Pallade Veneta - Pariser Gericht: Rechtspopulistin Le Pen darf nicht bei Präsidentenwahl antreten

Pariser Gericht: Rechtspopulistin Le Pen darf nicht bei Präsidentenwahl antreten


Pariser Gericht: Rechtspopulistin Le Pen darf nicht bei Präsidentenwahl antreten
Pariser Gericht: Rechtspopulistin Le Pen darf nicht bei Präsidentenwahl antreten / Foto: Alain JOCARD - AFP

Politisches Beben in Frankreich: Die Rechtspopulistin Marine Le Pen darf nicht bei der Präsidentschaftswahl in zwei Jahren antreten, bei der sie bislang als Favoritin galt. Ein Gericht in Paris verurteilte die 56-Jährige am Montag wegen Veruntreuung von EU-Geldern zum Entzug des passiven Wahlrechts für fünf Jahre. Le Pens Anwalt kündigte Berufung an, rechtspopulistische Politiker aus anderen EU-Staaten kritisierten das Urteil scharf.

Textgröße ändern:

Das Gericht verurteilte Le Pen außerdem zu vier Jahren Haft und 100.000 Euro Geldstrafe. Zwei Jahre der Haftstrafe wurden zur Bewährung ausgesetzt, die übrigen zwei Jahre soll Le Pen durch das Tragen einer elektronischen Fußfessel ableisten. Ins Gefängnis muss sie damit nicht.

Das Kandidaturverbot gegen Le Pen gilt ab sofort. Die Vorsitzende Richterin Bénédicte de Perthuis begründete dies mit der "Schwere der Taten", der Gefahr einer Wiederholungstat sowie der Höhe der veruntreuten Summe. Zudem würde es eine "erhebliche Störung der öffentlichen Ordnung" darstellen, "wenn eine in erster Instanz verurteilte Person für die Präsidentschaftswahl kandidiert", sagte die Richterin. Dem Vertrauen der Öffentlichkeit und den "demokratischen Spielregeln" sei durch Le Pens Taten Schaden zugefügt worden.

Neben Le Pen wurden 23 weitere Angeklagte, unter ihnen frühere EU-Abgeordnete und EU-Parlamentsassistenten, sowie die Partei als Ganze wegen der Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die mit EU-Geldern bezahlten EU-Parlamentsassistenten in Wirklichkeit für Aufgaben der Partei eingesetzt wurden.

RN-Parteichef Jordan Bardella bezeichnete das Urteil als "ungerecht". "Die französische Demokratie wird hingerichtet", schrieb er im Onlinedienst X. Bardella rief die Franzosen zu "friedlichen Protesten" auf und kündigte eine Petition zugunsten von Le Pen an. Der 29-Jährige gilt als voraussichtlicher Ersatzkandidat für Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2027.

Eine der ersten ausländischen Reaktionen auf das Urteil kam aus Moskau: Kremlsprecher Dmitri Peskow prangerte eine "Verletzung demokratischer Normen" an. Der rechtsnationale ungarische Regierungschef Viktor Orban solidarisierte sich auf X mit den Worten "Ich bin Marine". Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini bezeichnete das Urteil als "Kriegserklärung Brüssels".

US-Präsidentenberater Elon Musk kritisierte das Urteil erwartungsgemäß scharf. "Wenn die radikale Linke nicht mittels einer demokratischen Wahl gewinnen kann, missbraucht sie das Rechtssystem, um ihre Gegner ins Gefängnis zu stecken", schrieb er in offensichtlicher Unkenntnis der politischen Landschaft Frankreichs. Dies werde sich jedoch rächen, "wie die juristischen Attacken auf Präsident Trump".

Der französische Richterverband zeigte sich besorgt angesichts der heftigen Reaktionen. Diese bedrohten die Unabhängigkeit der Justiz, warnte der Verband. Bedrohungen gegen mit dem Fall betraute Richter seien inakzeptabel.

Nach Überzeugung des Gerichts machte sich Le Pen schuldig, indem sie in ihrer Zeit als EU-Abgeordnete vier angebliche EU-Parlamentsassistenten für andere Aufgaben einsetzte, etwa als Personenschützer und persönliche Assistentin. Die Angeklagten hätten zwischen 2004 und 2016 "fiktive Verträge" unterzeichnet, sagte die Richterin. Sämtliche EU-Parlamentsassistenten hätten in Wahrheit für die rechtspopulistische Partei gearbeitet. "Damit das klar ist: Niemand wird hier verurteilt, weil er Politik gemacht hat, darum geht es nicht", betonte die Richterin.

Le Pen hatte der Staatsanwaltschaft während des Verfahrens vorgeworfen, ihr allein aus politischen Gründen den Prozess machen, um ihre Präsidentschaftskandidatur zu verhindern.

In Umfragen zur Präsidentschaftswahl lag Le Pen bisher klar vorn. Die Rechtspopulistin will französisches Recht über EU-Recht stellen und die Einwanderungspolitik massiv verschärfen.

Le Pen bleiben nach aktuellem Stand nur geringe Chancen, 2027 anzutreten - etwa eine abgemilderte Strafe in einem Berufungsverfahren, die in einem Kassationsverfahren aufgehoben würde. Mit einem Urteil in einem möglichen Berufungsverfahren wäre jedoch erst wenige Monate vor der Wahl zu rechnen.

F.Abruzzese--PV

Empfohlen

Mindestens neun Tote in der Ukraine bei russischen Angriffen

Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind nach Behördenangaben am Donnerstag mindestens neun Menschen getötet worden. Vier weitere Menschen wurden ebenfalls tot in den Trümmern eines Wohnhauses vermutet, sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte der Nachrichtenagentur AFP. Unter den insgesamt wohl 13 Toten sind den Angaben zufolge sieben Kinder. Im benachbarten Polen schlug offenbar ein russsicher Marschflugkörper ein und hinterließ einen Krater. Die Ukraine griff derweil zwei Logistikzentren des russischen Onlineriesen Wildberries mit Drohnen an.

UN-Sicherheitsrat: Auswahlprozess zu Guterres-Nachfolge hat begonnen

Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat der mehrstufige Auswahlprozess für den freiwerdenden Posten des UN-Generalsekretärs begonnen. Die insgesamt 15 Sicherheitsrats-Mitglieder hielten am Donnerstag eine erste Probeabstimmung hinter verschlossenen Türen ab, wie Diplomaten mitteilten.

Bericht: Musk plant neue Finanzspritze für Trumps Republikaner vor Kongresswahlen

Der Hightech-Milliardär und reichste Mann der Welt, Elon Musk, will sich laut einem Medienbericht erneut finanziell für die Republikaner von Präsident Donald Trump stark machen. Die Plattform "Axios" berichtete, er habe vor den Kongresswahlen in gut drei Monaten seine Organisation America PAC wiederbelebt. Darüber hatte er im Präsidentschaftswahlkampf 2024 mehr als 260 Millionen Dollar (fast 230 Millionen Euro) in Wahlwerbung für Trump investiert.

Explosion und großer Krater in Polen: Offenbar russischer Flugkörper eingeschlagen

Während der russischen Angriffe auf die Ukraine ist ein Geschoss am Donnerstag offenbar im Nachbarland Polen eingeschlagen. Die polnischen Behörden entdeckten in einem unbewohnten Gebiet im Osten des Landes einen zehn Meter großen Krater, Anwohner hörten nach Polizeiangaben eine laute Explosion. Polens Regierungschef Donald Tusk zufolge handelte es sich wahrscheinlich um einen russischen Marschflugkörper. Die Nato ließ als Reaktion Kampfjets aufsteigen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warf Russland "Rücksichtslosigkeit" vor.

Textgröße ändern: