Pallade Veneta - Hausärzte warnen Koalition vor Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

Hausärzte warnen Koalition vor Abschaffung der telefonischen Krankschreibung


Hausärzte warnen Koalition vor Abschaffung der telefonischen Krankschreibung
Hausärzte warnen Koalition vor Abschaffung der telefonischen Krankschreibung / Foto: FRANCK FIFE - AFP/Archiv

In der Debatte um den Krankenstand in Deutschland haben die Hausärzte die Bundesregierung vor einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung gewarnt. Bisherige Auswertungen der Krankenkassen hätten bestätigt, dass diese Möglichkeit "nicht zu einem höheren Missbrauch bei Krankschreibungen führt", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier, dem RND vom Mittwoch. Der Chef der Krankenkasse DAK, Andreas Storm, brachte erneut eine Teilkrankschreibung ins Spiel.

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Der Streit über die in der Corona-Pandemie eingeführte Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung läuft seit dem Wochenende. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand der Deutschen kritisiert. Im Schnitt kämen die Beschäftigten in Deutschland auf knapp drei Wochen Krankschreibung im Jahr.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Beschäftigte hierzulande im Jahr 2024 im Schnitt 14,8 Arbeitstage krank gemeldet. Das waren zwar 3,6 Kalendertage mehr als 2021, aber weniger als 2023 (15,2 Tage)

Als Ursache für den Krankenstand sieht Merz auch die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Diese Möglichkeit war 2021 während der Corona-Pandemie geschaffen worden, der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) etablierte sie dauerhaft. Am Montag kündigte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Überprüfung der telefonischen Krankschreibung an.

"Wer die telefonische Krankschreibung abschafft, der trägt die Verantwortung dafür, dass sich in Zukunft wieder unzählige Patientinnen und Patienten ohne Not in die Praxen schleppen müssen", mahnte der Chef des Hausärzteverbands in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Er verteidigte die telefonische Krankschreibung als bewährtes Instrument zum Bürokratieabbau. Sie "entlastet unsere Praxen und schützt unsere Patientinnen und Patienten vor Ansteckungen im Wartezimmer". Er versicherte: "Sie ist kein regelfreier Raum, wie gerne behauptet wird."

Verbandschef Beier warf den Arbeitgebern vor, deren Forderung nach Abschaffung der telefonischen Krankschreibung habe keine belastbare Grundlage. "Es bleibt nur zu hoffen, dass die Politik sich an die Fakten hält, statt auf das Arbeitgebermärchen hereinzufallen", sagte er. Beier stellte klar, dass es für die Krankschreibung per Telefon klare Regeln gebe. So müssten die Patienten in der Praxis persönlich bekannt sein. Die Krankschreibung dürfe zudem maximal fünf Tage lang sein.

Rückendeckung erhielt er vom Chef der größten Krankenkasse, der Techniker Krankenkasse. Die Debatte "setzt den falschen Schwerpunkt und lenkt vom eigentlichen Problem ab", sagte Jens Baas dem RND. "Die Kurzzeiterkrankungen wie zum Beispiel Erkältungen, die mit einer telefonischen Krankschreibung festgestellt werden können, machen im Vergleich zu Langzeiterkrankungen einen wesentlich geringeren Anteil an den Gesamtfehltagen aus."

Baas sieht daher die Arbeitgeber in der Verantwortung, denn diese könnten "maßgeblich zur Gesundheit ihrer Beschäftigten beitragen". Gerade Langzeiterkrankungen wie Depressionen oder Burn-Out hingen "häufig auch mit der Arbeitszufriedenheit und Belastungen am Arbeitsplatz zusammen". Die Unternehmen selbst könnten das Belastungspotenzial ihrer Beschäftigten durch Verbesserungen der Rahmenbedingungen deutlich reduzieren.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, schloss sich ausdrücklich der Haltung der Hausärzte an. "Die Fakten sind eindeutig": Es gebe "keine belastbaren Belege für systematischen Missbrauch" der telefonischen Krankschreibung, erklärte er. Das bestätigten die Abrechnungsdaten der Krankenkassen ebenso wie die Erfahrungen aus der Praxis. Die Politik dürfe nicht auf "Arbeitgebermärchen" hereinfallen.

DAK-Chef Storm plädierte im Bayerischen Rundfunk unterdessen für die Einführung einer Teilkrankschreibung - damit nicht vollständig arbeitsfähige Beschäftigte teilweise arbeiten könnten, etwa im Homeoffice oder bei Wiedereingliederung. Dieses Instrument habe sich "insbesondere in skandinavischen Ländern bewährt", sagte der frühere CDU-Politiker. Es könne auch hierzulande eingeführt werden, denn es würde die Krankenstandsquote "signifikant" senken.

H.Ercolani--PV

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