Pallade Veneta - Koalition will Zugang zu Daten über kritische Infrastruktur einschränken

Koalition will Zugang zu Daten über kritische Infrastruktur einschränken


Koalition will Zugang zu Daten über kritische Infrastruktur einschränken
Koalition will Zugang zu Daten über kritische Infrastruktur einschränken / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Die schwarz-rote Koalition zieht Konsequenzen aus den Anschlägen auf das Berliner Stromnetz und andere wichtige Versorgungseinrichtungen: Union und SPD vereinbarten am Mittwoch im Koalitionsausschuss, sie wollten öffentlich zugängliche Standortdaten zu sogenannter kritischer Infrastruktur "nach Möglichkeit einschränken". Denn die öffentliche Verfügbarkeit erleichtere "Anschläge, Ausspähungsversuche und Sabotageakte" sowohl durch inländische Extremisten als auch ausländische Mächte.

Textgröße ändern:

Durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke waren im Südwesten Berlins Anfang Januar vorübergehend 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe ohne Strom. Es dauerte mehrere Tage, bis sie wieder alle am Netz waren. Zu dem Anschlag bekannte sich eine linksextremistische Gruppe. Danach gab es eine Diskussion darüber, warum sensible Standortdaten zu solchen Anlagen weiter im Netz zugänglich sind.

Nach früheren Anschlägen sei der Vorfall in Berlin "eine erneute Warnung" gewesen, sagte Kanzler Friedrich Merz (CDU) nach Beratungen des Koalitionsausschusses. Bund und Länder würden nun überprüfen, "wie viele Informationen sie über diese Schlüsseleinrichtungen unserer Infrastruktur in Zukunft preisgeben". Der Schutz solcher Anlagen stehe dabei fortan "vor dem Wunsch nach Transparenz".

Hierzu soll es nach einem Ergebnispapier des Treffens auch gegebenenfalls Rechtsänderungen geben, um Transparenzvorgaben für die Betreiber abzuschwächen. Eine entsprechende Gesetzesinitiative solle "umgehend auf den Weg gebracht werden".

"Bei Schäden wollen wir schneller reparieren können und schnell auch in die Notversorgung gehen können", sagte Merz weiter. Dafür brauche es Investitionen. Auch die Wirtschaft müsse sich hier besser wappnen und insbesondere ihre Lieferketten besser schützen.

CSU-Chef Markus Söder sagte, auf auf Ebene der Bundesländer müsse alles getan werden, "um all diese kritischen Infrastrukturen zu überprüfen". In seinem Bundesland werde dazu "ein eigenes bayerisches Landesamt für Bevölkerungsschutz" eingerichtet, das die Koordinierung übernehme, sagte der bayerische Ministerpräsident.

Das Treffen stand unter dem Eindruck einer zunehmend schwierigen internationalen Lage: Neben dem nunmehr seit fast vier Jahren andauernden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine gehört dazu auch das zunehmend schwierige Verhältnis zu den USA unter Präsident Donald Trump. Dieser hatte im Streit um Grönland auch Deutschland jüngst mit Strafzöllen gedroht, wenn es der Übernahme der Arktis-Insel durch die USA nicht zustimme.

"Die Welt befindet sich inmitten eines Epochenbruchs", heißt es in einer im Ergebnispapier des Koalitionstreffens enthaltenen "Agenda für Resilienz und mehr Souveränität". "Anstelle des regelbasierten Multilateralismus spielen wenige Großmächte zunehmend ihre wirtschaftliche und militärische Dominanz für ihre geostrategischen Ziele aus."

Union und SPD ziehen daraus den Schluss, dass Deutschland und auch Europa "stärker werden" müssen, um hier zu bestehen. "Doch jede Art von Stärke, sei sie militärischer oder technologischer Art, beruht am Ende auf wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, der Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern und Arbeitgebern", heißt es in dem Text.

Deutschland müsse deshalb in drei Bereichen "besser werden", sagte Merz. "Bei Innovation Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit." Dies müsse Teil der nun anstehenden Reformen sein.

SPD-Chef und Vize-Kanzler Lars Klingbeil verwies auch auf die europäische Ebene, um Abhängigkeiten etwa von den USA zu verringern. Er nannte dabei die seit Jahren diskutierte Einführung des digitalen Euro und sah ein "Ökosystem europäischer Bezahlsysteme" als Ziel. "Angesichts der geopolitischen Lage" müsse nun jedem klar sein, "dass man jetzt den Knoten durchschlagen muss".

Merz sagte, die Bundesregierung wolle "dafür werben, den Euro als Leitwährung auf der Welt neben dem Dollar" zu etablieren. "Das würde unsere Abhängigkeit vom Dollarkurs auch reduzieren", sagte er mit Blick auf die aktuelle Dollar-Schwäche. Für die deutsche Exportwirtschaft sei dieser derzeit "eine erhebliche Last".

Nach der gemeinsamen Pressekonferenz wurden die Beratungen im Kanzleramt am Abend fortgesetzt.

F.Amato--PV

Empfohlen

Kurz vor Nato-Gipfel: Trump teilt erneut gegen Alliierte aus

Wenige Tage vor dem Nato-Gipfel in Ankara hat US-Präsident Donald Trump die Unterstützung seines Landes für das Militärbündnis erneut in Frage gestellt. Es wäre "lächerlich", die "einseitige" Beziehung zu den Alliierten fortzusetzen, schrieb Trump am Donnerstag (Ortszeit) auf seiner Online-Plattform Truth Social.

Merz empfängt Staats- und Regierungschefs der baltischen Staaten in Berlin

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfängt am Freitag die Staats- und Regierungschefs der drei baltischen Staaten in Berlin. Zu dem Treffen im sogenannten B3+1-Format begrüßt Merz nach Angaben der Bundesregierung Lettlands Regierungschef Andris Kulbergs, Estlands Regierungschef Kristen Michal und Litauens Präsidenten Gitanas Nauseda im Bundeskanzleramt. Das Treffen soll gegen 13.00 Uhr beginnen, im Anschluss ist ein gemeinsamer Pressetermin geplant.

Online-Medien: Chef von AfD-Nachwuchs fordert mehr inhaltliche Tiefe seiner Partei

Im Vorfeld des AfD-Parteitages am Wochenende in Erfurt hat der Chef der Nachwuchsorganisation "Generation Deutschland" mehr inhaltliche Tiefe der Partei bei Diskussionen auf Online-Plattformen gefordert. "Wir als AfD sagen noch viel zu häufig nur, wogegen wir sind, und spitzen da extrem zu", sagte Jean-Pascal Hohm der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagsausgabe).

Parlamentswahl in Algerien: Beteiligung offenbar auf historischem Tief

Bei der Parlamentswahl in Algerien zeichnet sich eine historisch schlechte Wahlbeteiligung ab: Ersten Zahlen zufolge gaben nur gut 20 Prozent der Wahlberechtigten am Donnerstag ihre Stimme ab. Diese Zahl sei aber "provisorisch", betonte am Abend der Chef der Wahlkommission, Karim Khelfane. Sie werde sich "vermutlich noch ändern oder verschieben".

Textgröße ändern: