Pallade Veneta - Kretschmann verabschiedet sich mit Appell zu Stärkung von Demokratie und Vertrauen

Kretschmann verabschiedet sich mit Appell zu Stärkung von Demokratie und Vertrauen


Kretschmann verabschiedet sich mit Appell zu Stärkung von Demokratie und Vertrauen
Kretschmann verabschiedet sich mit Appell zu Stärkung von Demokratie und Vertrauen / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Nach 15 Jahren im Amt hat sich Deutschlands erster und bislang einziger Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg mit einem Appell zur Stärkung der Demokratie verabschiedet. "Dass unsere Demokratie funktioniert, ist entscheidend für ihren Fortbestand", sagte de 77-Jährige am Mittwoch bei einer Abschiedsveranstaltung im Neuen Schloss in Stuttgart. Funktionieren heiße, "die Menschen dürfen sich sicher fühlen, sie werden ernst genommen, sie können etwas bewirken".

Textgröße ändern:

Politik dürfe nicht nur fragen, ob etwas "richtig oder falsch" sei, sondern müsse auch prüfen, ob politisches Handeln Vertrauen schaffe und den Menschen Vertrauen entgegenbringe, sagte Kretschmann weiter. Gerade in einer freiheitlichen Gesellschaft der Verschiedenen sei es wichtig, "dass wir beieinander bleiben und zusammenhalten".

Zugleich warb Kretschmann für den Zusammenhalt in Europa. "Wir sind mit unseren europäischen Nachbarn aufs Engste verflochten, politisch, wirtschaftlich und menschlich", betonte Kretschmann. Angesichts der großen Herausforderungen in der Welt sei "diese gelebte Partnerschaft wichtiger denn je".

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die Verdienste Kretschmanns. "In einer Zeit, in der der mediale Raum nach Zuspitzung verlangt, haben Sie das Belastbare, Langsame, das Durchdachte, das Gewachsene gepflegt", sagte Gauck. Kretschmanns politisches Werk strahle "über die Grenzen" des Landes hinaus.

Er habe vielen Menschen einen Halt gegeben durch eine "ruhige Sprache", eine "verlässliche Ernsthaftigkeit" und eine Reife, "die aus gelebtem Verantwortungsbewusstsein" entstehe. Zugleich vereine Kretschmann eine "höchst seltene Kombination" aus "Wille zur Klarheit" und "Mut zum Kompromiss", hob Gauck hervor.

"Sie haben die Demokratie nicht als Arena des Machtkampfs beschrieben und genossen, sondern als einen Raum der gemeinsamen Bewältigung von Herausforderungen", sagte Gauck. Kretschmann sei "kein Politiker, der den Konflikt scheut", sondern einer, der ihn zu "zügeln wusste", damit daraus "die Möglichkeit der Verständigung erwächst".

Baden-Württembergs Innenminister und Vizeministerpräsident Thomas Strobl (CDU) würdigte Kretschmann für seine "unprätentiös pragmatische, behutsame und bodenständige Art". Er betonte, Kretschmann verkörpere eine "bescheidene schwäbische Schaffermentalität". Die Verabschiedung Kretschmanns sei "ein wahrhaft historischer Moment" in der Geschichte des Landes.

Zugleich gewährte Strobl persönliche Einblicke in die Zusammenarbeit mit Kretschmann. Gespräche mit ihm seien "stets bereichernd", manchmal sei bei gemeinsamen Spaziergängen aber auch einfach geschwiegen worden, "weil wir beide der Meinung sind, dass man beim Denken nicht unbedingt immer reden muss".

"Niemals hatte ich einen Partner, mit dem ich so offen, vertrauensvoll und verlässlich zusammenarbeiten durfte", sagte Strobl weiter. "Drei Worte machen es aus: Vertrauen und Verlässlichkeit."

Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner würdigte Kretschmann für eine pragmatische Politik. Kretschmann habe "nie aus dem Blick verloren, dass es am Ende darum geht, das Leben der Menschen zu verbessern", sagte Brantner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er habe gezeigt, "wie wichtig es ist, zuzuhören, Brücken zu bauen und auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, wenn sie dem großen Ganzen dienen".

Zur Verabschiedung Kretschmanns war im Ehrenhof des Neuen Schlosses Stuttgart eine Serenade vorgesehen. Dabei sollte das Heeresmusikkorps der Bundeswehr zu Ehren Kretschmanns ein rund 30-minütiges Konzert mit von ihm ausgewählten Stücken geben.

Kretschmann war bei der Landtagswahl im März aus Altersgründen nicht mehr angetreten. Er war der erste Ministerpräsident der Grünen in Deutschland und regierte Baden-Württemberg 15 Jahre lang, so lange wie kein anderer Ministerpräsident vor ihm.

Die Grünen gewannen die Landtagswahl vom März knapp mit Spitzenkandidat Cem Özdemir, dem wahrscheinlichen Nachfolger Kretschmanns. In Stuttgart laufen derzeit Koalitionsverhandlungen mit der zweitplatzierten CDU, die bald abgeschlossen sein sollen. Die Wahl des neuen Ministerpräsidenten im Landtag ist für den 13. Mai geplant.

F.Abruzzese--PV

Empfohlen

Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Ministerpräsidentin Schwesig hat gewählt

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD-Spitzenkandidatin, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, ihre Stimme abgegeben. Sie wählte am Sonntag in Schwerin in Begleitung ihres Ehemanns Stefan. Am Vormittag war bereits Schwesigs Herausforderer von der AfD, Leif-Erik Holm, in der Landeshauptstadt an die Urne gegangen. Zwischen SPD und AfD sehen die Umfragen ein enges Rennen um den Wahlsieg voraus.

Drohnenangriffe auf Moskau an letztem Tag der Parlamentswahl in Russland

Überschattet von Drohnenangriffen auf Moskau haben die Menschen in Russland am dritten und letzten Tag der Parlamentswahl ihre Stimmen abgegeben. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin warf der Ukraine am Sonntag eine versuchte Störung des Urnengangs vor. Bei der Wahl gilt ein Sieg der Partei Geeintes Russland von Präsident Wladimir Putin als sicher. Sie hat seit 2003 alle Parlamentswahlen gewonnen. Neben ihr sind nur andere Kreml-treue Parteien zugelassen.

Abgeordnetenhauswahl Berlin: Erste Spitzenkandidaten haben Stimme abgegeben

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin haben die ersten Spitzenkandidaten ihre Stimme abgegeben. Werner Graf von den Grünen und Steffen Krach von der SPD wählten am Sonntag im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers wollte gegen Mittag in Friedrichshain seine Stimme abgeben, die Linken-Kandidatin Elif Eralp nicht öffentlich wählen.

Trump verwehrt Journalisten von CNN und weiteren US-Medien den Zutritt zum Weißen Haus

Das Weiße Haus hat nach einem Verbot von US-Präsident Donald Trump am Wochenende Ernst gemacht und Journalisten des Nachrichtensenders CNN und zweier weiterer Medien den Zutritt verwehrt. Mitarbeiterinnen von CNN, des Senders MS NOW und des Nachrichtenportals Politico wurden am Samstag an den Zugängen zum Weißen Haus abgewiesen, ihre Zutrittsausweise wurden ihnen abgenommen. Der Verband der White-House-Korrespondenten verurteilte den Schritt als verfassungswidrig.

Textgröße ändern: