Pallade Veneta - Trump kritisiert Rolle der Nato-Verbündeten in Afghanistan: Große Empörung in Europa

Trump kritisiert Rolle der Nato-Verbündeten in Afghanistan: Große Empörung in Europa


Trump kritisiert Rolle der Nato-Verbündeten in Afghanistan: Große Empörung in Europa
Trump kritisiert Rolle der Nato-Verbündeten in Afghanistan: Große Empörung in Europa / Foto: Ben STANSALL - AFP/Archiv

Die Regierungen in europäischen Nato-Ländern haben empört auf die Kritik von US-Präsident Donald Trump zum früheren Engagement der Verbündeten in Afghanistan reagiert. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärte am Samstag, Deutschland habe bei dem Einsatz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 mit über 60 Toten einen hohen Preis bezahlt. Nach ebenfalls deutlicher Kritik aus London lobte Trump die Rolle der britischen Soldaten in Afghanistan.

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"Die großen und sehr tapferen Soldaten des Vereinigten Königreichs werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen!", schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. 457 britische Soldaten seien in Afghanistan gestorben und viele weitere schwer verletzt worden. "Sie gehörten zu den größten Kriegern", schrieb Trump weiter.

Der US-Präsident hatte am Freitag die Bedeutung der Truppen aus Nato-Partnerstaaten für den Afghanistan-Einsatz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu schmälern versucht. "Sie werden sagen, dass sie einige Truppen nach Afghanistan geschickt haben", sagte er im Sender Fox News über andere Nato-Mitglieder. "Und das haben sie auch, aber sie blieben etwas zurück, etwas abseits der Front."

Zugleich wiederholte der US-Präsident seine Behauptung, dass die Nato den USA nicht zu Hilfe kommen würde, falls sie darum gebeten würde.

Großbritanniens Premier Keir Starmer sagte daraufhin, er empfinde Trumps Äußerungen als "beleidigend und wirklich erschreckend" sowie verletzend für alle, deren Angehörige in Afghanistan getötet oder verletzt worden seien. Er legte dem US-Präsidenten nahe, sich bei den Betroffenen zu entschuldigen.

Bei einem Telefonat mit Trump würdigte Starmer am Samstag nach Angaben von Downing Street "die mutigen und heldenhaften britischen und amerikanischen Soldaten, die Seite an Seite in Afghanistan gekämpft haben". Viele seien in Afghanistan getötet worden. "Wir dürfen ihr Opfer niemals vergessen", betonte der Premierminister.

Der britische Prinz Harry, der in Afghanistan gedient hatte, erinnerte ebenfalls an das Schicksal der Gefallenen und Angehörigen. Deren "Opfer verdienen es, das wahrheitsgemäß und respektvoll über sie gesprochen wird".

Großbritannien hatte nach Angaben des Verteidigungsministeriums 150.000 Soldaten nach Afghanistan entsandt und stellte damit nach den USA das zweitgrößte Truppenkontingent. Die US-Streitkräfte hatten laut Berichten in Afghanistan mehr als 2400 Tote zu verzeichnen.

Berlin widersprach Trumps Darstellung ebenfalls: "Unsere Bundeswehr stand bereit, als unsere amerikanischen Verbündeten nach dem islamistischen Terroranschlag von 2001 um Unterstützung gebeten haben", erklärte Verteidigungsminister Pistorius. "Für diesen Mut und den hochprofessionellen Einsatz ist Deutschland unserer Bundeswehr sehr dankbar." Das Land habe dafür einen hohen Preis bezahlt, 59 Soldaten und drei Polizisten seien dabei getötet worden, fügte Pistorius hinzu.

Auch in Kopenhagen sorgten Trumps Äußerungen für Unmut. "Es ist inakzeptabel, dass der US-Präsident das Engagement der verbündeten Soldaten in Afghanistan in Frage stellt", erklärte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen im Onlinedienst Facebook. Dänemark sei im internationalen Afghanistan-Einsatz eines der Nato-Länder mit den höchsten Verlusten gewesen, betonte die Regierungschefin.

"Meine Gedanken sind bei den Veteranen, euren Familien und Liebsten, die dies in keiner Art und Weise verdient haben", fügte sie mit Blick auf Trumps Äußerungen hinzu. Der dänischen Armee zufolge wurden in Afghanistan 44 ihrer Soldatinnen und Soldaten getötet.

Italiens Außenminister Antonio Tajani erinnerte im Onlinedienst X an die 53 in Afghanistan getöteten italienischen Armeeangehörigen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach den französischen Afghanistan-Gefallenen und deren Hinterbliebenen seine Anerkennung aus, wie aus Regierungskreisen verlautete. Trumps "inakzeptable Äußerungen bedürfen keines Kommentars", hieß es weiter.

Das Eingreifen der Nato in Afghanistan nach den Anschlägen in den USA vom 11. September 2001 markierte das erste und einzige Mal, dass die Nato den Bündnisfall gemäß Artikel 5 ausrief. Der Einsatz endete 2021 mit einem chaotischen Abzug nach dem Vorrücken der radikalislamischen Taliban in Afghanistan.

Der Unmut über Trumps Afghanistan-Äußerungen folgt auf einen Streit um Grönland. Trump hatte immer wieder Anspruch auf die rohstoffreiche Insel erhoben und wiederholt betont, sich das zum Nato- und EU-Mitglied Dänemark gehörende autonome Gebiet notfalls mit Gewalt zu "nehmen".

Nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos am Mittwoch vollzog Trump eine Kehrtwende. Mit einem späteren Abkommen soll der Streit beigelegt werden.

E.M.Filippelli--PV

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