Pallade Veneta - "Menschenfreundin, Möglichmacherin": Rita Süssmuth mit Trauerstaatsakt geehrt

"Menschenfreundin, Möglichmacherin": Rita Süssmuth mit Trauerstaatsakt geehrt


"Menschenfreundin, Möglichmacherin": Rita Süssmuth mit Trauerstaatsakt geehrt
"Menschenfreundin, Möglichmacherin": Rita Süssmuth mit Trauerstaatsakt geehrt / Foto: John MACDOUGALL - AFP

"Menschenfreundin, Möglichmacherin, Demokratin mit Herz und Verstand": Mit großen Worten der Würdigung hat die Staatsspitze am Dienstag bei einem Trauerstaatsakt im Bundestag Abschied von der verstorbenen früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth genommen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (beide CDU) erinnerten an den Einsatz der CDU-Politikerin für Frauen, Gleichberechtigung und ein faires menschliches Miteinander. Süssmuth war am 1. Februar mit 88 Jahren gestorben.

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"Rita Süssmuth war eine Politikerin, die gesellschaftliche Fragen früher erkannte, als andere es taten", sagte Klöckner in ihrer Rede im Bundestag. Sie erinnerte an eine "Frau in einer männergeprägten Politikwelt", die weder Tabus noch Gegenwind aus den eigenen Reihen gescheut habe. Wer sie "unbequem nannte, der machte ihr vielleicht ungewollt ein Kompliment".

"Ihr ganz großes Lebensthema, das waren die Frauen", fuhr Klöckner fort. Deren Selbstbestimmung sei ihr Lebensthema gewesen. Sie habe sich nicht nur für verbindliche Quoten, für Parität im Parlament und ein liberales Abtreibungsrecht eingesetzt, sondern zum Beispiel auch auf weiblichen Amtsbezeichnungen bestanden. "Sie ließ Mappen, Schilder und Akten neu drucken", sagte Klöckner. Das alles sei aus der Überzeugung einer "demokratischen Notwendigkeit" heraus geschehen.

Süssmuth stammte aus Wuppertal. Sie promovierte 1964 in Erziehungswissenschaft und wurde Professorin. Erst mit 44 Jahren zog es sie in die Politik. Bereits 1985 wurde sie überraschend neue Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit im Kabinett von CDU-Kanzler Helmut Kohl. In dem 1986 um den Bereich Frauen erweiterten Ressort machte die engagierte Katholikin schnell mit einer liberalen Linie in der Frauen- und Abtreibungspolitik auf sich aufmerksam.

Auch im Umgang mit der damals gerade aufkommenden Immunschwächekrankheit Aids setzte Süssmuth eigene Akzente: Leidenschaftlich kämpfte sie gegen die Ausgrenzung der Erkrankten. Im Jahr 1988 wurde sie schließlich Bundestagspräsidentin und hatte damit plötzlich das zweithöchste Amt im Staat inne. An der Spitze des Parlaments gestaltete sie die Wiedervereinigung mit.

"Sie war in allen ihren Ämtern und Funktionen beharrlich", sagte Merz über Süssmuth - und würdigte sie zugleich als "umfassend fachlich exzellent". Süssmuth sei streitbar und "ziemlich oft ziemlich unbequem" gewesen, auch für seine Partei, fuhr Merz fort. Zugleich sei sie ihrer Zeit in mancher Hinsicht voraus gewesen.

"Sie hat patriarchale Machtstrukturen und rückwärtsgewandtes Denken herausgefordert", sagte der Kanzler anerkennend. "Sie hat unser Land zum Besseren gefordert." Stets sei es ihr im Kern darum gegangen, wie alle Menschen ein menschenwürdiges Leben miteinander führen können und wie der Staat so eingerichtet werden könne, dass er der Menschenwürde diene.

Süssmuth ist erst die dritte Frau in der Geschichte der Bundesrepublik, die mit einem Trauerstaatsakt geehrt wird. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte den Staatsakt angeordnet. Anwesend im Bundestag waren unter anderem auch die früheren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) und Wolfgang Thierse (SPD) sowie Sabine Bergmann-Pohl (CDU), die Präsidentin der einzigen frei gewählten DDR-Volkskammer. Auch Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) und Altkanzler Olaf Scholz (SPD) sowie Altbundespräsident Christian Wulff (CDU) nahmen teil.

Auf Süssmuths Wunsch hielt auch der Autor und Journalist Heribert Prantl eine Rede. Er würdigte ihre "Menschenfreundlichkeit", die sich immer wieder über die offizielle Linie ihrer Partei hinweggesetzt habe, unter anderem beim Thema Zuwanderung. Zugleich habe Süssmuth "mit souveränem Eigensinn ihrer Partei den Feminismus beizubringen versucht", fuhr er fort. "Vielleicht hätte es ohne Rita Süssmuth eine Kanzlerin Angela Merkel nie gegeben."

Süssmuth habe denen, die um sie trauerten, nun einen Auftrag hinterlassen, sagte Prantl: "Die Andersdenkenden zu achten und sich um die Parität in den Parlamenten zu kümmern."

C.Conti--PV

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