Pallade Veneta - Abgeordnetenkammer in Brasilien stimmt für Verkürzung von Bolsonaros Haftstrafe

Abgeordnetenkammer in Brasilien stimmt für Verkürzung von Bolsonaros Haftstrafe


Abgeordnetenkammer in Brasilien stimmt für Verkürzung von Bolsonaros Haftstrafe
Abgeordnetenkammer in Brasilien stimmt für Verkürzung von Bolsonaros Haftstrafe / Foto: Sergio LIMA - AFP

Der brasilianische Ex-Präsident Jair Bolsonaro ist einer möglichen Verkürzung seiner 27-jährigen Haftstrafe einen Schritt näher gekommen. In einer turbulenten Sitzung, während der die Polizei einen Abgeordneten aus dem Parlament entfernte, stimmte die brasilianische Abgeordnetenkammer am frühen Mittwochmorgen einem Gesetzesentwurf zu, durch den Bolsonaros Haft auf etwas mehr als zwei Jahre verkürzt werden könnte. Damit das Gesetz in Kraft tritt, bedarf es nun noch der Zustimmung des Senats. Bolsonaro beantragte unterdessen beim Obersten Gerichtshof seine Freilassung aus der Haft für einen chirurgischen Eingriff.

Textgröße ändern:

Die am Dienstag begonnene Sitzung sorgte für Chaos in der Abgeordnetenkammer in Brasília. Der regierungsnahe, linksgerichtete Abgeordnete Glauber Braga besetzte den Sitz des Sprechers der Kammer und prangerte eine "Putsch-Offensive" an, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Die Übertragung wurde daraufhin unterbrochen, Journalisten wurden aufgefordert, den Plenarsaal zu verlassen. Die Sitzung wurde unterbrochen. Nachdem Braga von Polizisten aus dem Parlament entfernt worden war, wurde die Debatte fortgesetzt.

Der Gesetzentwurf, mit dem das Strafmaß für einen Putsch-Versuch und mehrere andere Straftaten drastisch reduziert werden soll, wird nun dem Senat vorgelegt. Sollte das Oberhaus ihm zustimmen, würde Bolsonaros Haftstrafe von 27 Jahren und drei Monaten auf "etwa zwei Jahre und vier Monate" reduziert, sagte der mit dem Gesetzentwurf befasste Abgeordnete Paulinho da Força in einer an die Nachrichtenagentur AFP versandten Videonachricht. Das letzte Wort würde dann jedoch bei der Justiz liegen, die das Strafmaß unter den neuen Bedingungen neu formulieren müsste.

Das Oberste Gericht Brasiliens hatte den ultrarechten Ex-Präsidenten im September wegen eines geplanten Umsturzes zu gut 27 Jahren Gefängnis verurteilt. Bolsonaro, der Brasilien von Anfang 2019 bis Ende 2022 regiert hatte, war schuldig gesprochen worden, eine "kriminelle Organisation" angeführt zu haben, die seine 2022 erlittene Wahlniederlage gegen seinen Nachfolger Luiz Inácio Lula da Silva kippen wollte.

Das geplante Gesetz zur Haftverkürzung sieht außerdem vor, 141 Anhänger von Bolsonaro auf Bewährung aus der Haft zu entlassen. Diese waren wegen des Sturms auf die Regierungsgebäude in der Hauptstadt Brasília am 8. Januar 2023 verurteilt worden.

Bolsonaro beantragte unterdessen beim Obersten Gerichtshof seine Freilassung aus der Haft für eine Operation. Neue medizinische Dokumente zeigten eine "erhebliche Verschlechterung" von Bolsonaros Gesundheitszustand, die eine "sofortige" Einweisung ins Krankenhaus erforderlich mache, hieß es in dem Antrag von Bolsonaros Anwälten, den AFP einsehen konnte.

Bei Bolsonaro war Hautkrebs diagnostiziert worden. Im September wurden nach Angaben seines Arztes Hautveränderungen entfernt. Bei der Biopsie der Proben sei ein "Plattenepithelkarzinom" festgestellt worden. Der Arzt sprach von einer "Art von Hautkrebs, die schwerwiegende Folgen haben kann".

B.Fortunato--PV

Empfohlen

Urkunde bei UNO hinterlegt: Deutschland tritt UN-Hochseeschutzabkommen bei

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat eine Ratifizierungsurkunde für den Beitritt Deutschlands zum UN-Hochseeschutzabkommen bei den Vereinten Nationen hinterlegt und damit den deutschen Beitritt besiegelt. Schneider bezeichnete das Abkommen nach Angaben seines Ministeriums vom Dienstag als "den größten internationalen umweltpolitischen Erfolg der letzten Jahre". Die Hinterlegung der Urkunde erfolgte am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung, zu der Schneider nach New York gereist war.

Grüne fordern von Linkspartei "Klarheit" bei Antisemitismus und Rauswurf Kocaks

In der Debatte um Clan-Kontakte und Antisemitismus-Vorwürfe bei der Berliner Linken haben die Grünen die Linkspartei im Bund zu harten Konsequenzen aufgefordert. "Es braucht hier rote Linien, gerade beim Kampf gegen Antisemitismus", sagte Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic am Mittwoch in Berlin. Wie zuvor schon Grünen-Fraktionschefin Katherina Dröge forderte sie von der Linken-Bundestagsfraktion den Ausschluss des Abgeordneten Ferat Kocak wegen dessen Kontakten ins Berliner Clan-Milieu.

Thüringer SPD-Chef Maier gibt Amt auf - Kritik an Bundespartei

Der Thüringer Innenminister Georg Maier hat seinen Rückzug als SPD-Landeschef angekündigt und gleichzeitig die Bundespartei kritisiert. Der 59-Jährige sagte dem Magazin "Stern" nach Angaben vom Mittwoch, er wolle die Mehrfachbelastung durch Partei, Regierung und Familie "etwas reduzieren". Landesinnenminister will der seit 2020 amtierende Thüringer SPD-Chef aber bleiben. "Das ist ausdrücklich kein Rückzug aus der Politik", sagte er. Als seine Nachfolgerin an der SPD-Spitze schlage er Sozialministerin Katharina Schenk vor.

Landtagswahlumfrage für Nordrhein-Westfalen: CDU weiter vorn - AfD legt zu

Sieben Monate vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen liegt die regierende CDU von Ministerpräsident Hendrik Wüst trotz Verlusten laut einer Umfrage weiter vor allen anderen Parteien. In der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Instituts Forsa für den "Kölner Stadt-Anzeiger" kommen die Christdemokraten auf 29 Prozent. Im Vergleich zu einer vorangegangenen Forsa-Befragung vom April verlieren sie damit drei Prozentpunkte.

Textgröße ändern: