Pallade Veneta - Frankreich will "Ehepflicht" abschaffen

Frankreich will "Ehepflicht" abschaffen


Frankreich will "Ehepflicht" abschaffen
Frankreich will "Ehepflicht" abschaffen / Foto: Thomas SAMSON - AFP/Archiv

In Frankreich ist Sex in der Ehe künftig ausdrücklich optional. "Die Lebensgemeinschaft begründet für die Ehegatten keinerlei Verpflichtung, sexuelle Beziehungen zu haben", so steht es in einem Gesetzentwurf, über den am Mittwoch die Nationalversammlung abstimmen sollte. "Es ist wichtig, dass es alle wissen: Es gibt keine Ehepflicht, auch unter Eheleuten darf es Geschlechtsverkehr nur mit beiderseitiger Zustimmung geben", sagte die Anwältin Delphine Zoughebi.

Textgröße ändern:

Zoughebi hatte sich im Januar 2025 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erfolgreich für eine Frau eingesetzt, der bei einer Scheidung in Frankreich die Schuld zugesprochen worden war, weil sie Sex mit ihrem Mann verweigert hatte. Das Menschenrechtsgericht hatte Frankreich wegen des Festhaltens an einer "ehelichen Pflicht" verurteilt. Diese steht als solche nicht im französischen Gesetz, geht aber nach der Interpretation mancher Richter daraus hervor.

Die Existenz einer "ehelichen Pflicht" stehe "im Widerspruch zur sexuellen Freiheit und zum Recht auf den eigenen Körper", hieß es in der Urteilsbegründung. Jeder Geschlechtsverkehr ohne Zustimmung sei ein Akt sexueller Gewalt.

Die Gesetzesänderung sei nötig, um klarzustellen, dass die Ehe "kein rechtsfreier Raum beim Einverständnis zum Sex" ist, betonte die Grünen-Abgeordnete Marie-Charlotte Garin, die das Gesetz eingebracht hat.

Bislang zählt das französische Gesetz vier Ehepflichten auf: Treue, Beistand, Unterstützung und Lebensgemeinschaft. Eine Pflicht zum Geschlechtsverkehr ist nicht erwähnt. In der Vergangenheit sei die "Lebensgemeinschaft" aber häufig im Sinne einer "Bettgemeinschaft" ausgelegt worden, erklärt die Abgeordnete.

Durch die implizite Anerkennung einer Ehepflicht habe das französische Recht Geschlechtsverkehr unter Zwang legalisiert, betonte Garin weiter. Der Gesetzentwurf hält daher auch fest, dass im Scheidungsfall niemandem die Schuld zugesprochen werden könne, weil er oder sie Sex mit dem Ehepartner verweigert habe.

In Frankreich gibt es anders als in Deutschland noch das Schuldprinzip bei Scheidungen, es wird aber immer seltener genutzt. In Deutschland wurde dies durch das Zerrüttungsprinzip abgelöst.

Es wird damit gerechnet, dass der Text in der Nationalversammlung eine Mehrheit findet. Er geht dann an den Senat und könnte vor dem Sommer verabschiedet werden.

In Frankreich hat das höchste Berufungsgericht erst 1990 den Tatbestand der Vergewaltigung zwischen Ehegatten anerkannt. Seit 2006 steht dies im Strafgesetzbuch.

P.Colombo--PV

Empfohlen

Kurz vor Nato-Gipfel: Trump teilt erneut gegen Alliierte aus

Wenige Tage vor dem Nato-Gipfel in Ankara hat US-Präsident Donald Trump die Unterstützung seines Landes für das Militärbündnis erneut in Frage gestellt. Es wäre "lächerlich", die "einseitige" Beziehung zu den Alliierten fortzusetzen, schrieb Trump am Donnerstag (Ortszeit) auf seiner Online-Plattform Truth Social.

Merz empfängt Staats- und Regierungschefs der baltischen Staaten in Berlin

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfängt am Freitag die Staats- und Regierungschefs der drei baltischen Staaten in Berlin. Zu dem Treffen im sogenannten B3+1-Format begrüßt Merz nach Angaben der Bundesregierung Lettlands Regierungschef Andris Kulbergs, Estlands Regierungschef Kristen Michal und Litauens Präsidenten Gitanas Nauseda im Bundeskanzleramt. Das Treffen soll gegen 13.00 Uhr beginnen, im Anschluss ist ein gemeinsamer Pressetermin geplant.

Online-Medien: Chef von AfD-Nachwuchs fordert mehr inhaltliche Tiefe seiner Partei

Im Vorfeld des AfD-Parteitages am Wochenende in Erfurt hat der Chef der Nachwuchsorganisation "Generation Deutschland" mehr inhaltliche Tiefe der Partei bei Diskussionen auf Online-Plattformen gefordert. "Wir als AfD sagen noch viel zu häufig nur, wogegen wir sind, und spitzen da extrem zu", sagte Jean-Pascal Hohm der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagsausgabe).

Parlamentswahl in Algerien: Beteiligung offenbar auf historischem Tief

Bei der Parlamentswahl in Algerien zeichnet sich eine historisch schlechte Wahlbeteiligung ab: Ersten Zahlen zufolge gaben nur gut 20 Prozent der Wahlberechtigten am Donnerstag ihre Stimme ab. Diese Zahl sei aber "provisorisch", betonte am Abend der Chef der Wahlkommission, Karim Khelfane. Sie werde sich "vermutlich noch ändern oder verschieben".

Textgröße ändern: