Pallade Veneta - Union und SPD steuern auf Koalitionseinigung zu - CDU debattiert über Basisvotum

Union und SPD steuern auf Koalitionseinigung zu - CDU debattiert über Basisvotum


Union und SPD steuern auf Koalitionseinigung zu - CDU debattiert über Basisvotum
Union und SPD steuern auf Koalitionseinigung zu - CDU debattiert über Basisvotum / Foto: Odd ANDERSEN - AFP

Unter dem Eindruck des Zollkonflikts mit den USA und des Umfragehochs für die AfD haben Union und SPD ihre Verhandlungen über die letzten offenen Punkte im Koalitionsvertrag fortgesetzt. Teilnehmende berichteten am Dienstag von weiteren Fortschritten und stellten einen baldigen Abschluss in Aussicht. In der CDU wurden derweil Befürchtungen lauter, der Vertrag könne zu sehr von SPD-Positionen dominiert sein: Die Bundestagsabgeordnete Inge Gräßle forderte deshalb eine Mitgliederbefragung.

Textgröße ändern:

Eine solche Basisbefragung würde die CDU "innerparteilich befrieden", sagte Gräßle dem "Tagesspiegel". Die baden-württembergische Abgeordnete verwies darauf, dass die SPD den Koalitionsvertrag den Mitgliedern zur Abstimmung vorlegen werde - und dass die SPD das Mitspracherecht ihrer Basis in den Verhandlungen in einer "Druckstrategie" nutze, um der Union Zugeständnisse abzuverlangen. "Es ist an der Zeit, demokratische Prozesse zu leben, statt präsidiales Vorgehen zu pflegen", sagte Gräßle.

In der Parteisatzung der CDU ist eine Mitgliederbefragung über einen Koalitionsvertrag allerdings nicht vorgesehen. Darauf wies am Dienstag auch Unions-Parlamentsgeschäftsführer Thorsten Frei (CDU) hin, der die Forderung nach einem Basisvotum zurückwies. Über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen werde bei der CDU der Bundesausschuss, ein kleiner Parteitag, entscheiden, sagte Frei.

In den vorangegangenen Tagen hatten einzelne CDU-Vertreter davor gewarnt, durch Zugeständnisse an die SPD die im Wahlkampf versprochene "Politikwende" zu verhindern. Entsprechend hatte sich etwa der Chef der Nachwuchsorganisation Junge Union, Johannes Winkel, geäußert.

Der Chef der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag, Christian Hartmann, kritisierte es am Dienstag als "nicht klug", dass in der CDU nur der Bundesausschuss über den Koalitionsvertrag abstimmen soll. "Ich finde es wichtiger denn je, dass ein Koalitionsvertrag der Union von einer breiten Basis debattiert und getragen wird", sagte Hartmann den Zeitungen der Mediengruppe Bayern vom Mittwoch. Er schlug Regionalkonferenzen vor, um den Koalitionsvertrag innerparteilich zu diskutieren.

Auch der brandenburgische CDU-Landeschef Jan Redmann forderte in jedem Fall eine starke Mitgliederbeteiligung. "Wenn der Koalitionsvertrag steht, muss die CDU-Basis dazu gehört werden", sagte er dem "Tagesspiegel". "Das können Diskussionsveranstaltungen sein. Ich bin auch für eine Mitgliederbefragung offen."

Die CDU hatte erst bei ihrem Bundesparteitag Anfang Februar kurz vor der Wahl eine Satzungsänderung vorgenommen, derzufolge über Koalitionsverträge nicht mehr ein Bundesparteitag, sondern der deutlich kleinere Bundesausschuss zu entscheiden hat. An ordentlichen Bundesparteitagen nehmen bei der CDU in der Regel um die 1000 Delegierten teil, der Bundesausschuss hat nur rund 160 Mitglieder.

In jüngsten Umfragen hat die Union an Zustimmung verloren, die AfD ist zum Teil mit ihr gleichgezogen. Auch die Zustimmungswerte für Merz persönlich gingen zurück. Politikprofessor Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel sagte dazu der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag: "Es gab noch nie einen Kanzler, der mit so wenig Vertrauen in seinem Amt begonnen hat."

Merz habe "keine guten Voraussetzungen, um ein starker Kanzler zu werden, weil er bislang kaum einen Vertrauensvorschuss erhält - im Gegenteil, das Misstrauen gegen ihn hat zugenommen", sagte Schroeder weiter.

Die Unterhändlerinnen und Unterhändler von CDU, SPD und CSU kamen am Vormittag in der Berliner CDU-Zentrale zur nächsten Runde der Koalitionsverhandlungen zusammen. Dabei verdichteten sich die Anzeichen für einen baldigen Abschluss der Verhandlungen.

"Wir kommen insgesamt gut voran, wir haben viele Stolpersteine schon aus dem Weg räumen können", sagte Unionsparlamentsgeschäftsführer Frei vor Beginn der Gesprächsrunde. Wann genau der Koalitionsvertrag fertig sei, hänge "von der Dynamik der letzten Stunden ab".

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zeigte sich zuversichtlich, "dass wir das auch in dieser Woche abschließen können". CDU-Vizechefin Karin Prien sagte, die Parteien benötigten "noch einen Moment" Zeit, um den Koalitionsertrag fertigzustellen.

Unionsfraktionsvize Jens Spahn (CDU) wies insbesondere auf großen Konsens bei Union und SPD bei der Belebung der Wirtschaft hin. Unter dem Eindruck, "was in der Weltwirtschaft passiert, was die USA machen, ist da große Einigkeit", sagte er im Deutschlandfunk. Er prophezeite: "Wir werden viele überraschen, wenn das Ergebnis bekannt ist."

H.Lagomarsino--PV

Empfohlen

Trump verhängt nach Niederlage vor Oberstem Gericht zehnprozentigen weltweiten Zoll

US-Präsident Donald Trump hat ein Dekret über einen neuen weltweiten Zoll in Höhe von zehn Prozent unterzeichnet. Der Zoll "für alle Länder" werde "fast sofort" in Kraft treten, erklärte Trump am Freitag (Ortszeit) auf seiner Onlineplattform Truth Social. Dem Weißen Haus zufolge soll der Zoll am Dienstag in Kraft treten und 150 Tage lang gelten. Ausnahmen würden etwa für bestimmte Sektoren gelten.

Nach Niederlage vor Supreme Court: Trump verhängt zehnprozentigen weltweiten Sonderzoll

In einer wutentbrannten Reaktion auf das Urteil des Obersten Gerichts gegen einen Großteil der von ihm verhängten Zölle hat US-Präsident Donald Trump einen neuen weltweiten Sonderzoll in Höhe von zehn Prozent angekündigt. Das entsprechende Dekret werde er noch am Freitag unterzeichnen, sagte Trump in Washington. Die Richter hatten mit einer Mehrheit von sechs zu drei geurteilt, das von Trump bemühte Notstandsgesetz ermächtige ihn nicht zur Verhängung von Zöllen. Hierfür sei der Kongress zuständig.

CDU-Parteitag bestätigt Linnemann mit gutem Ergebnis als Generalsekretär

Der CDU-Bundesparteitag hat Generalsekretär Carsten Linnemann mit einem guten Ergebnis im Amt bestätigt. Linnemann erhielt bei der Wahl am Freitag in Stuttgart 90,5 Prozent der Stimmen - und damit etwas weniger als bei seiner ersten Wahl vor zwei Jahren, als er noch 91,4 Prozent erzielte. Die CDU-Delegierten hatten zuvor Bundeskanzler Friedrich Merz mit 91,2 Prozent als Parteichef bestätigt.

Rückendeckung für den Kanzler: CDU-Parteitag bestätigt Merz klar als Vorsitzenden

Rückendeckung für den Kanzler: Die CDU hat ihren Vorsitzenden Friedrich Merz mit einem guten Ergebnis wiedergewählt. 91,2 Prozent der Delegierten votierten am Freitag beim Bundesparteitag in Stuttgart für die Bestätigung von Merz. Er hatte in seiner Parteitagsrede zuvor um Zuversicht in schwierigen Zeiten geworben, sich auch selbstkritisch gezeigt und die CDU-Mitglieder bei den angekündigten Reformen um Geduld gebeten.

Textgröße ändern: