Pallade Veneta - Streit um Böllerverbot an Silvester - Unfälle mit Feuerwerk bereits am Wochenende

Streit um Böllerverbot an Silvester - Unfälle mit Feuerwerk bereits am Wochenende


Streit um Böllerverbot an Silvester - Unfälle mit Feuerwerk bereits am Wochenende
Streit um Böllerverbot an Silvester - Unfälle mit Feuerwerk bereits am Wochenende / Foto: Kirill KUDRYAVTSEV - AFP/Archiv

Kurz vor dem Verkaufsstart für Silvester-Feuerwerk sind die Rufe nach einem Böllerverbot lauter geworden. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, forderte ein Verbot von Feuerwerk für Privatleute und verwies dabei auf schwere Verletzungen und volle Notaufnahmen. Die Deutsche Umwelthilfe warnte vor einer "Horrornacht" zum Jahreswechsel. Der Bundesverband Pyrotechnik verlangte hingegen ein strikteres Vorgehen gegen illegal erworbenes Feuerwerk. Derweil gab es am Wochenende bereits die ersten Unfälle und Brände.

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In Mannheim brannte am Samstagnachmittag das Nebengebäude einer Bar, wie die Polizei mitteilte. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte sich der Brand nach unsachgemäßem Abbrennen von Feuerwerkskörpern entwickelt. Der Brandschaden betrage etwa 1500 Euro. Die Polizei will nun ermitteln, wer die Böller gezündet hat.

In Heidelberg war in der Nacht zu Samstag ein 18-Jähriger durch die Explosion eines Feuerwerkkörpers schwer verletzt worden. Die Polizei geht davon aus, dass der junge Mann sich über einen Böller gebeugt hatte, als dieser explodierte. Die Rückstände des Feuerwerkskörpers wurden sichergestellt.

Im Berliner Stadtteil Borsigwalde nahm die Polizei einen 35-Jährigen wegen illegaler Pyrotechnik fest. Der Mann soll unter anderem gefährliche sogenannte Kugelbomben verkauft haben. In seiner Wohnung fanden die Beamten auch eine Schreckschusspistole. Unter anderem das Zünden von Kugelbomben hatte im vergangenen Jahr in Berlin an Silvester zu großen Schäden und einigen Verletzten geführt.

Ärztechef Reinhardt forderte die Innenminister von Bund und Ländern auf, "endlich" zu handeln "und die Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei" zu schützen. "Die ungeregelte Knallerei führt immer wieder zu schweren Verletzungen auch bei Unbeteiligten, sie ängstigt viele Menschen, ist schlecht für das Klima und verursacht enormen Müll", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

"Niemand hat etwas gegen organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen, doch die wilde Böllerei muss untersagt werden", forderte der Mediziner. Jedes Jahr erlitten zahlreiche Menschen Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper. Kinder und Jugendliche seien häufig von Knalltraumata betroffen. Hinzu kämen Augenverletzungen und Verbrennungen. "Das sorgt für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kostet die gesetzliche Krankenversicherung Millionen."

Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (bvpk) kritisierte Reinhardts Äußerungen als "sachfern". Schwere Unfälle mit Pyrotechnik ereigneten sich "praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk", erklärte Bundesgeschäftsführer Christoph Kröpl. Legal erhältliches Silvesterfeuerwerk sei hingegen "streng geprüft und in Größe und Wirkung stark limitiert".

Die Deutsche Umwelthilfe warnte hingegen "vor einer beispiellosen Eskalation in der Silvesternacht". Sie verwies dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland eingeführt wurden und damit über 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch erklärte, der Jahreswechsel drohe damit "zur Horrornacht von beispiellosem Ausmaß zu werden".

Die Umwelthilfe forderte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, ein bundesweites Böllerverbot auf den Weg zu bringen. Vor allem Dobrindt trage "die Verantwortung für die schweren Verletzungen, die Angriffe auf Einsatzkräfte, das millionenfache Tierleid und die extremen Feinstaubspitzen" durch Feuerwerk an Silvester, erklärte Resch. Laut Umwelthilfe haben bereits mehr als 800.000 Menschen einen offenen Brief an Dobrindt unterzeichnet, der ein Verbot für privates Feuerwerk fordert.

Der Verkauf von Feuerwerk wie Silvesterraketen ist in Deutschland nur an den letzten drei verkaufsoffenen Tagen des Jahres erlaubt. Dieses Jahr startet der Verkauf am Montag. Nach Angaben des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) machte die Branche zum Jahreswechsel 2024/2025 mit rund 197 Millionen Euro einen Rekordumsatz. Dieses Jahr könnte dies nochmals überschritten werden.

Die evangelische Hilfsorganisation Brot für die Welt rief im Rahmen ihrer traditionellen Aktion "Brot statt Böller" auf, statt Feuerwerk zu kaufen das Geld für Bedürftige zu spenden. "Die Erfahrung zeigt, dass Spenden für die weltweite Projektarbeit nachhaltig wirken und damit länger strahlen als jeder Funke am Himmel", erklärte Präsidentin Dagmar Pruin.

I.Saccomanno--PV

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