erstarken der in Teilen rechtsextremen AfD trügen alle demokratischen Parteien, auch die Grünen, Verantwortung.

Bilanz mit pessimistischen Tönen: Steinmeier äußert sich zum Ende seiner Amtszeit

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wünscht sich eine Persönlichkeit mit Integrationskraft für seine Nachfolge im höchsten Staatsamt. "In diesen Wochen sondieren die politischen Parteien und im Januar entscheidet die Bundesversammlung, wer das Amt des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik übernimmt", sagte Steinmeier am Samstag in seiner Rede beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen. Er betonte: "Es ist kein Amt, das auf die leichte Schulter zu nehmen ist."

Textgröße ändern: