Pallade Veneta - Integrationskurse: Zugang wird erleichtert - bleibt aber begrenzt

Integrationskurse: Zugang wird erleichtert - bleibt aber begrenzt


Integrationskurse: Zugang wird erleichtert - bleibt aber begrenzt
Integrationskurse: Zugang wird erleichtert - bleibt aber begrenzt / Foto: Tobias Schwarz - AFP/Archiv

Der eingeschränkte Zugang zu Integrationskursen war auf breite Kritik gestoßen - jetzt gibt es einen Kompromiss: SPD-Fachpolitiker verständigten sich mit dem Bundesinnenministerium über den Zugang von Migrantinnen und Migranten zu den Kursen auf Grundlage von Kontingenten, wie Innenpolitiker der schwarz-roten Koalition am Dienstag mitteilten. Asylbewerber und Geduldete sollen davon aber nicht profitieren, hieß es aus der Union.

Textgröße ändern:

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte Integrationskurse für Zugewanderte aus Kostengründen noch stärker eingeschränkt. Bezahlt werden sollten diese nur noch für Menschen, die dauerhaft in Deutschland bleiben können. In der SPD hatten viele das eigenmächtige Vorgehen Dobrindts als Bruch des Koalitionsvertrages betrachtet. Nun stimmten die Sozialdemokraten allerdings offenbar weiterbestehenden Kürzungen zu.

Nach Angaben des SPD-Innenpolitikers Sebastian Fiedler soll es künftig jedoch keine pauschalen Ablehnungen mehr für freiwillige Integrationskursteilnehmer geben. "Stattdessen haben wir eine kontingentierte Öffnung für freiwillige Teilnahmen vor allem für ukrainische Geflüchtete und Unionsbürger, die wieder in Arbeit kommen sollen, erreicht", erklärte er.

Diese Kontingent-Lösung soll nach den Worten Fiedlers ab 1. Juni gelten. "Damit sichern wir auch das Kursangebot in der Fläche und sorgen wieder für mehr Planungssicherheit", betonte der SPD-Politiker. Er äußerte sich zufrieden mit dem ausgehandelten Kompromiss, über den zunächst WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatten.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), betonte aber, der Haushaltsansatz bleibe "unverändert reduziert" bei 600 Millionen Euro statt zuvor 1,3 Milliarden - so wie vom Bundesinnenministerium vorgesehen. "Und Asylbewerber und Geduldete werden zukünftig von den Integrationskursen ausgenommen." Die Ziele der Union seien damit erreicht. Das Bundesinnenministerium äußerte sich dazu zunächst nicht.

Der SPD-Abgeordnete Hakan Demir räumte ein, dass noch eine finanzielle Ausgestaltung des Kompromisses fehle: "Ob es ausreichenden Zugang in den nächsten Jahren gibt, hängt jetzt von den Haushaltsverhandlungen ab." Demir bedauerte, die für Kursanbieter entstandene Planungsunsicherheit. Dies dürfe sich nicht wiederholen.

Laut "Süddeutscher Zeitung" bleibt es bei einer Deckelung der Gesamtausgaben. Bei verfügbaren Mitteln solle es aber ein Kontingent von freiwilligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern geben, bei denen die Kosten übernommen würden. Vorrang sollten Menschen haben, die auf Grundlage von Paragraf 24 des Aufenthaltsgesetzes vorübergehenden Schutz in Deutschland genießen. Das betrifft derzeit vor allem Geflüchtete aus der Ukraine. Ebenfalls priorisiert werden sollten Bürgerinnen und Bürger anderer EU-Staaten, die für den deutschen Arbeitsmarkt von Bedeutung seien.

Laut Aufenthaltsgesetz haben Ausländerinnen und Ausländer einen Rechtsanspruch auf Teilnahme an einem Integrationskurs, die ihren ersten Aufenthaltstitel ab dem 1. Januar 2005 erhalten haben und sich dauerhaft in Deutschland aufhalten. Andere Migrantinnen und Migranten können freiwillig an den Kursen teilnehmen, sofern ausreichend Plätze zur Verfügung stehen. Seit Einführung der Kurse vor rund 20 Jahren haben mehr als vier Millionen Menschen an den Kursen teilgenommen.

Die Grünen-Migrationsexpertin im Bundestag, Filiz Polat, kritisierte die fortbestehende Begrenzung des Zugangs zu den Kursen. "Wer Menschen den Zugang zu Sprache begrenzt, erschwert bewusst gesellschaftliche Teilhabe und Arbeitsmarktintegration", erklärte sie. Sprache sei "keine freiwillige Zusatzleistung, sondern die Voraussetzung für gelingende Integration". Deren Förderung müsse daher von der Koalition "als Teil der wirtschaftlichen Infrastruktur und Arbeitsförderung verstanden werden. Hier sei auch Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) in die Pflicht zu nehmen.

Verdi-Vorstandsmitglied Rebecca Liebig begrüßte zwar den ausgehandelten Kompromiss, pochte aber auf Nachbesserungen. "Wir werden darauf drängen, dass nicht nur Menschen aus der Ukraine, sondern auch Geduldete und Asylsuchende wieder einen Zugang zu den Integrationskursen erhalten", erklärte die Gewerkschafterin.

A.Saggese--PV

Empfohlen

Sprecherin: Trump trifft bei Nato-Gipfel in Ankara Selenskyj und al-Scharaa

US-Präsident Donald Trump will sich am Rande des Nato-Gipfels in Ankara mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj und dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa treffen. Trump werde am Mittwochnachmittag bilaterale Gespräche mit Selenskyj und al-Scharaa führen, sagte die stellvertretende Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, am Sonntag vor Journalisten.

Trauerfeiern im Iran: Chameneis Sohn und Nachfolger fehlt auch am zweiten Tag

Zehntausende Iraner haben am Wochenende Abschied von dem getöteten langjährigen Machthaber Ayatollah Ali Chamenei genommen. Sein Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei fehlte jedoch auch am Sonntag, dem zweiten Tag der offiziellen Trauerfeierlichkeiten in Teheran. Er ist seit dem Tod seines Vaters bei US-israelischen Angriffen am 28. Februar nicht öffentlich in Erscheinung getreten.

Festnahmen in Türkei vor Nato-Gipfel in Ankara - Kritik der Opposition

Zwei Tage vor Beginn des Nato-Gipfels in Ankara sind in der Türkei laut Medienberichten erneut mehrere Journalisten und Bürgerrechtler festgenommen worden. Nach Angaben der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" gab es bei Einsätzen in mehreren Provinzen des Landes am Sonntag dutzende Festnahmen. Ziel sei es offenbar, "Demokraten, Linke und die Presse einzuschüchtern", sagte der Anwalt Erman Öztürk der Nachrichtenagentur AFP.

US-Innenminister: Aufmarsch von Rechtsextremen ist Ausdruck von Meinungsfreiheit

Der Aufmarsch einer rechtsextremen Gruppe am 250. Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten ist nach Ansicht der Regierung in Washington ein Ausdruck der Meinungsfreiheit in den USA. Innenminister Doug Burgum sagte am Sonntag im Sender CNN, die Gruppe stünde zwar für nichts, dem er irgendwie zustimmen könnte, aber eines der grundlegenden Prinzipien der USA, "das Demokratie so chaotisch macht", sei die Freiheit, seine Meinung sagen zu dürfen.

Textgröße ändern: