Pallade Veneta - Wadephul: Rückkehr syrischer Flüchtlinge derzeit nur "sehr eingeschränkt möglich"

Wadephul: Rückkehr syrischer Flüchtlinge derzeit nur "sehr eingeschränkt möglich"


Wadephul: Rückkehr syrischer Flüchtlinge derzeit nur "sehr eingeschränkt möglich"
Wadephul: Rückkehr syrischer Flüchtlinge derzeit nur "sehr eingeschränkt möglich" / Foto: Daniel MIHAILESCU - AFP/Archiv

Bei einem Besuch in Syrien hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) die aus seiner Sicht bedeutende Rolle des Landes für die Sicherheit Europas unterstrichen. Syrien sei ein "Schlüsselstaat", sagte Wadephul am Donnerstag in Damaskus vor Journalisten nach einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Zur Politik von dessen Regierung sagte Wadephul, die Bundesregierung habe "grundsätzliches Vertrauen" in den "neuen syrischen Weg". Zurückhaltend äußerte er sich über die Rückkehr syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat.

Textgröße ändern:

"Die ganze europäische Union hat die Folgen eines Bürgerkriegs zu spüren bekommen", sagte Wadephul weiter mit Blick auf den 2011 begonnenen Konflikt in Syrien mit Hunderttausenden Toten und Millionen Menschen, die in der Folge das Land verließen. "Deswegen müssen wir alles dafür tun, dass nicht nur die Wunden verheilen, sondern dass auch die Gefahr gebannt wird, dass so ein Bürgerkrieg wieder ausbrechen kann", fügte der Minister an. Syrien sei eine "Brücke" zwischen der Golfregion und dem Mittelmeerraum.

Übergangspräsident al-Scharaa hatte Wadephul und eine deutsche Delegation in der syrischen Hauptstadt für Gespräche über bilaterale Beziehungen und "Wege, die Zusammenarbeit in politischen, wirtschaftlichen und humanitären Bereichen zu verbessern" empfangen, wie das Präsidialamt in Damaskus mitteilte.

Wadephul unterstrich nach dem Treffen die finanzielle Unterstützung, die Deutschland für die syrische Zivilbevölkerung geleistet habe und sprach von insgesamt "13 Milliarden Euro an humanitärer Unterstützung". Zugleich hätten sich deutsche Bundesregierungen während des Bürgerkriegs im Land nie auf "Avancen von Diktator Assad" eingelassen.

Nach dem Machtwechsel in Damaskus seien deutsche Unternehmen nun grundsätzlich bereit, im Land zu investieren, sie müssten hierfür jedoch Rechtssicherheit erwarten können. Dies habe er auch gegenüber al-Scharaa betont. "Noch in diesem Jahr" solle zudem die erste Sitzung des im Juli gegründeten deutsch-syrischen Wirtschaftsrats stattfinden.

Zurückhaltend äußerte Wadephul sich zur möglichen Rückkehr syrischer Flüchtlinge aus Deutschland. Diese sei "zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr eingeschränkt möglich", da in Syrien "sehr viel an Infrastruktur" zerstört sei. Es sei aber "das verständliche Interesse der syrischen Regierung, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass möglichst viele Syrerinnen und Syrer zurückkehren".

Mit Blick auf die Abschiebung syrischer Straftäter sprach der Außenminister von "ganz wenigen Ausnahmefällen", die "natürlich" auch durch eine Rückführung nach Syrien zu lösen seien. Hierzu stehe das Auswärtige Amt mit dem syrischen Außenministerium im Austausch.

Mit Blick auf die politische Lage in Syrien sprach Wadephul von "ersten Schritten" in Richtung eines "inklusiveren politischen Systems". Es seien "alle Beteiligten" aufgefordert, "Kompromissbereitschaft zu zeigen".

Die neue Regierung in Damaskus steht im Verdacht, Minderheiten wie Alawiten, Drusen oder Kurden nicht ausreichend zu schützen. Bei einem kürzlich als undemokratisch kritisierten Auswahlverfahren zur Bestimmung der Mitglieder des ersten Parlaments nach dem Sturz Assads durften beispielsweise von ethnischen Minderheiten dominierte Regionen nicht teilnehmen.

Zur Politik der Regierung um al-Scharaa sagte Wadephul: "Wir haben ein grundsätzliches Vertrauen in den neuen syrischen Weg, inklusiv voranzugehen. Wir setzen darauf, dass dieser fortgesetzt wird."

Vor seiner Ankunft in Syrien hatte Wadephul auf die "enormen Herausforderungen" für das Land verwiesen. Hierfür sei eine Regierung nötig, die "allen Bürgerinnen und Bürgern, unabhängig von Geschlecht, religiöser, ethnischer oder gesellschaftlicher Zugehörigkeit, ein Leben in Würde und Sicherheit garantiert", hob er hervor. "Das ist die Voraussetzung dafür, dass jetzt das Fundament für ein freies, sicheres, und stabiles Syrien entstehen kann." Deutschland sei bereit, an diesem Fundament mitzuarbeiten.

Syrien ist die zweite Station von Wadephuls Reise in den Nahen Osten. Zuvor hatte er bereits politische Gespräche in Jordanien geführt. Am Freitag trifft er Regierungsvertreter im Libanon. Zum Abschluss seiner Reise nimmt er am Samstag an einer Sicherheitskonferenz in Bahrein teil.

Der derzeitige syrische Übergangspräsident al-Scharaa war im Dezember 2024 nach jahrelangem Bürgerkrieg an der Spitze der islamistischen HTS-Miliz an die Macht gekommen. Damit endete die jahrelange weitgehende Isolation Syriens unter Diktator Baschar al-Assad.

Nach Assads Sturz hatte bereits Wadephuls Amtsvorgängerin Annalena Baerbock (Grüne) Syrien besucht. Die Bundesregierung mahnte bei der neuen Führung aber auch die Einhaltung der Menschenrechte an.

S.Urciuoli--PV

Empfohlen

Brandenburgs Ministerpräsident Woidke rät von Koalition mit Linkspartei ab

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat sich gegen ein rot-grün-rotes Bündnis in Berlin ausgesprochen. "Ich kann meiner Partei in Berlin nur raten, von einer Koalition mit den Linken Abstand zu nehmen", sagte Woidke dem "Tagesspiegel" und den "Potsdamer Neueste Nachrichten" laut Mitteilung vom Donnerstag. "Die Partei im jetzigen Zustand darf nicht regieren."

Im Westjordanland verletzter Sohn des israelischen Botschafters schwebt in Lebensgefahr

Der bei einem Angriff im besetzten Westjordanland schwer verletzte Sohn des israelischen Botschafters in den USA kämpft nach den Worten seines Vaters nach einer Operation um sein Leben. Den Ärzten sei es gelungen, den Zustand seines 39 Jahre alten Sohns Neria Leiter "zu stabilisieren", sagte der Botschafter Yechiel Leiter am Donnerstag vor dem Shaare Zedek Krankenhauses in Jerusalem. Sein Leben sei "aber immer noch in Gefahr", betonte er.

Pakistan greift mehrere Provinzen in Afghanistan aus der Luft an - vier Tote

Bei pakistanischen Luftangriffen in Afghanistan sind nach Angaben der Taliban-Regierung vier Zivilisten getötet worden. Neben den östlichen Provinzen Paktia und Chost sei auch die südliche Provinz Kandahar getroffen worden, schrieb Regierungssprecher Sabihulla Mudschahid am Donnerstag im Onlinedienst X. Er sprach von einem "kriminellen Akt der Aggression" und drohte der pakistanischen Armee mit "schwerwiegenden Konsequenzen".

Polen stuft Brand in Starlink-Station als "Sabotage" und Teil "hybrider Kriegsführung" ein

Ein Brand in einer Anlage des Satelliten-Kommunikationssystems Starlink in Polen ist nach Angaben der polnischen Regierung durch "Sabotage" ausgelöst worden und möglicherweise Teil der "hybriden Kriegsführung" Russlands. Durch das Feuer sei "der Internet-Zugang für verschiedene Institutionen gestört worden, einschließlich der ukrainischen Armee", sagte der polnische Digitalminister Krzysztof Gawkowski am Donnerstag dem Sender TVP Info. Vergangene Woche hatte Regierungschef Donald Tusk vor Moskaus hybrider Kriegsführung gegen Unterstützer der Ukraine gewarnt.

Textgröße ändern: