Pallade Veneta - Hohe Erwartungen an Koalitionsausschuss - Merz rechnet mit "großem Sprung"

Hohe Erwartungen an Koalitionsausschuss - Merz rechnet mit "großem Sprung"


Hohe Erwartungen an Koalitionsausschuss - Merz rechnet mit "großem Sprung"
Hohe Erwartungen an Koalitionsausschuss - Merz rechnet mit "großem Sprung" / Foto: Michael Kappeler - POOL/AFP

Die Erwartungen sind von allen Seiten hoch: Der Koalitionsausschuss der schwarz-roten Bundesregierung ist am Mittwochnachmittag zu seiner entscheidenden Sitzung vor der Sommerpause zusammengekommen, um die Weichen für wichtige Reformen zu stellen. Dabei geht es um Entlastungen bei der Einkommensteuer, die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts und Bürokratieabbau zur Stärkung der Wirtschaft. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rechnete mit einem "großen Sprung nach vorn".

Textgröße ändern:

"Wir werden heute einige Zeit brauchen, um über die Themen zu sprechen, die wir gemeinsam für notwendig und für richtig halten", sagte Merz. Es gehe vor allem darum, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wieder zu stärken und alles dafür zu tun, "damit private Haushalte konsumieren können, aber auch die Industrie investieren kann". Regierungssprecher Stefan Kornelius hatte Anfang der Woche ein "großes Paket" angekündigt.

Das Ganze sei "ein Prozess" - der sei zwar gut vorbereitet, aber noch nicht abgeschlossen, sagte der Kanzler. Es werde "nicht den einen großen Big Bang" geben, weder am Mittwoch noch am Donnerstag. In einer Reihe von Fragen lagen Union und SPD zuletzt noch auseinander, besonders beim Thema Steuern und bei der Arbeitsmarktflexibilisierung. Die Ergebnisse des Koalitionstreffens sollen voraussichtlich am Donnerstag vorgestellt werden.

Die Wirtschaftsverbände forderten von der Regierung, "jetzt ein umfassendes Reformpaket für mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit" zu liefern. Die wirtschaftliche Lage sei zu ernst, um weiter Zeit zu verlieren, erklärte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Tanja Gönner. Sie forderte eine Entlastung für Unternehmen etwa durch die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und mittels Bürokratieabbau.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) forderte einen konsequenten Bürokratieabbau, den Verzicht auf Steuererhöhungen sowie flexiblere Arbeitszeitregeln - vor allem die Umstellung auf eine Wochenarbeitszeit. Das sei "kein Eingriff in den Schutz der Beschäftigten, sondern ein Update an die Realität moderner Arbeit".

SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese ging fest von Ergebnissen vor der Sommerpause aus. "Das ist ja heute nicht der Beginn der Gespräche", sagte er in der ARD. SPD und Union seien sich einig, dass die Koalition vor der Sommerpause zu Ergebnissen kommen müsse.

Beim Thema Steuern traten aber erneut die unterschiedlichen Sichtweisen zutage: Unionsparlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) sprach sich dagegen aus, geplante Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen nur über höhere Steuern an anderer Stelle gegenzufinanzieren. Eine Entlastung für viele dürfe nicht durch eine stärkere Belastung einzelner finanziert werden, sagte er in der ARD. "Das würde dann eben auch, wenn wir über einen Spitzensteuersatz sprechen, Handwerker, Ingenieure, Facharbeiter treffen." Stattdessen seien Einsparungen im Haushalt erforderlich.

Der Bund der Steuerzahler warnte ebenfalls davor, den Spitzen- und Reichensteuersatz anzuheben, wie es Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ins Spiel gebracht hatte. Verbandspräsident Reiner Holznagel betonte in der "Bild", es sei besser, "zunächst gar nichts zu tun", als zusätzliche Belastungen zu produzieren. Auch aus der Union waren zuvor Forderungen gekommen, die Steuerreform notfalls zu verschieben.

Der CDU-Wirtschaftsexperte Tilman Kuban rief CSU-Chef Markus Söder zum Verzicht auf die Ausweitung der Mütterrente auf. Damit könne Söder den Ball ins Rollen bringen, denn das spare fünf Milliarden Euro im Jahr, sagte er dem "Focus". Bilger lehnte das jedoch ab. Die Ausweitung der Mütterrente hatte die CSU im Koalitionsvertrag durchgesetzt. Damit sollen auch Mütter, die vor 1992 Kinder geboren haben, Rentenpunkte für ihre Erziehungsleistung erhalten.

Weiter fortgeschritten ist die Rentenreform - hier hatte die dafür eingesetzte Kommission kürzlich umfassende Vorschläge vorgelegt. Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) versicherten bereits, diese im Paket umsetzen zu wollen. Im Koalitionsausschuss könnte der konkrete Zeitplan besprochen werden.

Geleitet wird der Koalitionsausschuss von Merz. Auch die SPD-Parteivorsitzenden, Finanzminister Lars Klingbeil und Arbeitsministerin Bärbel Bas, sowie CSU-Chef Söder, die Spitzen der Regierungsfraktionen und weitere Partei- und Regierungsmitglieder nahmen teil.

G.Riotto--PV

Empfohlen

Bundesanwaltschaft klagt nach Nord-Stream-Anschlägen mutmaßlichen Anführer an

Knapp vier Jahre nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines hat die Bundesanwaltschaft den mutmaßlichen Anführer des Sabotageteams, den Ukrainer Serhii K., angeklagt. Das bestätigte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde am Mittwochabend, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Mordfall Caruana Galizia: Prozess gegen mutmaßlichen Auftraggeber begonnen

Fast neun Jahre nach der Ermordung der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia hat in Malta der Prozess gegen den mutmaßlichen Auftraggeber begonnen. Der Geschäftsmann Yorgen Fenech erschien am Mittwoch vor Gericht in Valletta, wie der Anwalt der Familie Caruana Galizia, Jason Azzopardi, der Nachrichtenagentur AFP bestätigte.

Noosha Aubel: Tempo 10 für Bürger, Potsdams Schlaglochpolitik, Desinteresse oder Unfähigkeit?

Die Rudolf-Breitscheid-Straße in Potsdam Babelsberg um deutschen Bundesland Brandenburg sieht nicht aus wie die Straße einer Landeshauptstadt. Sie sieht aus wie ein Protokoll des Wegsehens: aufgerissener Asphalt, freiliegendes Pflaster, tiefe Schlaglöcher, gefährliche Kanten, Flickwerk statt Sanierung. Wer hier mit Auto, Fahrrad, Moped oder Motorrad unterwegs ist, fährt nicht über eine Straße - er fährt durch ein öffentlich finanziertes Versagen. Ob dieses finanzierte Versagen Desinteresse oder Unfähigkeit im Rathaus Potsdam ist, in welchem Noosha Aubel (50) als Oberbürgermeister kreisfreier Städte in der Besoldungsgruppe B7, laut Besoldungstabelle ein monatliches Grundgehalt von 11.921,34 Euro vom Bürger bezahlt bekommt, ist zu hinterfragen.Die Stadt, vor allem die Verantwortlichen im Rathaus von Potsdam, wussten um den Zustand, insbesondere Oberbürgermeisterin Noosha Aubel. Schon im Jahr 2024 erklärte Potsdam selbst, der Straßenzustand habe sich so verschlechtert, dass Tempo 10 „unumgänglich“ sei; die Erneuerung der Fahrbahn wurde mit 3,3 Millionen Euro beziffert. Geld dafür stand nach städtischer Darstellung nicht zur Verfügung. Schuld an dieser Finanzmisere zulasten der Bürger sind allerdings die Verantwortlichen im Rathaus der Landeshauptstadt Potsdam, die tagtäglich von den Bürgern finanziert werden.

Kabinett beschließt Pflichtübungen für Reservisten und Bau-Turbo für Bundeswehr

Vor dem Nato-Gipfel in der kommenden Woche hat das Bundeskabinett zwei Gesetzentwürfe zur Stärkung der Bundeswehr beschlossen. Dabei geht es um den beschleunigten Bau von militärischer Infrastruktur sowie die Stärkung der Reserve. Damit sollen Reservistinnen und Reservisten künftig wieder zu Übungen verpflichtet werden können.

Textgröße ändern: