Pallade Veneta - US-Richterin schränkt Maßnahmen von ICE-Beamten in Minnesota nach Protesten ein

US-Richterin schränkt Maßnahmen von ICE-Beamten in Minnesota nach Protesten ein


US-Richterin schränkt Maßnahmen von ICE-Beamten in Minnesota nach Protesten ein
US-Richterin schränkt Maßnahmen von ICE-Beamten in Minnesota nach Protesten ein / Foto: Octavio JONES - AFP

Angesichts der angespannten Lage wegen des Einsatzes der US-Einwanderungspolizei ICE im Bundesstaat Minnesota hat eine Bundesrichterin die Befugnisse der dortigen ICE-Beamten eingeschränkt. Friedliche Protestierende und Autofahrer dürften nicht festgenommen oder mit Pfefferspray vertrieben werden, erklärte Bundesrichterin Katherine Menendez in ihrer am Freitag (Ortszeit) ergangenen 83-seitigen Anordnung. Sie gab dem US-Heimatschutzministerium 72 Stunden Zeit für die Umsetzung.

Textgröße ändern:

Die Proteste gegen Trumps Abschiebepolitik und die Einwanderungspolizei ICE hatten sich ausgeweitet, nachdem ein ICE-Polizist am Mittwoch der vergangenen Woche die unbewaffnete Mutter Renee Nicole Good in ihrem Auto mit mehreren Schüssen getötet hatte. Die Trump-Regierung stellt Good als "inländische Terroristin" dar, die von dem Polizisten aus Notwehr getötet worden sei, nachdem sie ihn "überfahren" habe. Videoaufnahmen zeigen aber, dass Good ihr Fahrzeug von dem ICE-Beamten wegsteuerte.

Am Donnerstag drohte US-Präsident Donald Trump damit, wegen der Proteste im Bundesstaat Minnesota und der Stadt Minneapolis, die beide von Demokraten regiert werden, das Aufstandsgesetz (Insurrection Act) zu nutzen. "Wenn die korrupten Politiker von Minnesota nicht das Gesetz befolgen und die professionellen Aufwiegler und Aufrührer daran hindern, die ICE-Patrioten anzugreifen, die nur versuchen, ihre Arbeit zu tun, werde ich den Insurrection Act verhängen, wie viele Präsidenten vor mir", schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social.

Am Freitag erklärte er dann vor der Veröffentlichung der Entscheidung von Bundesrichterin Menendez, er sehe "im Moment" keine Notwendigkeit für die Nutzung des Insurrection Act. Das Aufstandsgesetzes von 1807 befugt den US-Präsidenten, das Militär im Inland einzusetzen, um "bewaffnete Rebellionen" oder "innere Gewalt" zu unterdrücken.

In einem weiteren Schritt der rechtlichen Konfrontation zwischen dem Weißen Haus und dem demokratisch regierten Minnesota nahm das Justizministerium Ermittlungen gegen den Gouverneur des Bundesstaates, Tim Walz, und den Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, auf, wie der Sender CBS News berichtete. Den Politikern werde Behinderung von Bundesbeamten vorgeworfen, nachdem diese zu friedlichen Protesten in Minnesota aufgerufen hatten.

"Das ist ein offensichtlicher Versuch, mich einzuschüchtern", erklärte Frey am Freitag (Ortszeit) im Onlinedienst X. Er habe sich "für Minneapolis, die örtlichen Strafverfolgungsbehörden und die Einwohner" des Bundesstaates eingesetzt und "gegen das Chaos und die Gefahr, die diese Regierung über unsere Stadt gebracht hat".

"Die einzige Person, gegen die wegen der Erschießung von Renee Good nicht ermittelt wird, ist der Bundesbeamte, der sie erschossen hat", erklärte wiederum Walz ebenfalls auf X.

Auf eine Bitte um Stellungnahme reagierte das US-Justizministerium zunächst nicht. Justizministerin Pam Bondi erklärte lediglich auf X: "Eine Erinnerung an alle in Minnesota: Niemand steht über dem Gesetz."

Derweil wurden die Proteste durch neuerliche Schüsse von ICE-Beamten weiter angeheizt: Eine Woche nach dem Tod von Good schoss ein ICE-Beamter in Minneapolis einem Venezolaner ins Bein. Der Bundesbeamte habe den "defensiven" Schuss abgegeben, "um sein Leben zu verteidigen", nachdem ein "illegaler Einwanderer aus Venezuela" sich der Festnahme widersetzt habe, erklärte das US-Heimatschutzministerium dazu.

In einer Haftanstalt für Migranten im US-Bundesstaat kam zudem ein mexikanischer Staatsbürgers ums Leben, wie am Mittwoch publik wurde. Die mexikanischen Behörden verlangten daraufhin, dass die Umstände des Vorfalls aufgeklärt werden.

Die US-Einwanderungsbehörde ICE steht an vorderster Front der harten Migrationspolitik von US-Präsident Donald Trump. Zehntausende Menschen wurden bereits festgenommen und teilweise abgeschoben.

2025 hatte es laut der Behörde mindestens 30 Todesfälle in ICE-Gewahrsam gegeben - ein Höchstwert seit rund 20 Jahren. In diesem Jahr sind bereits vier Menschen in ICE-Gewahrsam ums Leben gekommen. Ende Dezember befanden sich laut ICE mehr als 68.000 Erwachsene in Abschiebezentren der Behörde. Im Dezember 2023 waren es 36.000 gewesen.

A.Graziadei--PV

Empfohlen

UN-Generaldebatte: Reden von Irans Präsident Peseschkian und Selenskyj erwartet

Bei den Vereinten Nationen in New York wird am Mittwoch die Generaldebatte der Staats- und Regierungschefs fortgesetzt (15.00 Uhr MESZ). Als Redner werden unter anderem der iranische Staatschef Massud Peseschkian erwartet sowie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Den Auftakt macht der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa.

Marokkaner wählen neues Parlament

Nach einem Wahlkampf mit den zentralen Themen Kaufkraft, Arbeit und soziale Ungleichheit wird in Marokko am Mittwoch ein neues Parlament gewählt. Nach der Wahl der 395 Mitglieder des Repräsentantenhauses kann die stärkste Partei den Regierungschef bestimmen, der von König Mohammed VI. ernannt wird. Der Monarch des nordafrikanischen Landes gibt in strategischen Bereichen den Kurs vor.

Trump gibt neue Gespräche zwischen USA und Iran bekannt - Witkoff "zuversichtlich"

Zwischen Zuckerbrot und Peitsche: US-Präsident Donald Trump hat einen neuen Gesprächsanlauf mit dem Iran bekanntgegeben - nachdem er der Islamischen Republik zuvor erneut mit "Vernichtung" gedroht hatte. Trump sprach am Dienstag in New York von einem "sehr produktiven Treffen". In seiner Rede bei der UN-Generaldebatte hatte er gesagt, der Iran habe die Wahl zwischen "Größe" und "Auslöschung". Am Mittwochvormittag (Ortszeit) soll Irans Präsident Massud Peseschkian vor der UN-Vollversammlung sprechen.

Selenskyj: Kiew zu Ende von Angriffen auf Energieanlagen bereit - bei Zusage aus Moskau

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bereitschaft seines Landes zu einem Ende der Angriffe auf russische Energieanlagen bekräftigt - im Falle einer entsprechenden Zusage aus Moskau hinsichtlich ukrainischer Energieinfrastruktur. "Wir sind zu jeder Art von Energie-Waffenstillstand bereit", falls Moskau zustimme, "unser Energiesystem nicht anzugreifen", sagte Selenskyj am Dienstag vor Journalisten am Rande der UN-Vollversammlung in New York.

Textgröße ändern: