Pallade Veneta - Derbe Worte und Koalitionsstreit über Erbschaftsteuer bei politischem Aschermittwoch

Derbe Worte und Koalitionsstreit über Erbschaftsteuer bei politischem Aschermittwoch


Derbe Worte und Koalitionsstreit über Erbschaftsteuer bei politischem Aschermittwoch
Derbe Worte und Koalitionsstreit über Erbschaftsteuer bei politischem Aschermittwoch / Foto: Michaela STACHE - AFP/Archiv

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als "Meckerfritze" und AfD-Chefin Alice Weidel als "blonder Eisschrank": Die Parteien haben den politischen Aschermittwoch auch zu persönlichen Angriffen auf ihre politischen Gegner genutzt. Wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nutzten die Redner ihre Auftritte zum teils derben Schlagabtausch, die Koalitionsparteien SPD und CSU stritten über die Erbschaftsteuer.

Textgröße ändern:

Der politische Aschermittwoch ist traditionell von kräftiger Wortwahl der Politiker geprägt. Zur größten Kundgebung kamen etwa 4000 Menschen zur CSU in Passau.

CSU-Chef Markus Söder nahm vor allem AfD, Linke und Grüne ins Visier. Linken-Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek nannte er in seiner launigen, zuweilen derben Rede eine "Rosa Luxemburg für Arme", AfD-Chefin Alice Weidel einen "blonden Kühlschrank aus der Schweiz".

Der Grünen-Bundestagsfraktionschefin Katharina Dröge warf Söder vor, dass ihre Partei im Europaparlament mit der AfD gegen das Mercosur-Abkommen gekämpft habe, obwohl sie der Union immer vorwerfe, gegen die Brandmauer zur AfD zu verstoßen. "Ihr habt kein Recht, anderen immer Belehrungen zu geben", sagte Söder an die Adresse Dröges.

Söder lehnte vehement höhere Belastungen für die Bürger ab. Höhere Benzinpreise oder auch eine höhere Erbschaftsteuer werde es mit ihm nicht geben. Die Erbschaftsteuer sei eine Neidsteuer. Auch eine Lockerung der Schuldenbremse schloss er aus. "Wir machen keine Aufweichung der Schuldenbremse - es reicht mit den Schulden in Deutschland."

SPD-Chef Lars Klingbeil hielt trotz des Neins von Söder an der SPD-Forderung nach einer Erhöhung der Erbschaftsteuer fest. Beim politischen Aschermittwoch der SPD in Vilshofen sagte Klingbeil, eine gerechtere Vermögensverteilung sorge auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt. "Bei der riesigen Summe der Erbschaften, die in unserem Land verteilt werden, ist es doch nur gerecht, wenn wir darüber sprechen, dass man über eine moderate Erhöhung mehr Gleichheit auch in diesem Land schaffen kann."

Klingbeil kündigte ein schärferes Vorgehen gegen Steuerbetrüger an. Als Bundesfinanzminister habe er diesbezüglich "einiges vor". Bei Steuerbetrug und internationaler Finanzkriminalität würden sich viele in Deutschland beteiligen. "Da müssen wir uns darum kümmern, sowohl bei denen, die den Sozialstaat nutzen, aber auch bei denen, die reich sind in diesem Land." An keiner Stelle dürfe es Betrug auf Kosten des Staats und der Allgemeinheit geben, betonte der SPD-Vorsitzende.

Mit launigen Worten verspottete Grünen-Fraktionschefin Dröge Kanzler Merz als "Meckerfritzen im Kanzleramt". In Landshut sagte Dröge, der Kanzler erinnere sie an einen "Opa im Feinrippunterhemd" aus dem Ruhrgebiet, der aus seinem Fenster heraus "den ganzen Tag das Volk vollnörgelt". "So einen Kanzler hat dieses Land nicht verdient", sagte Dröge weiter. Eigentlich sei ein Regierungschef nötig, der ein Gefühl von Gemeinschaft, Zusammenhalt und auch Wertschätzung hinbekomme. Merz mache dagegen allen schlechte Laune.

Beim politischen Aschermittwoch der AfD äußerte sich der baden-württembergische Spitzenkandidat Markus Frohnmaier zur Verwandtenaffäre seiner Partei. Frohnmaier sprach von einer "Medienkampagne". Es sei der Versuch, seine Partei kleinzuhalten und deren Erfolg auszubremsen. In der Affäre geht es um die Anstellung von Familienangehörigen bei AfD-Parlamentariern. So wurde bekannt, dass mehrere Familienangehörige von AfD-Landespolitikern aus Sachsen-Anhalt in Bundestagsbüros von AfD-Abgeordneten angestellt sind.

Linken-Chef Jan van Aken attackierte in Stuttgart vor allem Reiche. Bei Milliardären sei das Problem, dass sie sich die Politik kauften, sagte er. Deshalb sei eine Milliardärssteuer nötig - davon hänge ab, ob Schwimmbäder existieren könnten oder nicht.

Z.Ottaviano--PV

Empfohlen

Irland übernimmt rotierende EU-Ratspräsidentschaft von Zypern

Irland übernimmt am Mittwoch von Zypern die rotierende EU-Ratspräsidentschaft. Das Land hat für sechs Monate den Vorsitz im Rat der EU-Staaten inne und ist dafür verantwortlich, Kompromisse zwischen den 27 Mitgliedsländern auszuhandeln. Zum Auftakt der Ratspräsidentschaft reisen die EU-Kommissare und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen noch in dieser Woche nach Dublin.

Kabinett tagt im Verteidigungsministerium - Nato-Generalsekretär Rutte zu Gast

Das Bundeskabinett legt bei seiner Sitzung am Mittwoch den Schwerpunkt auf die Stärkung der Bundeswehr und die Vorbereitung des Nato-Gipfels in der kommenden Woche. Es tagt am Vormittag (10.00 Uhr) zum zweiten Mal seit dem Start der schwarz-roten Koalition im Bundesverteidigungsministerium in Berlin. Als Gast nimmt Nato-Generalsekretär Mark Rutte teil. Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) treten danach mit Rutte vor die Presse (12.00 Uhr).

Koalitionsausschuss berät über Reihe großer Reformen und Streitthemen

Die Spitzen der schwarz-roten Bundesregierung kommen am Mittwochnachmittag im Kanzleramt zu ihrem entscheidenden Koalitionsausschuss vor der Sommerpause zusammen. (14.30 Uhr). Dabei wollen die Koalitionäre eine Reihe von Reformen festzurren oder zumindest einen Zeitplan aufstellen - etwa bei der geplanten Einkommensteuerreform, der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts und beim Bürokratieabbau. Regierungssprecher Stefan Kornelius hatte ein "großes Paket" angekündigt.

USA haben mit Abschiebung von ungewollten Migranten nach Palau begonnen

Die USA haben mit der Abschiebung von ungewollten Migranten in den kleinen Pazifik-Inselstaat Palau begonnen. Dies teilte am Mittwoch das Büro von Palaus Präsidenten Surangel Whipps der Nachrichtenagentur AFP mit. Der erste aus den USA abgeschobene Migrant sei bereits Ende Mai eingetroffen. "Wir brachten ihn zu seiner vorübergehenden Unterkunft und halfen ihm, ein Telefon anzuschließen und sich einzurichten."

Textgröße ändern: