Pallade Veneta - Bundestagsdebatte über Wehrdienst: Pistorius pocht auf umfassende Musterung

Bundestagsdebatte über Wehrdienst: Pistorius pocht auf umfassende Musterung


Bundestagsdebatte über Wehrdienst: Pistorius pocht auf umfassende Musterung
Bundestagsdebatte über Wehrdienst: Pistorius pocht auf umfassende Musterung / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Im Streit um die Wehrdienst-Pläne der Koalition hat sich Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gesprächsbereit gezeigt. Über mögliche Änderungen könne im parlamentarischen Verfahren diskutiert werden, sagte Pistorius bei der ersten Lesung seines Gesetzesentwurfs im Bundestag. Er bekräftigte aber, dass er ab 2027 die Musterung ganzer Jahrgänge für nötig hält: "Wir müssen wissen, wer unser Land im Spannungs- und Verteidigungsfall mit welchen Qualifikationen verteidigen kann."

Textgröße ändern:

Am Dienstag war ein in der Koalition unter anderem von den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Norbert Röttgen (CDU) und Siemtje Möller (SPD) ausgehandelter Kompromissvorschlag zu Änderungen an dem Gesetzentwurf in letzter Minute gestoppt worden. Pistorius hatte in der SPD-Fraktion dazu "erhebliche Bedenken" geäußert. Dem Minister zufolge war ein Hauptgrund für seinen Widerstand die fehlende flächendeckende Musterung, die nach seinen Plänen ab Mitte 2027 kommen soll.

Die Diskussion der vergangenen Tage habe gezeigt, dass es unterschiedliche Vorstellungen bei der Wehrdienstfrage gebe, sagte Pistorius nun im Bundestag. Er sei "offen dafür", darüber im parlamentarischen Verfahren zu sprechen. Der SPD-Minister begrüßte ausdrücklich die Diskussion der vergangenen Tage: "Alles weniger als eine leidenschaftliche, offene, auch hitzige Debatte über eine solche Frage wäre für mich eine Enttäuschung gewesen", sagte er.

Röttgen verwies im Bundestag darauf, dass die Bundeswehr aufgrund der sicherheitspolitischen Herausforderungen vor allem wegen der Politik Russlands und gemäß deutscher Zusagen an die Nato 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservistinnen und Reservisten benötige. "Wir wissen, dass wir davon weit entfernt sind", sagte er. Daher sei es wichtig, im Wehrdienst-Gesetz "klar, transparent, kontrollierbar" den notwendigen Aufwuchs der Bundeswehr zu verankern.

Der CDU-Politiker verteidigte auch das in dem Koalitions-Kompromiss vorgesehene Losverfahren zur Auswahl junger Männer, die sich einer Musterung unterziehen und wenn nötig Wehrdienst leisten müssen. Dies sei ein Gebot der Wehrgerechtigkeit, sagte Röttgen. Die Lösung sei "das Zufallsverfahren", denn "es trifft jeden das gleiche Risiko".

Möller, die für die SPD im Bundestag sprach, pochte auf "einen attraktiven, auf Freiwilligkeit basierenden Wehrdienst". Ungeachtet der Differenzen der vergangenen Tage lobte sie die Zusammenarbeit nicht nur mit Röttgen, sondern auch mit Pistorius. "Gemeinsam werden wir im Gesetzgebungsverfahren die offenen Fragen klären und ein gutes Gesetz erarbeiten", sagte auch sie.

Beißende Kritik kam von der Opposition. Von einem "Improtheater unserer Regierung" sprach der Grünen-Verteidigungspolitiker Niklas Wagener. Die Linken-Abgeordnete Desiree Becker schlug ironisch mit Blick auf das Losverfahren eine "Ziehung der Bundeswehrzahlen sonntags vor dem Tatort - mit Gewehr" vor und riet jungen Menschen, Informationen über Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung einzuholen. Rüdiger Lucassen (AfD) nannte ein Losverfahren den "Gipfel der Ungerechtigkeit".

Die Bundeswehr benötigt bis spätestens 2035 nach Nato-Vorgaben rund 80.000 zusätzliche Soldaten und deutlich mehr aktive Reservisten. Pistorius will dafür ab dem kommenden Jahr einen neuen freiwilligen Wehrdienst schaffen. Im ersten Jahr ist die Teilnahme an der Musterung noch freiwillig, ab Juli 2027 würde sie für alle 18-Jährigen verpflichtend. Der Gesetzentwurf sieht auch vor, zu einer Wehrpflicht umzuschwenken, wenn sich nicht genügend Freiwillige melden, nennt dafür aber keine konkreten Zielvorgaben.

Der Union reicht dies aber nicht aus. Sie fordert feste Rekrutierungsziele und einen Automatismus, um zur Wehrpflicht zurückzukehren, sollten diese Ziele nicht erreicht werden. Nach dem ausgehandelten Kompromissvorschlag solle zunächst ein Losverfahren bestimmen, wer zur verpflichtenden Musterung muss. Wenn nötig könnten gemäß dem Bedarf der Bundeswehr per weiterem Losverfahren ausgewählte Männer zum Wehrdienst verpflichtet werden.

F.Amato--PV

Empfohlen

US-Militär: Neue Angriffe auf den Iran gestartet

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben am Sonntag neue Angriffe auf den Iran gestartet. Ziel der von US-Präsident Donald Trump angeordneten Angriffe sei es, den Iran daran zu hindern, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu attackieren, erklärte das zuständige US-Regionalkommando Centcom im Onlinedienst X.

Kritik an Spaniens Ex-Regierungschef nach rassistischen Äußerungen über Fußballer

Mit rassistischen Äußerungen hat der frühere spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy vor dem WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich für Empörung gesorgt. Frankreich verfüge über einen "Kader von höchstem Niveau. Allerdings ohne Franzosen", schrieb der Ex-Regierungschef von der konservativen Volkspartei (PP) am Wochenende in einem Gastbeitrag für das Onlinemedium El Debate.

Knesset: Parlamentswahlen in Israel finden am 27. Oktober statt

Die Parlamentswahlen in Israel finden am 27. Oktober statt. Dies teilte die Knesset am Sonntag in Jerusalem mit. Das aktuelle Parlament tagt am Freitag zum letzten Mal und hat damit zum ersten Mal seit Jahrzehnten bis zum Ende der regulären Legislaturperiode durchgehalten. Die Abstimmung im Oktober gilt als Test für den amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Trump-Verbündeter und Russland-Kritiker Lindsey Graham mit 71 Jahren gestorben

Der US-Senator Lindsey Graham, einflussreicher Verbündeter von US-Präsident Donald Trump und außenpolitischer Hardliner, ist tot. Der republikanische Politiker sei am Samstagabend (Ortszeit) mit 71 Jahren nach "kurzer und plötzlicher Krankheit" gestorben, teilte sein Büro mit. Trump äußerte seine Trauer, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu und der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj würdigten Graham als Verbündeten ihrer Länder.

Textgröße ändern: