Pallade Veneta - Merz schaltet sich in Wehrdienst-Streit ein - Sympathie für Fraktionsvorschlag

Merz schaltet sich in Wehrdienst-Streit ein - Sympathie für Fraktionsvorschlag


Merz schaltet sich in Wehrdienst-Streit ein - Sympathie für Fraktionsvorschlag
Merz schaltet sich in Wehrdienst-Streit ein - Sympathie für Fraktionsvorschlag / Foto: Ina FASSBENDER - AFP/Archiv

In den Koalitionsstreit um den Wehrdienst hat sich nun Kanzler Friedrich Merz (CDU) eingeschaltet. Er zeigte sich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" überzeugt, dass bald eine Lösung gefunden werde. Merz äußerte dabei "Sympathie" für einen von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) abgelehnten Kompromissvorschlag von Fachpolitikern von Union und SPD. Es gibt aber auch aus der CDU Kritik an dem darin vorgeschlagenen Losverfahren zur Einberufung.

Textgröße ändern:

Er habe mit Pistorius gesprochen, sagte Merz. "Ich habe ihm auch gesagt, dass ich grundsätzlich Sympathie habe für die Lösung, die die Sicherheitspolitiker der Fraktionen miteinander gefunden haben." Union und SPD seien sich "einig, dass wir einen schnellen Aufwuchs der Bundeswehr brauchen." Es gebe "noch unterschiedliche Einschätzungen, wie das geht. Diese Vorstellungen werden jetzt sicherlich schnell angeglichen werden."

Pistorius setzt in seinem Gesetzentwurf zum Wehrdienst zunächst auf Freiwilligkeit, um Rekruten für die Bundeswehr zu gewinnen. Der Union reicht dies aber nicht aus. Sie will einen Automatismus in Richtung einer Wehrpflicht, wenn sich nicht genügend Freiwillige melden.

Fachpolitiker von CDU/CSU und SPD im Bundestag hatten deshalb Anfang der Woche einen Kompromissvorschlag ausgearbeitet. Demnach sollte ein Losverfahren bestimmen, wer zur verpflichtenden Musterung muss. Finden sich dabei nicht genügend Freiwillige für den Dienst, sollten gemäß dem Bedarf der Bundeswehr per weiterem Losverfahren ausgewählte Männer zum Wehrdienst verpflichtet werden.

Die Einigung war aber am Dienstag in letzter Minute geplatzt, weil Pistorius sie abgelehnt hatte und dafür auch Unterstützung aus der SPD-Fraktion erhielt. Der Minister sieht das Losverfahren skeptisch, lehnt es aber nicht per se ab. Seine Hauptkritik war, dass seine Pläne für eine Musterung ganzer Jahrgänge ab Mitte 2027 in dem Kompromissvorschlag nicht mehr enthalten waren.

Das von den Fachpolitikern vorgeschlagene Losverfahren sorgte aber auch in der Union für Kritik. "Das geht alles so nicht", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Donnerstag bei einer Veranstaltung des Magazins "Spiegel". Es müsse in der Debatte darum gehen, "dass mehr Menschen sich beteiligen - Jungen und Mädchen, Frauen und Männer - für den Dienst an dem eigenen Land. Und das geht jetzt so verloren."

Der Präsident des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, Patrick Sensburg, hielt eine Auswahl nach Qualitätskriterien für besser als eine Wehrpflicht per Losverfahren. Sollten sich nicht genügend Freiwillige finden, wäre "das Nachrückverfahren, bei dem die Qualifiziertesten gezogen werden", besser, sagte Sensburg den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Freitagsausgabe). "Das wäre die einfachere und gerechtere Variante."

Pistorius bekräftigte am Freitag, er sei gesprächsbereit zu möglichen Änderungen an seinem Gesetzentwurf. Er sei sich "sicher, dass in den parlamentarischen Beratungen tragfähige Lösungen gefunden werden", sagte er im Bundesrat.

Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Quentin Gärtner, kritisierte den Streit in der Koalition. "Da ist schon eine sehr, sehr große Verunsicherung da", sagte er im WDR am Donnerstagabend. Davon seien ganz viele junge Menschen betroffen. "Und dazu stellen sich viele Fragen - Fragen, die die Bundesregierung aktuell nicht beantworten kann. Das ist keine gute Lebensperspektive für junge Menschen."

E.M.Filippelli--PV

Empfohlen

Trump-Verbündeter und Russland-Kritiker Lindsey Graham mit 71 Jahren gestorben

Der US-Senator Lindsey Graham, einflussreicher Verbündeter von US-Präsident Donald Trump und außenpolitischer Hardliner, ist tot. Der republikanische Politiker sei am Samstagabend (Ortszeit) mit 71 Jahren nach "kurzer und plötzlicher Krankheit" gestorben, teilte sein Büro mit. Trump äußerte seine Trauer, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu und der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj würdigten Graham als Verbündeten ihrer Länder.

Dreyfus-Gedenktag: Macron ruft zu "ständiger Wachsamkeit" gegen Antisemitismus auf

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angesichts des wieder zunehmenden Antisemitismus im Land zu "ständiger Wachsamkeit" aufgerufen. Anlässlich des ersten nationalen Gedenktages für den 1894 Jahren zu Unrecht verurteilten jüdischen Offiziers Alfred Dreyfus sagte Macron, "wir wissen, dass die alten Dämonen des Antisemitismus unser Land nie vollständig verlassen haben". Der Präsident rief zudem dazu auf, Franzosen zu ehren, die sich der "Nazi-Barbarei" entgegengestellt hätten.

Kritik an geplanter Einschränkung bei Unterhaltsvorschuss

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will die Bezugszeit beim Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende einschränken. "Vorgesehen ist unter anderem, den Unterhaltsvorschuss künftig für Kinder bis einschließlich 15. Lebensjahr zu gewähren", teilte ein Ministeriumssprecher am Sonntag auf Anfrage in Berlin mit. Die Grünen und das Deutsche Kinderhilfswerk kritisierten die Pläne.

Plan zur Regierungsumbildung in Kiew: Selenskyj will politische Strategie ändern

Mit einer größeren Regierungsumbildung will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sein Land auf die Herausforderungen im fünften Kriegsjahr einstellen. Die Ukraine sei dabei, ihre "politische Strategie zu ändern", schrieb Selenskyj am Sonntag im Onlinedienst X. Unter anderem sollen Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko und die Chefs einiger Strafverfolgungsbehörden ausgetauscht werden. Am Wochenende starben bei erneuten russischen Angriffen in der Ukraine mindestens zwölf Menschen.

Textgröße ändern: