Pallade Veneta - Afghanen mit Aufnahmezusage: Prominente fordern Regierung zu schnellem Handeln auf

Afghanen mit Aufnahmezusage: Prominente fordern Regierung zu schnellem Handeln auf


Afghanen mit Aufnahmezusage: Prominente fordern Regierung zu schnellem Handeln auf
Afghanen mit Aufnahmezusage: Prominente fordern Regierung zu schnellem Handeln auf / Foto: MICHAEL MATTHEY - AFP

Mehr als 50 Prominente haben die Bundesregierung in einem offenen Brief aufgefordert, Menschen aus Afghanistan nach Deutschland zu holen, die bereits eine Aufnahmezusage erhalten haben. "Jetzt bleiben nur die wenigen Tage über Weihnachten, um zu handeln, bevor es für Einige bereits zu spät sein könnte", heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Schreiben. Es wurde unter anderem von Fernsehmoderator Günther Jauch, Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und Musiker Herbert Grönemeyer unterzeichnet.

Textgröße ändern:

Der Brief, der von der Hilfsorganisation Kabul Luftbrücke veröffentlicht wurde, richtet sich an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU). Es geht konkret um Menschen aus Afghanistan, die vor der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban unter anderem als Ortskräfte für Deutschland gearbeitet haben und sich derzeit in Pakistan aufhalten. Von dort droht ihnen laut Kabul Luftbrücke ab Januar die Abschiebung nach Afghanistan.

"Wir erlauben uns, Sie an Ihren Amtseid zu erinnern, in dem Sie gelobt haben, 'Gerechtigkeit gegen jedermann' zu üben", heißt es in dem Schreiben an Merz und die anderen Mitglieder der Bundesregierung. "Wir bitten Sie: Sehen Sie in den rund 1800 afghanischen Frauen und Männern, in den Kindern und Familien, Menschen, denen nun solche Gerechtigkeit zuteilwerden muss. Sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen - aber sie haben auf uns vertraut."

Weiter heißt es in dem offenen Brief: "Geben Sie den Menschen in Pakistan, die trotz deutscher Aufnahmezusage nach Afghanistan zurückgeschoben werden sollen, eine Zukunft." Sie hätten als Ortskräfte der Bundeswehr und für deutsche Organisationen gearbeitet oder sich auf andere Weise für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt. "Erlauben Sie ihnen die Einreise nach Deutschland und retten Sie damit ihr Leben."

Zu den Erstunterzeichnern des Appells gehören auch die Schauspielerin Katja Riemann, die Klimaaktivistin Luisa Neubauer sowie die Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands, Katja Kipping. Unterzeichnet hat auch Bischof Christian Stäblein, der in der evangelischen Kirche für Flüchtlingsfragen zuständig ist.

Deutschland hatte nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan im August 2021 Menschen Aufnahmezusagen erteilt, die in dem Land für die Bundeswehr oder andere Institutionen gearbeitet hatten. Zusagen gab es auch für Menschen, die aus anderen Gründen als besonders gefährdet eingestuft wurden - etwa Frauenrechtlerinnen oder Menschenrechtsaktivisten.

Nach dem Regierungswechsel in Berlin hatte die neue Bundesregierung die Aufnahmen stark eingeschränkt. Im Koalitionsvertrag vereinbarten Union und SPD, Aufnahmeprogramme so weit wie möglich einzustellen. Gerichte haben nach Klagen aber den Aufnahmeanspruch einzelner Menschen mit verbindlicher Zusage festgestellt.

Am Montag war in Hannover ein weiterer Charterflug mit Menschen aus Afghanistan gelandet. Laut Bundesinnenministerium reisten 141 afghanische Staatsangehörige ein, darunter 123 aus dem Bundesaufnahmeprogramm und 18 aus dem Ortskräfteverfahren.

Laut Kabul Luftbrücke waren sechs weitere Menschen an Bord: Demnach handelte es sich um eine Familie, die über die sogenannte Menschenrechtsliste einreisen konnte. Die Gesamtzahl der Menschen aus Afghanistan läge damit für den Charterflug bei 147.

Kabul Luftbrücke ging davon aus, dass dies "der letzte Charterflug in diesem Jahr" mit Menschen aus Afghanistan war. Das Bundesinnenministerium äußerte sich auf Anfrage nicht dazu, ob weitere Flüge geplant seien. Dies werde "aus Sicherheitsgründen" grundsätzlich nicht angekündigt, teilte ein Sprecher mit. Demnach befinden sich nach Stand vom Montag noch rund 45 Menschen im Ortskräfteverfahren und rund 264 Menschen im Bundesaufnahmeprogramm in Pakistan und werden dort von der Bundesregierung unterstützt.

A.Saggese--PV

Empfohlen

SPD-Spitze: Linke darf Antisemitismus "keinen Millimeter Platz lassen"

In die Debatte um Clan-Kontakte und Antisemitismus-Vorwürfe bei der Berliner Linken hat sich nun auch die Bundes-SPD eingeschaltet. "Antisemitische Parolen haben weder in unserer Gesellschaft noch in unserer Politik Platz", schrieben die Parteichefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas sowie Generalsekretär Tim Klüssendorf in einem Statement auf Instagram. "Die Linke wird sich daran messen lassen und darf Antisemitismus und Clan-Kriminellen in ihren Reihen keinen Millimeter Platz lassen." Die Verantwortung liege nun bei den Linken.

Trump und Venezuelas Übergangspräsidentin in New York erstmals zu Gespräch zusammengetroffen

US-Präsident Donald Trump und die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez haben sich am Rande der UN-Vollversammlung in New York erstmals persönlich zu Gesprächen getroffen. Rodríguez sprach im Onlinedienst X am Dienstag (Ortszeit) von einem "historischen" Treffen und veröffentlichte ein Foto, auf dem sie und Trump lächelnd zu sehen sind.

UN-Generaldebatte: Israel weist Macron-Äußerungen über Westjordanland als "grotesk" zurück

Israel hat empört auf die Rede von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron vor der UN-Vollversammlung reagiert, in der er die Lage im Westjordanland angeprangert hatte. Die "groteske Absurdität" von Macrons Äußerungen sei "schockierend", teilte das Büro von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Dienstag mit. Es bezog sich insbesondere auf Macrons Äußerung, dass die islamistische Palästinenserorganisation Hamas dort "nie" aktiv gewesen sei.

UN-Generaldebatte: Reden von Irans Präsident Peseschkian und Selenskyj erwartet

Bei den Vereinten Nationen in New York wird am Mittwoch die Generaldebatte der Staats- und Regierungschefs fortgesetzt (15.00 Uhr MESZ). Als Redner werden unter anderem der iranische Staatschef Massud Peseschkian erwartet sowie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Den Auftakt macht der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa.

Textgröße ändern: