Pallade Veneta - Filmschaffende stellen sich hinter Berlinale-Chefin Tuttle - Vorerst keine Ablösung

Filmschaffende stellen sich hinter Berlinale-Chefin Tuttle - Vorerst keine Ablösung


Filmschaffende stellen sich hinter Berlinale-Chefin Tuttle - Vorerst keine Ablösung
Filmschaffende stellen sich hinter Berlinale-Chefin Tuttle - Vorerst keine Ablösung / Foto: RALF HIRSCHBERGER - AFP/Archiv

Tausende Filmschaffende haben sich am Donnerstag mit Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle solidarisiert. Tuttle war zuvor wegen ihres Umgangs mit israelfeindlichen Äußerungen bei der Filmpreis-Verleihung am Sonntag kritisiert worden, vor allem aus der CDU. Zu einer Ablösung der Intendantin kam es auf einer Aufsichtsratssitzung des Berlinale-Trägervereins aber nicht.

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"Die Gespräche über die Ausrichtung der Berlinale werden in den kommenden Tagen zwischen der Intendantin, Tricia Tuttle, und dem Aufsichtsratsgremium fortgesetzt", sagte ein Sprecher von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) nach den Beratungen der Nachrichtenagentur AFP. Aus Teilnehmerkreisen verlautete, die Gespräche unter Weimers Leitung im Berliner Kanzleramt seien "konstruktiv und offen" verlaufen.

Dabei seien auch die israelfeindlichen Äußerungen vom Sonntag Thema gewesen, hieß es weiter. Vor der Aufsichtsratssitzung der Berlinale-Trägergesellschaft Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin (KBB) GmbH hatte es Spekulationen über eine mögliche Ablösung Tuttles gegeben.

Vor einem Angriff auf "den Kern eines unabhängigen Filmfestivals" warnte daraufhin die Deutsche Filmakademie. "Wir sind erschrocken über die Verletzung dieses Raumes und den Versuch der politischen Einflussnahme in Bezug auf die Leitung eines der bekanntesten und bedeutendsten Filmfestivals der Welt", heißt es weiter in einer Stellungnahme. Unterzeichnet wurde diese bis Donnerstagmittag von mehr als 2500 Kulturschaffenden vor allem der Filmbranche, darunter Fatih Akin, Iris Berben, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta und Wim Wenders.

Gegen eine Ablösung Tuttles wandten sich auch in einem offenen Brief rund 700 deutsche und internationale Filmschaffende. Es sei "ein problematisches Signal", wenn "aus einzelnen Wortmeldungen oder symbolischen Deutungen personelle Konsequenzen abgeleitet werden", heißt es darin. "Es geht um den Umgang mit künstlerischer Freiheit und institutioneller Unabhängigkeit", betonen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner.

Der Schriftstellerverband PEN Berlin warnte Weimer davor, die Berlinale "mutwillig zu zerstören". Vielmehr solle dieser "für die Freiheit der Kunst Partei ergreifen", erklärte der Vorsitzende Deniz Yücel.

Anlass für die Kontroverse war der Auftritt des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib, der bei dem Filmfestival für sein Filmdebüt "Chronicles from the Siege" mit einem Preis ausgezeichnet worden war. Er hatte in seiner Dankesrede am Sonntag der Bundesregierung vorgeworfen, "Partner des Völkermords in Gaza zu sein".

Auf der Ablösung Tuttles beharrte auch nach der Aufsichtsratssitzung die CDU-Kulturpolitikerin Ellen Demuth. "Die antisemitischen Ausfälle bei der Preisverleihung in diesem Jahr waren mit Ansage", sagte Demuth am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Der Umgang der Berlinale-Leitung damit sei nicht angemessen gewesen. "Am Ende eines Aufarbeitungsprozesses muss daher auch ein personeller Neuanfang an der Spitze des Filmfestivals stehen."

SPD und Grüne stellten sich hingegen hinter Tuttle. Die Intendantin habe "Vielfalt ermöglicht und Debatten zugelassen. Genau das macht ein internationales Publikumsfestival aus", erklärten die SPD-Abgeordneten Wiebke Esdar und Martin Rabanus. "Wir stehen für eine Berlinale, die streitet, aushält und verbindet – ohne Ausgrenzung, ohne Relativierung von Antisemitismus", betonten beide. Ausdrücklich würdigten sie die Verdienste Tuttles.

"Sollte Tricia Tuttle als Berlinale-Leiterin gehen müssen, wäre das nicht nur ein Schaden für die Berlinale, sondern ein Desaster für die deutsche Kulturpolitik", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien, Sven Lehmann, AFP. Er forderte, Weimer müsse "die Unabhängigkeit der Berlinale verteidigen und jeglichen Eindruck staatlicher Einflussnahme vermeiden". Das Filmfestival lebe "von der künstlerischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven und politischen Haltungen", nicht jedoch "von Einschüchterung".

S.Urciuoli--PV

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