Pallade Veneta - "Große Reformen wagen": Hausärzteverband für Stärkung von Primärarztprinzip

"Große Reformen wagen": Hausärzteverband für Stärkung von Primärarztprinzip


"Große Reformen wagen": Hausärzteverband für Stärkung von Primärarztprinzip
"Große Reformen wagen": Hausärzteverband für Stärkung von Primärarztprinzip / Foto: KAREN BLEIER - AFP/Archiv

Angesichts des demografischen Wandels haben die Hausärzte die Bundesregierung zu Reformen im Gesundheitssystem aufgefordert. Die konkreten Folgen der demografischen Veränderungen in der Bevölkerung seien "längst spürbar in unseren Praxen", erklärte der Kobundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, am Donnerstag in Berlin. "Wir müssen uns endlich an die großen Reformen wagen."

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"Je älter ein Mensch ist, desto mehr chronische Erkrankungen treten auf, desto mehr Medikamente müssen aufeinander abgestimmt werden, desto mehr Arzttermine fallen an", betonte Beier zum Auftakt des Hausärztinnen- und Hausärztetag in Berlin.

Koverbandschefin Nicola Buhlinger-Göpfarth verwies auf die etablierte hausarztzentrierte Versorgung. "Das Rad muss nicht neu erfunden werden", erklärte sie. Gerade ältere, chronisch kranke Menschen könnten von diesem Versorgungsmodell besonders profitieren. Es gebe es dadurch erwiesenermaßen weniger medizinische Komplikationen, mehr Impfungen und weniger Krankenhauseinweisungen. "Hier gilt es, durch eine gezielte Stärkung anzusetzen", forderte die Verbandsvorsitzende.

In ihrem Koalitionsvertrag sprechen sich CDU, CSU und SPD für ein "verbindliches" System aus, bei dem Patientinnen und Patienten zunächst in eine Haus- oder Kinderarztpraxis gehen, wo ihnen bei Bedarf ein Facharzttermin in einem bestimmten Zeitkorridor vermittelt wird. Gelingt dies nicht, sollen Patienten einen Facharzt in einem Krankenhaus ambulant konsultieren können.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) dämpfte die Erwartungen. Ein solches System könne nicht von heute auf morgen eingeführt werden. "Wir müssen erst schauen, dass die Strukturen da sind, weil der Hausarzt soll ja auch nicht zum Flaschenhals werden - die Leute sollen nicht abgehalten werden, zum Arzt zu gehen", sagte sie im ZDF-"Morgenmagazin". Es gebe "zu wenig Steuerung im System", das solle unter anderem durch das Primärarztsystem geändert werden. Nötig sei auch "mehr Eigenverantwortung" der Patienten.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte vor wenigen Tagen erklärt, dass die Deutschen nach seiner Meinung zu oft zum Arzt gingen. Mit im Schnitt zehn Arztbesuchen pro Kopf und Jahr erreiche Deutschland einen "einsamen europäischen Rekord".

Der CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck sorgte unlängst mit seiner Forderung nach einer Selbstbeteiligung für Patienten bei Arztbesuchen für Kritik. Auch Streek verwies auf die hohe Zahl von Arztbesuchen, die das Gesundheitssystem belasteten, und regte "eine moderate, sozialverträgliche Selbstbeteiligung" an, um "Bagatellbesuche zu reduzieren". Kritik daran kam unter anderem von SPD, Grünen, Linkspartei und Gewerkschaften.

"Jetzt eine verbindliche hausarztzentrierte Versorgung anzubieten, wäre ein unkalkulierbares Risiko für die Patienten in Deutschland", erklärte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Es fehle flächendeckend an Hausärzten, Apotheken mit medizinischen Angeboten und einer funktionierended Digitalisierung. "Deshalb müssen zunächst die Missstände behoben werden, bevor eine Erst-Hausarzt-Pflicht eingeführt werden kann", erklärte Brysch.

Der bis Freitag dauernde Hausärztinnen- und Hausärztetag in Berlin befasst sich mit aktuellen Themen der Gesundheitspolitik und auch mit den Folgen der Alterswelle für die Hausarztpraxen.

L.Guglielmino--PV

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