Pallade Veneta - Tschechien: EU-skeptische Koalition unter Regierungschef Babis vereidigt

Tschechien: EU-skeptische Koalition unter Regierungschef Babis vereidigt


Tschechien: EU-skeptische Koalition unter Regierungschef Babis vereidigt
Tschechien: EU-skeptische Koalition unter Regierungschef Babis vereidigt / Foto: Michal Cizek - AFP

Mehr als zwei Monate nach der Parlamentswahl in Tschechien hat die neue Regierung unter dem rechtspopulistischen Regierungschef Andrej Babis ihr Amt angetreten. Tschechiens Präsident Petr Pavel vereidigte die 15 Minister - 13 Männer und zwei Frauen - der Koalition aus nationalistischen und europaskeptischen Parteien am Montag, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die neue Regierung dürfte einen europa- und ukrainekritischeren Kurs einschlagen als das bisherige Mitte-Rechts-Kabinett von Petr Fiala.

Textgröße ändern:

Babis' Partei Ano war Anfang Oktober als Siegerin aus der Parlamentswahl hervorgegangen. Der 71-jährige Ano-Chef steht nun an der Spitze einer EU-skeptischen Koalition mit der rechtsgerichteten Autofahrerpartei und der rechtsextremen SPD. Gemeinsam verfügen die Regierungsparteien über 108 der insgesamt 200 Sitze im tschechischen Parlament.

Im EU- und Nato-Mitgliedsland Tschechien dürfte von nun an ein deutlich europakritischerer Wind wehen als bislang. In ihrem Grundsatzprogramm erklärte die Koalition, die EU habe "ihre Grenzen" und kein Recht, Mitgliedstaaten Entscheidungen aufzuzwingen, die deren Souveränität verletzen. Im Europaparlament gehören Babis' Ano und die Autofahrerpartei der von Ano und der Partei Fidesz des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban gegründeten Rechtsaußenfraktion Patrioten für Europa (PfE) an. Die SPD hatte kürzlich erst ihren Plan aufgegeben, ein Referendum über den Austritt Tschechiens aus der EU abzuhalten.

Auch Hilfslieferungen für die Ukraine steht die neue tschechische Regierung skeptisch gegenüber. Vergangene Woche sagte Babis in Brüssel, jegliche Unterstützung für Kiew müsse von einem klaren Plan für Frieden und einem Waffenstillstand begleitet werden. Im Wahlkampf hatte der Rechtspopulist direkte Hilfslieferungen an Kiew abgelehnt und erklärt, Prags Beiträge zum EU-Haushalt, mit dem die Unterstützung der Ukraine finanziert wird, seien ausreichend.

Die Ano-Partei stellt in der neuen Regierung neun Minister, die Autofahrerpartei drei. Die SPD hat sich für drei unparteiische Experten als Minister entschieden. Der Vorsitzende der Autofahrerpartei, Petr Macinka, fungiert in dem neuen Kabinett sowohl als Außen- als auch als Umweltminister. Der ursprüngliche Kandidat für das Amt des Umweltministers, der Politiker Filip Turek von der Autofahrerpartei, war auf Widerstand gestoßen. Präsident Pavel hatte bei Treffen mit Babis Einwände gegen Turek geäußert.

Turek werden von einer früheren Partnerin Vergewaltigung und häusliche Gewalt vorgeworfen, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Zuvor war gegen ihn zudem wegen des Vorwurfs ermittelt worden, Nazi-Devotionalien besessen und einen Hitlergruß gezeigt zu haben. Das Verfahren wurde jedoch später eingestellt. Die Autofahrerpartei zog Turek vergangene Woche als Kandidaten zurück, nachdem Medien über rassistische und homophobe Beiträge in Onlinediensten berichtet hatten, die ihm zugeschrieben wurden.

F.M.Ferrentino--PV

Empfohlen

Berater: Gaddafi-Sohn Seif al-Islam in seinem Haus in Libyen getötet

Einer der Söhne des verstorbenen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Seif al-Islam Gaddafi, ist tot. Der 53-Jährige sei von vier Männern in seinem Haus getötet worden, sagte sein Berater Abdullah Othman Abdurrahim am Dienstag im Sender Libya al-Ahrar. "Vier Männer stürmten das Anwesen von Seif al-Islam Gaddafi, nachdem sie die Überwachungskameras ausgeschaltet hatten", sagte Abdurrahim. "Danach richteten sie ihn hin."

Ehepaar Clinton soll Ende Februar in Epstein-Affäre vor US-Kongress aussagen

In der Affäre um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein sollen der frühere US-Präsident Bill Clinton und seine Ehefrau, die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton, Ende Februar vor einem Kongressausschuss aussagen. Beide würden getrennt voneinander befragt werden, teilte der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses im Repräsentantenhaus, James Comer, am Dienstag mit. Derweil gab der ehemalige britische Botschafter in den USA, Peter Mandelson, wegen seiner Verbindungen zu Epstein seinen Sitz im britischen Oberhaus ab.

US-Repräsentantenhaus ebnet Weg für "Shutdown"-Ende

Das US-Repräsentantenhaus hat den Weg für ein Ende des fast viertägigen "Shutdowns" geebnet: Die Abgeordneten billigten am Dienstag mehrheitlich einen Haushaltskompromiss, um die seit Samstag andauernde Budgetsperre für einen Teil der Bundesverwaltung zu beenden. Der bereits vom Senat verabschiedete Entwurf bedarf noch der Unterschrift von Präsident Donald Trump, um in Kraft zu treten.

Vier Jahre Haft und fünf Jahre Kandidaturverbot für Le Pen gefordert

Für die Rechtspopulistin Marine Le Pen schwinden in Frankreich die Aussichten auf eine vierte Präsidentschaftskandidatur. Im Berufungsprozess gegen die Fraktionschefin des Rassemblement National (RN) hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag vier Jahre Haft und ein fünfjähriges Kandidaturverbot für öffentliche Ämter gefordert. Le Pen habe "ein System aufgebaut, das es der Partei ermöglicht hat, 1,4 Millionen Euro zu veruntreuen", sagte Generalstaatsanwalt Stéphane Madoz-Blanchet am Dienstag vor Gericht in Paris. Sollten die Berufungsrichter den Forderungen folgen, dürfte Le Pen bei der 2027 anstehenden Präsidentschaftswahl voraussichtlich nicht antreten.

Textgröße ändern: