Pallade Veneta - Elektroautobranche wehrt sich in Brüssel gegen Abkehr vom Verbrenner-Aus

Elektroautobranche wehrt sich in Brüssel gegen Abkehr vom Verbrenner-Aus


Elektroautobranche wehrt sich in Brüssel gegen Abkehr vom Verbrenner-Aus
Elektroautobranche wehrt sich in Brüssel gegen Abkehr vom Verbrenner-Aus / Foto: Ina FASSBENDER - AFP

Inmitten der Diskussion um eine mögliche Abkehr vom Verbrenner-Aus haben sich in Brüssel dutzende Unternehmen der E-Autobranche für eine Beibehaltung des bisherigen Kurses bei der Antriebswende eingesetzt. "Weichen Sie nicht zurück", heißt es in einem am Montag veröffentlichten offenen Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Blick auf das Null-Emissionsziel im Jahr 2035. Der deutsche Regierungssprecher Stefan Kornelius hob unterdessen den "technologieoffenen" Ansatz der schwarz-roten Koalition hervor.

Textgröße ändern:

Zu den 150 Unterzeichnern des offenen Briefes gehören unter anderem Autobauer wie Volvo und Polestar, aber auch in Europa ansässige Batteriehersteller wie Verkor, Samsung und LG Energy, sowie Betreiber von Ladestationen wie Fastned, Ionity oder Alpitronic und Energieversorger wie Iberdrola aus Spanien oder EDP aus Portugal. Sie fordern die EU-Kommission auf, "mutigere Maßnahmen zu ergreifen, um die industrielle Führungsposition Europas" im Bereich der Elektromobilität zu sichern.

Hintergrund ist, dass für das Jahr 2035 die sogenannten Flottengrenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen bei Autos auf Null sinken, was einem faktischen Aus für neue Pkw mit Verbrenner-Motoren gleichkommt. Damit will die EU im Bemühen um eine Begrenzung der Erderwärmung die Emissionen im Straßenverkehr drastisch senken, die derzeit 16 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes ausmachen.

Zuletzt waren diese Vorgaben aber von Teilen der Autoindustrie verstärkt angefochten worden, insbesondere da zahlreiche Hersteller mit schleppenden Verkaufszahlen bei ihren E-Autos sowie US-Zöllen und wachsender Konkurrenz aus China konfrontiert sind.

In Deutschland hatte am Wochenende CSU-Chef Markus Söder gefordert, das EU-weite Verbot neuer Pkw mit Verbrennungsmotoren ab 2035 zu kippen. "Der Verbrenner hat mit E-Fuels und neuen Technologien Zukunft", sagte er der "Bild am Sonntag". Das EU-Verbrennerverbot gefährde hunderttausende Arbeitsplätze. Das Auto sei "das Herz unserer Volkswirtschaft - ohne Auto droht ein Kollaps". Beim SPD-geführten Umweltressort stieß der Vorstoß Söders allerdings auf Widerspruch.

Die Unterzeichner des offenen Briefes hoben am Montag hervor, dass die Unternehmen der Elektroautobranche bereits Milliardeninvestitionen getätigt und mehr als 150.000 Arbeitsplätze geschaffen hätten. Eine Verzögerung des Null-Emissionsziel drohe das Vertrauen der Investoren zu untergraben - und den weltweiten Wettbewerbern "einen dauerhaften Vorteil" zu verschaffen.

Polestar-Chef Michael Lohscheller sagte den Sendern RTL und ntv, dass klar sei, dass die Zukunft der Mobilität emissionsfrei sei. "Und ich glaube, das jetzt zu verzögern oder noch zu verändern, ist falsch", fügte er hinzu und warnte vor Verunsicherung bei den Käuferinnen und Käufern. "Was jetzt passiert ist: Unsicherheit entsteht bei Kunden. Und das ist eigentlich das Schlechteste, was man erreichen kann, wenn man klare Ziele hat."

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, forderte die deutschen Autobauer auf, den eingeschlagenen Kurs hin zur Elektromobilität fortzusetzen. Zwar sei es mit Blick auf das Verbrenner-Aus nicht die Frage, ob dies "ein Jahr früher oder später" geschehe, sagte sie am Sonntag im "Bericht aus Berlin" Wenn der Trend allerdings verschlafen werde, gerate eine der größten Industrien in Deutschland massiv unter Druck.

Anlass für die Diskussion um das Verbrenner-Verbot ist auch die Internationale Automesse (IAA) in München. Sie wird offiziell am Dienstag von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eröffnet.

Die Bundesregierung verwies angesichts der aktuellen Debatte über das Verbrenner-Aus am Montag auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD, in dem einerseits die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte "grundsätzlich" begrüßt, andererseits aber auch "Technologieoffenheit" erwähnt wird. Die Innovationsfreudigkeit der deuten Automobilindustrie werde auf der IAA "gut sichtbar" sein, sagte Regierungssprecher Kornelius in Berlin. "Die Zukunft ist elektrisch", verwies ein Sprecher des Umweltministeriums jedoch auf Aussagen von Ressortchef Carsten Schneider (SPD).

A.Saggese--PV

Empfohlen

Bericht: Trump lehnt Irans Hormus-Vorschlag ab - erneute Huthi-Angriffe

Der Iran hat seinen Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus binnen sieben Tagen bekräftigt - US-Präsident Donald Trump hat ihn einem Bericht zufolge jedoch abgelehnt. Wie das "Wall Street Journal" am Freitag (Ortszeit) berichtete, bezweifelt Trump, dass Teheran die von Washington gestellten Bedingungen erfüllen wird. Zugleich meldete Saudi-Arabien neue Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz: Zwei auf die Hauptstadtregion Riad zufliegende Drohnen und eine ballistische Rakete seien abgefangen worden.

Lula verbietet Online-Wettplattformen neun Tage vor Präsidentenwahl

Neun Tage vor der Präsidentenwahl in Brasilien hat Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva Online-Wettplattformen verboten. Der linksgerichtete Lula erließ am Freitag eine entsprechende vorläufige Maßnahme, die sofort in Kraft trat, aber noch vom Parlament gebilligt werden muss. Ab dem 6. Oktober soll es nach Regierungsangaben in Brasilien weder legale Wett-Websites oder -Apps noch Sponsoring durch Sportwettenanbieter geben.

Papst Leo XIV. feiert am Samstag riesige Messe in Paris

Am zweiten Tag seines Frankreich-Besuchs will Papst Leo XIV. am Samstag eine riesige Messe auf der Place de la Concorde in Paris feiern (15.00 Uhr). Die erwarteten 600.000 Teilnehmer werden sich von dem Platz über die gesamte Länge des Prachtboulevards Champs-Elysées und über den Triumphbogen hinaus verteilen. Dort wo der Altar unter einem Zelt aufgebaut ist, nimmt üblicherweise der französische Präsident die Militärparade am Nationalfeiertag ab.

Wadephul hält Rede bei UN-Generaldebatte in New York

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hält am Samstag eine Rede bei der UN-Generaldebatte in New York. Wadephul tritt nach Angaben des Auswärtigen Amts in der ersten Tageshälfte vor die Delegierten in New York. Der Außenminister vertritt wie schon im Vorjahr Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Merz steht wegen des schlechten Abschneidens seiner Partei bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin innenpolitisch unter großem Druck und war deshalb nicht nach New York gereist.

Textgröße ändern: