Pallade Veneta - Netanjahu in UN-Rede: Israel lässt sich keinen Palästinenserstaat "aufzwingen"

Netanjahu in UN-Rede: Israel lässt sich keinen Palästinenserstaat "aufzwingen"


Netanjahu in UN-Rede: Israel lässt sich keinen Palästinenserstaat "aufzwingen"
Netanjahu in UN-Rede: Israel lässt sich keinen Palästinenserstaat "aufzwingen" / Foto: ANGELA WEISS - AFP

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die zuletzt erfolgte Anerkennung eines Palästinenserstaats durch mehrere westliche Länder in einer Rede bei der UNO mit harschen Worten verurteilt. "Israel wird Euch nicht erlauben, uns einen terroristischen Staat aufzuzwingen", sagte der israelische Regierungschef am Freitag an die Adresse der westlichen Staatenlenker, die in den vergangenen Tagen einen Palästinenserstaat offiziell anerkannt hatten.

Textgröße ändern:

Die Gründung eines palästinensischen Staats lehnte Netanjahu in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York mit der Begründung ab, dass dies den "nationalen Suizid" Israels bedeuten würde. "Wir werden nicht nationalen Suizid begehen, weil Ihr nicht den Mut habt, den feindseligen Medien und antisemitischen Meuten entgegenzutreten, die Israels Blut fordern", sagte der israelische Regierungschef mit Blick auf die westlichen Staaten, die zuletzt einen Palästinenserstaat anerkannt hatten.

Netanjahu warf diesen Regierungen auch vor, mit diesem Schritt der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas "nachgegeben" zu haben, gegen die Israel seit mittlerweile fast zwei Jahren Krieg im Gazastreifen führt. "Ihr habt etwas schrecklich Falsches getan", sagte er. "Es wird ein Schandmal auf Euch allen sein."

Mit ihrer Anerkennung eines palästinensischen Staats hätten diese Regierungen "eine sehr klare Botschaft" ausgesandt, sagte Netanjahu: "Die Ermordung von Juden zahlt sich aus." Er bezog sich damit auf den Großangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023, der den Gaza-Krieg ausgelöst hatte.

Die Anerkennung eines eigenen Staates für die Palästinenser war in den vergangenen Tagen unter anderem von Frankreich, Großbritannien, Portugal, Kanada und Australien vollzogen worden. Damit wollen dies Länder die Bemühungen um die sogenannte Zweistaatenlösung neu beleben, welche die friedliche Existenz eines Palästinenserstaats an der Seite Israels vorsieht.

Deutschland wie auch die USA gehören jedoch nicht zu den laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP inzwischen mindestens 150 Staaten, die einen Palästinenserstaat anerkennen.

Der damalige Hamas-Überfall auf Israel sei von "fast 90 Prozent der palästinensischen Bevölkerung gefeiert worden", führte Netanjahu als Argument gegen einen Palästinenserstaat ins Feld. "Die Palästinenser wollen keinen Staat an der Seite Israel, sie wollen einen palästinensischen Staat anstelle Israels", sagte er.

Am Vortag hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sich hingegen in einer Videoansprache an die UN-Vollversammlung scharf von der Hamas und ihrem Angriff auf Israel distanziert. Er versicherte, dass der Überfall vom 7. Oktober 2023 "nicht das palästinensische Volk repräsentiert" und schloss die Beteiligung der Hamas an einer künftigen Palästinenserregierung strikt aus.

Zur Lage im Gaza-Krieg sagte Netanjahu in seiner Rede, die "Großteil der Terrormaschine der Hamas" sei inzwischen vernichtet worden. Er warnte jedoch, dass von der Hamas weiterhin eine Gefahr für Israel ausgehe. Deshalb müsse Israel "den Job" in seinem Kampf gegen die Hamas "so schnell wie möglich beenden".

Die israelische Armee hatte ihre Angriffe im Gazastreifen zuletzt nochmals ausgeweitet und führt eine massive Offensive aus der Luft und mit Bodentruppen gegen die Stadt Gaza im Norden des Palästinensergebiets aus. Die Stadt gilt als eine der letzten Hochburgen der Hamas in dem Gebiet.

Den Vorwurf eines von Israel verübten "Genozids" im Gazastreifen wies Netanjahu scharf zurück. Er betonte, dass Israel zivile Opfer möglichst zu vermeiden suche und vor seinen Militärangriffen die Bevölkerung der betroffenen Zonen zur Evakuierung aufrufe. Auch benutze Israel keineswegs das "Aushungern" der Bevölkerung als Kriegstaktik.

Vor Beginn der Rede Netanjahus hatten zahlreiche Delegierte verschiedener Staaten aus Protest gegen den israelischen Ministerpräsidenten den Saal der Vollversammlung verlassen. Andere Anwesende applaudierten Netanjahu, als er das Podium betrat.

L.Guglielmino--PV

Empfohlen

Machado: Venezolanischer Oppositioneller kurz nach Freilassung verschleppt

Kurze Zeit nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis ist der venezolanische Oppositionelle Juan Pablo Guanipa nach Angaben der venezolanischen Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado von "schwer bewaffneten Männern" verschleppt worden. Die Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, Guanipa sei wegen Verstoßes gegen die Auflagen seiner Freilassung festgenommen worden. Guanipa war ebenso wie zwei weitere Oppositionelle am Sonntag aus dem Gefängnis entlassen worden.

Anschlag auf russischen General: Tatverdächtiger hat laut Geheimdienst gestanden

Der im Zusammenhang mit dem Schusswaffenangriff auf einen russischen General festgenommene Verdächtige hat nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB die Tat gestanden. Der in den Vereinigten Arabischen Emiraten festgenommene und an Russland ausgelieferte Mann habe zudem ausgesagt, von den ukrainischen Geheimdiensten rekrutiert worden zu sein, teilte der FSB am Montag mit.

Grüne warnen vor ausländischer Einflussnahme auf Wahlen in Deutschland

Der Grünen-Geheimdienstexperte Konstantin von Notz hat vor möglicher Einflussnahme aus dem Ausland auf die anstehenden Wahlen in Deutschland gewarnt. "Wir haben diese Einflussnahme-Versuche in den letzten Monaten und Jahren oft gesehen, und das Bundesamt für Verfassungsschutz hat einen Teil dieser illegitimen Eingriffe in unsere Wahlkämpfe auch klar zuordnen können", sagte er dem "Handelsblatt" vom Montag. "Man muss davon ausgehen, dass es zukünftig eher intensivere als weniger solcher Attacken gibt."

Gemäßigter Sozialist Seguro gewinnt Präsidenten-Stichwahl in Portugal

Der gemäßigte Sozialist António José Seguro hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Portugal mit deutlichem Vorsprung vor dem Rechtspopulisten André Ventura gewonnen. Seguro kam nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmzettel am Sonntag auf 66,8 Prozent der Stimmen, Ventura auf 33,2 Prozent. Damit kann Seguro im März die Nachfolge des seit zehn Jahren amtierenden konservativen Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa antreten.

Textgröße ändern: