Pallade Veneta - Bundesregierung bleibt Völkermordsprozess in Namibia fern - Kritik der Linkspartei

Bundesregierung bleibt Völkermordsprozess in Namibia fern - Kritik der Linkspartei


Bundesregierung bleibt Völkermordsprozess in Namibia fern - Kritik der Linkspartei
Bundesregierung bleibt Völkermordsprozess in Namibia fern - Kritik der Linkspartei / Foto: Philip LITTLETON - AFP/Archiv

Die Bundesregierung ist einem Gerichtsprozess in Namibia ferngeblieben, in dem es um die Aufarbeitung des Völkermords an den Herero und Nama während der deutschen Kolonialzeit geht. Das geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amts auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Charlotte Neuhäuser hervor, die der Nachrichtenagentur AFP in Berlin vorlag. Neuhäuser kritisierte das Vorgehen der Bundesregierung.

Textgröße ändern:

In dem Prozess geht es um die zwischen der Bundesregierung und der Regierung Namibias vereinbarte Gemeinsame Erklärung aus dem Jahr 2021. Darin hatte die Bundesregierung anerkannt, dass man die Gräueltaten während der damaligen Kolonialkriege aus heutiger Sicht als Völkermord bezeichnen würde. Dies bedeutete eine historische, nicht jedoch eine völkerrechtliche Anerkennung des Genozids. Neben einer Entschuldigung wurde eine Wiederaufbauhilfe von 1,1 Milliarden Euro zugesagt, mit der alle finanziellen Fragen zu dem Sachverhalt abschließend geregelt werden sollten.

Diese Erklärung wurde damals von den Regierungen paraphiert, jedoch nie offiziell abgegeben, vor allem wegen Widerständen auf namibischer Seite. Aus Sicht der Bundesregierung handelt es sich ohnehin nicht um einen völkerrechtlichen Vertrag, sondern lediglich um eine politische Absichtserklärung. Vertreter der Volksgruppen der Herero und Nama kritisierten, nicht angemessen in die Verhandlungen einbezogen worden zu sein.

In dem aktuellen Verfahren, dem weitere Prozesse vorausgingen, geht es formal um die Frage, ob die namibische Regierung berechtigt war, der Erklärung ohne Einbeziehung des Parlaments zuzustimmen. Zu diesem Verfahren war die Bundesregierung für den Verhandlungstermin am 7. Oktober durch das Gericht zur Teilnahme aufgefordert worden. Ihre Nichtteilnahme begründete die Regierung auf die Linken-Anfrage hin damit, dass hoheitliches Handeln eines souveränen Staates nicht von einem anderen Staat oder dessen Gerichten überprüft werden könne.

"Die Bundesregierung versteckt sich hinter juristischen Schutzbehauptungen, statt ernsthafte Verantwortung für den ersten Völkermord im 20. Jahrhundert zu übernehmen", sagte Neuhäuser AFP. "Sie zeigt zum wiederholten Male, dass sie die Stimmen der Nachfahren der Betroffenen nicht ernst nimmt."

Bereits im Rahmen der zwischenstaatlichen Verhandlungen über das beklagte Versöhnungsabkommen von namibischer Regierung und deutscher Regierung seien die selbstgewählten Vertreter der Betroffenen ausgeschlossen worden, erklärte die Linken-Politikerin weiter. "Das Fortbleiben vor dem namibischen Gerichtshof unterstreicht, dass sie die Opfer weiter ausgrenzt und deren Stimmen nicht hören will." Neuhäuser sprach von einem "rassistischen Muster deutscher Verantwortungslosigkeit" und forderte einen Neustart der Verhandlungen über eine Wiedergutmachung.

Namibia war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Aufstände der Herero und Nama schlugen die deutschen Kolonialtruppen brutal nieder. Später ordnete der damalige deutsche Gouverneur Lothar von Trotha die planmäßige Vernichtung der beiden Volksgruppen an - zehntausende Menschen starben. Auch die namibische Regierung hat von Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reichs deswegen wiederholt Reparationsleistungen gefordert, unter anderem im Rahmen eines nationalen Gedenktages im Mai dieses Jahres.

A.Saggese--PV

Empfohlen

"Fiasko für Merz": Grüne sehen Kanzler nach Prämien-Stopp geschwächt

Die Grünen sehen die Stellung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach dem Stopp der geplanten 1000-Euro-Entlastungsprämie im Bundesrat geschwächt. "Wenn die eigenen CDU-Ministerpräsidenten die Krisenpolitik des Kanzlers stoppen, dann ist das ein Fiasko für Friedrich Merz persönlich", sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge am Freitag in Berlin. "Diese Koalition muss zurück in die Montagehalle. Da fällt gerade alles auseinander, was auseinanderfallen kann."

Kommunalwahl in England: Labour-Partei von Premier Starmer erleidet schwere Verluste

Massiver Druck auf den britischen Premierminister Keir Starmer: Seine regierende Labour-Partei hat bei der als Stimmungstest geltenden Kommunalwahl in England ersten Ergebnissen zufolge schwere Verluste erlitten. Die Rechtsaußen-Partei Reform UK von Nigel Farage konnte hingegen deutliche Gewinne verbuchen. Die Ergebnisse dürften die Rücktrittsforderungen gegen Starmer befeuern, der aber als Regierungschef weitermachen will.

Reform privater Altersvorsorge nimmt letzte parlamentarische Hürde

Die Reform der privaten Altersvorsorge hat die letzte parlamentarische Hürde genommen. Der Bundesrat stimmte der Neuregelung am Freitag mehrheitlich zu. Vorgesehen ist, die Riester-Rente 2027 durch ein neues, staatlich gefördertes Vorsorgemodell abzulösen.

US-Handelsgericht erklärt Trumps globalen Zoll von zehn Prozent für rechtswidrig

Erneuter Rückschlag für US-Präsident Donald Trump und seine Zollpolitik: Ein US-Handelsgericht hat die temporären weltweiten Zölle in Höhe von zehn Prozent für rechtswidrig erklärt. Trump könne sich dafür nicht wie geschehen auf ein Handelsgesetz von 1974 berufen, hieß es zur Begründung. Der globale Zoll war eingeführt worden, nachdem der Supreme Court im Februar den Großteil seiner Sonderzölle für unzulässig erklärt hatte.

Textgröße ändern: