Pallade Veneta - Warnung vor Abriss des Sozialstaats: Bas und Klingbeil starten SPD-Programmklausur

Warnung vor Abriss des Sozialstaats: Bas und Klingbeil starten SPD-Programmklausur


Warnung vor Abriss des Sozialstaats: Bas und Klingbeil starten SPD-Programmklausur
Warnung vor Abriss des Sozialstaats: Bas und Klingbeil starten SPD-Programmklausur / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Mit Appellen zur Bewahrung des Sozialstaats hat die SPD die Arbeit an ihrem neuen Grundsatzprogramm begonnen. Der Sozialstaat in Deutschland stehe aktuell "vor einer Bewährungsprobe, er wird in seiner Existenz in Frage gestellt", sagte die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas am Samstag in einer Grundsatzrede bei der Auftaktveranstaltung für den Programmprozess in Berlin. Die SPD müsse hier dagegenhalten, forderte die Parteichefin.

Textgröße ändern:

Der Sozialstaat werde in der aktuellen Debatte oft "als Bremsklotz wirtschaftlichen Wachstums diffamiert - obwohl das Gegenteil der Fall ist", sagte Bas. "Gerade in Zeiten, in denen Menschen verunsichert sind, gerade in Zeiten, in denen große Veränderungen passieren, brauchen die Menschen auch ein Netz der Sicherheit." Die SPD wolle ein Konzept für einen modernen Sozialstaat anbieten, der Veränderungen der Arbeitswelt etwa durch Künstliche Intelligenz und Digitalisierung berücksichtige.

Ko-Parteichef Lars Klingbeil kündigte an, die SPD werde in Zukunft den Wert "öffentlicher Güter" und "kollektiver Infrastruktur" stärken. Als Beispiele nannte er bezahlbaren Wohnraum, ärztliche Versorgung, Straßen und öffentlichen Nahverkehr, Parks und Gemeindezentren.

Die SPD habe in der Vergangenheit "zu stark über Individualisierung und zu wenig über kollektive Infrastruktur geredet", kritisierte Klingbeil. Dabei seien solche öffentlichen Güter "zutiefst demokratisch". Die SPD müsse gegen die wachsende Ungleichheit im Land vorgehen.

Das aktuelle SPD-Grundsatzprogramm stammt noch von 2007. Das neue soll 2027 stehen. Die von anhaltend schwachen Umfragewerten geplagte SPD will dabei ihre klassischen Schwerpunktthemen wie Arbeit, Bildung und Gerechtigkeit mit den großen Herausforderungen der neuen Zeit zu verknüpfen: Künstliche Intelligenz, eine neue Weltordnung und eine Demokratie, die auf die Probe gestellt wird.

Bas kritisierte in ihrer Rede Vorschläge, die zuletzt auch aus den Reihen des Koalitionspartners CDU gekommen waren - etwa zur Einschränkung von Teilzeit oder zur privaten Vorsorge für die Pflege. "Das alles ist eine Abrissbirne für Arbeitnehmerrechte", sagte die SPD-Vorsitzende. Es handle sich um Vorschläge "ohne Respekt vor den Problemen ganz normaler Menschen in diesem Land".

Die SPD müsse bei diesen Themen dagegen halten, sagte Bas. "Wir erneuern mit dieser SPD das Zukunftsversprechen für dieses Land." Die Botschaft laute: "Ihr dürft darauf vertrauen, dass diese Gesellschaft für Euch da ist."

Bei der bis Sonntag dauernden Klausur in Berlin will die SPD zu drei Komplexen Papiere debattieren und beschließen: Wirtschaft, Außenpolitik und Sozialstaat. Ziel ist es laut Bas, den Übergang von der sozialen Marktwirtschaft zu einer digitalen sozialen Marktwirtschaft zu gestalten. "Der Sozialstaat ist dabei eine tragende Säule", sagte sie in ihrer Grundsatzrede. "Er ist für Millionen von Menschen da."

Klingbeil sagte, die SPD müsse sich dabei als "Bollwerk gegen Rechtsextremismus" profilieren. Demokratie und Rechtsstaat seien weltweit durch finanzstarke rechtsextreme Kräfte unter Druck. "Ihre Strategie zehrt von einem Ohnmachtsgefühl, das wir mittlerweile in vielen westlichen Industriegesellschaften erleben und das teils gezielt verbreitet wird", sagte Klingbeil. Die SPD wolle dem "Zuversicht und Menschlichkeit" entgegensetzen: "das Fundament einer Politik, die Demokratie stärkt".

D.Bruno--PV

Empfohlen

Kurz vor Fristende: EU streitet über Aufhebung von Sanktionen gegen russische Oligarchen

Wenige Stunden vor Ablauf einer Frist für die Verlängerung der Sanktionen gegen Russland ringen die EU-Länder weiter um ein Ergebnis. Im Streit um die Streichung zweier russischer Oligarchen von der Sanktionsliste zeichnete sich am Dienstag EU-Diplomaten zufolge zunächst keine Einigung ab. Während die Gespräche zwischen den EU-Botschaftern in Brüssel am Nachmittag fortgesetzt werden sollten, forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine "rechtzeitige und bedingungslose Verlängerung der individuellen Sanktionen".

G7-Staaten fordern Ende der Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien und die Schifffahrt

Angesichts des sich zuspitzenden Konflikts haben die G7-Staaten von der pro-iranischen Huthi-Miliz im Jemen ein Ende der Angriffe auf Saudi-Arabien und die internationale Schifffahrt gefordert. Alle Militäraktionen müssten eingestellt werden, erklärten Deutschland und seine Partner am Dienstag. Indes warfen die Huthis Riad neue Angriffe im Jemen vor, darunter eine tödliche Attacke auf ein Gefängnis im Nordwesten des Landes.

Wadephul vor UN-Generaldebatte: Vereinte Nationen müssen "effizienter werden"

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat kurz vor Beginn der UN-Generaldebatte in New York die Notwendigkeit einer Reform der Vereinten Nationen bekräftigt. "Ohne Zweifel müssen die Vereinten Nationen effizienter werden", sagte Wadephul am Mittwoch in New York vor Journalisten. "Wir brauchen eine funktionierende UN, die die großen globalen Fragen adressiert, die eine Rolle bei der Lösung von Konflikten spielt und diese nicht vor allem verwaltet", betonte der Minister.

Endgültiges Ergebnis bestätigt Wahlausgang in Sachsen-Anhalt

Mehr als zwei Wochen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der Landeswahlausschuss das endgültige amtliche Ergebnis festgestellt und die vorläufigen Zahlen bestätigt. Die AfD gewann die Wahl am 6. September mit 43,8 Prozent und damit mit großem Vorsprung, wie der Wahlausschuss am Dienstag in Magdeburg mitteilte. Die CDU erhielt 17,2 Prozent.

Textgröße ändern: